25.08.2005 · Bis 2010 wird fast jeder sechste Arzt in Rente sein. Besonders in den neuen Bundesländern ist die Neubesetzung von Praxen schwierig, da die Arbeitsbelastung höher und die Bezahlung schlechter ist.
In Deutschland stellen 116.000 niedergelassene Haus- und Fachärzte die ambulante Versorgung sicher. Die Hälfte von ihnen ist nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung älter als 50 Jahre. Knapp 18.800 sind nahe am Pensionsalter von 65 Jahren. Für sie werden Nachfolger gesucht.
Gleichzeitig steigt der Bedarf an nachrückenden Ärzten in der ambulanten Versorgung. Wurden 2001 noch 3.150 Ärzte benötigt, um den Stand der Versorgung mit Haus- und Fachärzten beizubehalten, werden im kommenden Jahr bereits 4.910 Ärzte gesucht, 2007 werden es mehr als 5.500 und 2008 annähernd 6.400 sein.
Ärztemangel nimmt „bedrohliche Ausmaße“ an
Noch fällt es den Kassenärztlichen Vereinigungen in den alten Ländern und in Berlin nicht schwer, Praxen neu zu besetzen. Anders dagegen die Lage in den neuen Bundesländern. 609 Hausarztstellen und 224 Facharztpraxen sind zwischen Ostsee und Erzgebirge derzeit unbesetzt. Der Ärztemangel nehme „bedrohliche Ausmaße“ an, urteilt der Potsdamer Arzt Hans-Joachim Helming, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der ostdeutschen Kassenärztlichen Vereinigungen.
Die Lage werde sich verschärfen. Bis 2010 werden an die 3.500 Ärzte altersbedingt ausscheiden. Das wäre fast jeder sechste. Die Kassenärztlichen Vereinigungen, die sich um die ambulant-medizinische Versorgung in ihrem Bezirk kümmern und daher alle Daten kennen, haben seit Jahren davor gewarnt.
Patientenbelastung ostdeutscher Ärzte höher
Teils zusammen mit Krankenkassen, zuweilen auch von Gemeinden unterstützt, haben sie Pakete geschnürt, die jungen Medizinern die Niederlassung in ostdeutschen Kleinstädten und Landarztpraxen attraktiv machen sollten: Investitionsszuschüsse, Umsatzgarantien, mietfreie Praxen. Doch die Begeisterung hält sich in Grenzen. Viele junge Ärzte haben Zweifel an der Lebensqualität für die Familie und Sorge wegen überdurchschnittlicher Beanspruchung bei unterdurchschnittlicher Bezahlung.
Der ostdeutsche Hausarzt sehe im Schnitt ein Drittel mehr Patienten als sein westdeutscher Kollege, hat Helming ausgerechnet. Doch werde er für die Mehrarbeit schlechter entlohnt. 700 Millionen Euro seien notwendig, um die Differenz auszugleichen und die Versorgungslücke zu schließen.