http://www.faz.net/-gum-8uy49

Neue Studie : Rauschtrinken bei Jugendlichen von Eltern beeinflusst

  • Aktualisiert am

Ein Mädchen sitzt in Berlin hinter leeren Bierflaschen (Archivbild). Beim Rauschtrinken ist der Einfluss des Elternverhaltens stärker als bislang angenommen. Bild: dpa

Eine Langzeitstudie zeigt, dass das Trinkverhalten der Eltern das der Kinder stark prägt – und zwar bis ins Erwachsenenalter. Der große Einfluss der Eltern überrascht die Forscher.

          Der elterliche Umgang mit Alkohol hat stärkeren Einfluss auf das Rauschtrinken von Jugendlichen als bislang angenommen. Das zeigt eine Langzeitstudie im Auftrag der Krankenkasse DAK und des Bundesbildungsministeriums, welche die DAK am Donnerstag in Berlin vorstellte. Zwölfjährige, deren Eltern regelmäßig zu Alkohol greifen, haben im Erwachsenenalter demnach ein dreimal höheres Risiko des Rauschtrinkens als Kinder „alkoholfreier“ Familien.

          „Unsere Untersuchung zeigt, dass beim Rauschtrinken der Einfluss des Elternverhaltens stärker ist als bislang angenommen“, erklärte Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord). Er verfolgte die Entwicklung riskanten Alkoholkonsum in der Untersuchung neun Jahre lang.

          Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) appellierte an die Eltern, ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden. „Wasser predigen und Wein trinken, das geht nicht“, erklärte sie in Berlin bei der Vorstellung der aktuellen DAK-Untersuchung.

          21 Prozent der Eltern sorgen sich, dass ihre Kinder zu viel trinken

          Zusätzlich ließ die Krankenkasse tausend Mütter und Väter von Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren zum Thema Alkohol befragen. Demnach machen sich 21 Prozent Sorgen, dass ihre Sprösslinge zu viel trinken. Knapp ein Drittel der Befragten (32 Prozent) legt der repräsentativen Umfrage zufolge aber selbst ein riskantes Trinkverhalten an den Tag.

          Bei den Vätern liegt der Anteil sogar bei 39 Prozent. Nahezu ein Viertel (23 Prozent) der Eltern versetzt sich mindestens einmal im Monat selbst in einem Alkoholrausch.

          Dies habe auch Folgen für den Nachwuchs, betonte Sucht- und Präventionsexperte Hanewinkel: „Bei hohem Alkoholkonsum der Eltern erhöht sich auch bei ihren Kindern das Risiko zum Rauschtrinken.“ Mortler erklärte, Alkoholmissbrauch bleibe trotz allgemein rückläufigen Konsums weiter eine der „großen gesundheitspolitischen Herausforderungen“.

          Frühzeitige Aufklärung über Gefahren von Alkoholmissbrauch wichtig

          Nach den Untersuchungen Hanewinkels und seiner Kollegen am IFT-Nord ist es wichtig für die weitere Suchtentwicklung, dass Rauscherfahrungen möglichst spät gemacht werden. Zwölf- bis 13-Jährige, die diese bereits sammelten, zeigen als junge Erwachsene zu 55 Prozent ein riskantes Trinkverhalten. Unter Altersgenossen, die mit 13 oder 14 Jahren noch rauschfrei waren, sind es mit 46 Prozent signifikant weniger.

          „Die Untersuchungen zeigen, wie wichtig die frühzeitige Aufklärung über die Risiken und Gefahren von Alkoholmissbrauch ist“, erklärtet DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Auch die große Mehrheit der Eltern erwartet laut Befragung eine Aufklärung an Schulen zum Thema Rausch- und Komatrinken. „Aus Sicht der Eltern müssen die Menschen wachgerüttelt werden.“

          Seine Krankenkasse nehme diese Erwartungen ernst und setze etwa auf die Wiederauflage einer erfolgreichen Präventionskampagne in Form eines Plakatwettbewerbs. Die DAK lade auch in diesem Jahr wieder rund 11.000 Schulen bundesweit ein, sich daran zu beteiligen.

          Quelle: AFP

          Weitere Themen

          Polizeieinsatz gegen Hells Angels Video-Seite öffnen

          Nordrhein-Westfalen : Polizeieinsatz gegen Hells Angels

          Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Mittwochmorgen in 16 Städten in Nordrhein-Westfalen Wohnungen und Geschäfte im Rockermilieu durchsucht. Mehr als 700 Polizisten waren im Einsatz. Zuvor hatte das nordrhein-westfälische Innenministerium eine Hells-Angels-Ortsgruppe in Erkrath und deren Unterstützerorganisation verboten.

          „Wir befinden uns mitten in einem Albtraum“

          75 Prozent weniger Insekten : „Wir befinden uns mitten in einem Albtraum“

          Das Insektensterben lässt sich nicht mehr abstreiten. Der oft kritisierte Krefelder Entomologen-Verein hat jetzt in einer Langzeitstudie gezeigt: Die Populationen sind seit der Wende um drei Viertel geschrumpft. Welchen Anteil hat die Landwirtschaft, welchen das Klima?

          Ehrenrunde sorgt für Diskussionen Video-Seite öffnen

          Air-Berlin-Flug : Ehrenrunde sorgt für Diskussionen

          Ein Manöver am Flughafen Düsseldorf am Montag könnte einem Air-Berlin-Piloten vielleicht noch Ärger einbringen. Auf seinem letzten Langstrecken Flug von Miami nach Düsseldorf zieht der Flugkapitän statt zu landen hoch und saust noch einmal am Tower vorbei. Das Luftfahrtbundesamt forderte Air Berlin auf, Stellung zu dem Vorfall zu nehmen.

          Topmeldungen

          Monokulturen und der Einsatz von Agrarchemikalien stehen im Verdacht als Auslöser des Insektenschwunds.

          75 Prozent weniger Insekten : „Wir befinden uns mitten in einem Albtraum“

          Das Insektensterben lässt sich nicht mehr abstreiten. Der oft kritisierte Krefelder Entomologen-Verein hat jetzt in einer Langzeitstudie gezeigt: Die Populationen sind seit der Wende um drei Viertel geschrumpft. Welchen Anteil hat die Landwirtschaft, welchen das Klima?
          Abgang: Stanislaw Tillich am Mittwoch

          Tillichs Rücktritt : Sächsischer Befreiungsschlag

          Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich tut jetzt das, was während seiner Regentschaft viele bitter vermisst haben: Er handelt konsequent. Die Luft um ihn war schon lange vor seinem Rücktritt dünn geworden.
          Andrea Nahles und Thomas Oppermann, kurz nachdem sie zu seiner Nachfolgerin gewählt wurde. Oppermann schielt jetzt auf das Amt des Bundestags-Vizepräsidenten – nur ist er da nicht der einzige.

          Neuer Bundestag : Das Postengeschiebe hat begonnen

          Die Nominierung des Kandidaten für die Bundestags-Vizepräsidentschaft bereitet der SPD einige Schwierigkeiten. Währenddessen hält die FDP für den Posten ihrer Partei eine Überraschung bereit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.