06.07.2004 · Das Aids-Virus breitet sich weltweit weiter mit rasender Geschwindigkeit aus. Die Zahl der Neuinfektionen erreichte mit fünf Millionen im vergangenen Jahr einen Rekordstand.
Das Aids-Virus breitet sich allen Anstrengungen zur Eindämmung der tödlichen Immunschwächekrankheit zum Trotz weltweit weiter mit rasender Geschwindigkeit aus. Die Zahl der Neuinfektionen erreichte mit fünf Millionen im vergangenen Jahr einen Rekordstand, wie aus einem Bericht der Aids-Organisation der Vereinten Nationen (UNAIDS) hervorgeht. „Das Virus ist schneller als jeder von uns“, erklärte UNAIDS-Leiter, Peter Piot.
Es gab aber auch Erfolge im Kampf gegen Aids. Besondere Herausforderungen sieht UNAIDS beim Schutz von Frauen und jungen Menschen. Derzeit seien weltweit fast die Hälfte der mit HIV-Virus infizierten Personen Frauen. Im Süden Afrikas seien sogar 57 Prozent. Frauen und Mädchen hätten auch besonders unter den Folgen von Aids zu leiden, weil sie sich meist um die Erkrankten kümmerten, weil sie Arbeit oder Schulausbildung wegen einer Erkrankungen verlören oder weil sie stigmatisiert würden, erklärte UNAIDS.
Die Sorglosigkeit der Jungen wächst
Die Gruppe der 15- bis 24jährigen bereitet UNAIDS und auch der Kinderhilfsorganisation UNICEF Sorgen, weil die Hälfte aller Neuinfektionen in diese Gruppe fiel. Laut UNICEF sind derzeit zehn Millionen junge Menschen infiziert. Auch verlören immer mehr Kinder ihre Eltern durch Aids. Die Zahl der Aids-Waisen sei von 11,5 Millionen 2001 auf 15 Millionen 2003 gestiegen. Rund 630.000 Kinder seien 2003 mit dem HIV-Virus geboren worden, rund 500.000 Kinder unter fünf Jahren im vergangenen Jahr an Aids gestorben.
Der diesjährige Bericht ist nach Angaben von UNAIDS auf Grund einer verbesserten Datenlage der bislang genaueste. Die Zahl der Infizierten wird jetzt auf 38 Millionen geschätzt, Experten hatten zuvor mit 40 Millionen gerechnet. Trotz der etwas gesunkenen Gesamtzahl steigen die Kosten zur Bekämpfung der Krankheit: So werden im kommenden Jahr zwölf Milliarden Dollar statt der bislang geschätzten zehn Milliarden gebraucht. Es seien etliche Gefahren und auch Kosten bei der Versorgung von Aids-Waisen unterschätzt worden, erklärte Piot.
Epidemien in Osteuropa und Asien
Neue ungebremste Epidemien gibt es demnach in Osteuropa und Asien, wo 60 Prozent der Weltbevölkerung leben. Dort wird Aids vor allem über die Spritzen von Drogenabhängigen verbreitet. Rund 1,3 Millionen Menschen sind bereits infiziert - 1995 waren es 160.000. Am stärksten ist Aids weiterhin in Afrika verbreitet, und dort besonders in den Ländern südlich der Sahara.
Dabei scheine sich die Zahl der HIV-Infizierten bei rund 25 Millionen eingependelt zu haben, heißt es. Die relative Stabilität verberge aber, daß sowohl die Zahl der Aids-Toten als auch die der Infizierten weiter steige. In Lateinamerika konzentriert sich Aids vor allem auf Drogenabhängige und Homosexuelle. In der Karibik verbreitet sich Aids unter Heterosexuellen vor allem durch die Prostitution. Am schlimmsten betroffen ist hier Haiti, wo 5,6 Prozent der Bevölkerung infiziert sind. Aids verbreitet sich auch weiter in den Vereinigten Staaten und Westeuropa, besonders unter homosexuellen und bisexuellen Männern. An positiven Entwicklungen vermeldete UNAIDS, daß die HIV-Infektionen in einigen Ländern zurückgegangen sind. Außerdem seien die Preise für Aids-Medikamente drastisch gefallen. Auch werde mehr Geld für den Kampf gegen Aids bereitgestellt, da sich auch immer mehr Politiker engagierten, erklärte UNAIDS.