18.09.2006 · Eine „alpinhistorische Sensation“ präsentiert der Deutsche Alpenverein: Im Jahr 1820 war Josef Naus nicht der erste Mensch, der die Zugspitze bestiegen hat. Eine „wiederentdeckte“ Karte aus dem Archiv beweise, daß die Erstbesteigung viel früher war.
Die Erstbesteigung der Zugspitze war nach neuesten Erkenntnissen des Deutschen Alpenvereins (DAV) rund ein halbes Jahrhundert früher als bisher angenommen. Eine wiederentdeckte historische Karte aus der Zeit um 1770 beweist nach DAV-Angaben, daß nicht Josef Naus im Jahr 1820 als erster Mensch auf dem 2962 Meter hohen Gipfel von Deutschlands höchstem Berg stand. Vielmehr belege die Karte, daß die Erstbesteigung bereits in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts gewesen sein müsse, heißt es in der Mitteilung des Alpenvereins.
„Die Besteigungsgeschichte der Zugspitze muß neu geschrieben werden“, schrieb der DAV und sprach von einer „alpinhistorischen Sensation“. Der Leutnant Naus galt bisher als Erstbesteiger. Doch nun wurde im Archiv des DAV eine historische Karte aus der Zeit um 1770 „wiederentdeckt“, wie es in der Mitteilung heißt. Sie beweise eindeutig, „daß bereits sehr viel früher Menschen auf dem Gipfel der Zugspitze gestanden haben müssen“.
230 Jahre alte Karte als Beweis
Auf der über 230 Jahre alten Karte ist das so genannte Reintal eingezeichnet und insbesondere ein Steig durch dieses Tal auf den Gipfel, wie DAV-Sprecherin Andrea Händel erläuterte. Dieser Eintrag und weitere Informationen auf der historischen Karte sind offensichtlich Beweis genug dafür, daß bereits zu jener Zeit Menschen auf dem Gipfel der Zugspitze standen.
Die Original-Karte will der Alpenverein an diesem Donnerstag präsentieren. Ein Vertreter des Bayerischen Hauptstaatsarchivs soll dann auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz eine zeitliche Einordnung des historischen Dokuments vornehmen. Auch die Frage, wer der tatsächliche Erstbesteiger der Zugspitze ist, will der Alpenverein erst dann beantworten.
Eine halbe Million Touristen
Die zum Wettersteingebirge gehörende Zugspitze besuchen im Jahr rund eine halbe Million Touristen und Bergsteiger. Die meisten erreichen den Gipfel mit einer der Seilbahnen oder mit der Zahnradbahn. Eine Kabinenbahn führt vom österreichischen Ehrwald auf die Zugspitze. Weit weniger „Gipfelstürmer“ gehen tatsächlich zu Fuß auf Deutschlands höchsten Berg. Der Aufstieg erfordert einiges bergsteigerisches Können und vor allem Kondition. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) unterhält auf dem Berg eine meteorologische Beobachtungsstation.
Im Winter ist die Zugspitze eines der beliebtesten Skigebiete in den deutschen Alpen. Eine ganze Reihe von Liftanlagen bringen täglich Tausende Skifahrer zu den Pisten aller Schwierigkeitsgrade. Der Gletscher auf der Zugspitze ist unter der immer dünner werdenden Ozonschicht in den vergangenen Jahren bedenklich geschmolzen. Daher wird er im Sommer mit Matten großflächig abgedeckt.