03.02.2006 · Im Roten Meer ist eine Fähre mit mehr als 1400 Menschen an Bord gesunken. Die ersten Toten wurden schon geborgen, es soll auch Überlebende geben. Die „Al Salam Boccaccio 98“ ging vor dem ägyptischen Badeort Hurghada unter.
Beim Untergang einer ägyptischen Fähre im Roten Meer sind möglicherweise hunderte Menschen ums Leben gekommen. Das Schiff sank in der Nacht zum Freitag mit mehr als 1400 Menschen an Bord auf dem Weg aus Saudi-Arabien nach Ägypten. Bis zum Nachmittag zogen die Rettungskräfte Dutzende Tote und etwa 100 Überlebende aus dem Wasser. Die Ursache des Unglücks war noch unklar. Das Schiff hatte 1310 Passagiere und mehr als hundert Besatzungsmitglieder an Bord.
Die „Al Salam Boccaccio 98“ sei zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens vor dem Hafen des ägyptischen Badeorts Hurghada untergegangen, sagte der Leiter der ägyptischen Schiffahrtsbehörde, Mahfus Taha Marsuk. Nach Angaben der Schiffahrtsbehörde wurden bis zum Nachmittag 20 Tote geborgen. Der Leiter der zuständigen ägyptischen Hafenbehörde, Mahfus Taha, sagte, ein Hubschrauber habe Rettungsboote im Wasser gesichtet. Nach amtlichen Angaben befanden sich vor allem Ägypter auf der 35 Jahre alten „Al Salam Boccaccio 98“, aber auch Menschen aus dem Sudan, Saudi-Arabien und weiteren Ländern. Offenbar waren auch Pilger aus Mekka an Bord.
Vor allem Ägypter an Bord
Das Auswärtige Amt in Berlin hat noch keine Erkenntnisse, ob Deutsche von dem Fährunglück betroffen sein könnten. Die deutsche Botschaft in Kairo und die Außenstelle in Dschiddah stünden in Kontakt mit den ägyptischen und saudi-arabischen Behörden, um zweifelsfrei zu klären, ob deutsche Staatsgehörige an Bord der Fähre gewesen seien, sagte ein Sprecher am Freitag auf Anfrage.
Über die saudi-arabische Westküste fegten in der Nacht zum Freitag starke Windböen und ein Sandsturm. Die Fähre sank nach den Angaben rund hundert Kilometer von Hurghada entfernt. Das Schiff war am Donnerstag abend von den Radarschirmen verschwunden, nachdem es aus dem Hafen von Dubah in Saudi-Arabien ausgelaufen war. Es hätte am frühen Morgen im 200 Kilometer entfernten ägyptischen Hafen Safagar eintreffen sollen.
Marineschiffe sollen helfen
Vier ägyptische Marineschiffe seien auf dem Weg zu der Unglücksstelle, sagte Verkehrsminister Mohammed Lufty Mansur dem amerikanischen Nachrichtensender CNN. „Die Küstenwache versucht alles, was in ihrer Macht steht, um diese Leute zu retten.“ Das Schiff habe den Sicherheitsbestimmungen entsprochen und die zulässige Zahl der Passagiere an Bord eingehalten. Es sei 1990 komplett überholt worden. Auch die britische Marine schickte ein Kriegsschiff im Roten Meer zur Unglücksstelle. Die „HMS Bulwark“ solle bei den Rettungsarbeiten helfen, sagte ein Sprecher der Royal Navy in London. Wie der britische Sender BBC berichtete, braucht das Schiff eineinhalb Tage, um an den Unglücksort zu gelangen.
Das Schiff gehört dem ägyptischen Unternehmen El Salaam Maritime. Eine Fähre desselben Unternehmens war im Oktober am Eingang des Suez-Kanals mit einem Frachtschiff zusammengestoßen. Dabei kam es zu einer Panik unter den Passagieren, darunter ebenfalls Pilger. Damals starben zwei Menschen, es gab 40 Verletzte.