29.11.2003 · Mit dem 1. Adventssonntag beginnen Christen, sich durch Buße und innere Einkehr auf die Geburt Jesu vorzubereiten. Aber auch das Geschenkekaufen läuft auf Hochtouren.
Mit dem 1. Adventssonntag, der diesmal auf den 30. November fällt, beginnt für die Christen die vorweihnachtliche Zeit. Sie dient den Gläubigen dazu, sich durch Buße und innere Einkehr auf die Geburt Jesu vorzubereiten. Der Advent, abgeleitet vom lateinischen Wort für Ankunft („adventus“), vollendet sich mit dem Ersten Weihnachtstag als Geburtstag Christi - für Christen bedeutet dies, daß Gott seinen Sohn in Menschengestalt auf die Erde geschickt hat, um die Menschheit von Schuld und Sünde zu erlösen.
Der dabei jeden Adventssonntag angezündete Adventskranz ist jedoch kein uraltes christliches oder gar germanisches Symbol. „In Wirklichkeit geht der Adventskranz auf evangelisches Brauchtum aus dem 19. Jahrhundert zurück“, sagt die Würzburger Volkskundlerin Heidrun Alzheimer-Haller. „Erfinder“ des Adventskranzes ist der evangelische Pfarrer Johann Hinrich Wichern (1808-1881). In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts diente dem späteren Gründer der „Inneren Mission“ in seinem Hamburger Waisenhaus ein mit 24 Kerzen bestücktes hölzernes Rad als pädagogisches Mittel, berichtet Alzheimer-Haller. Während der Adventszeit durfte zur täglichen Morgenandacht jeweils ein Junge eine Kerze anzünden, der sich am Vortag durch besondere Leistung ausgezeichnet hatte. Daraus entwickelte sich der Adventskranz.
Damit der gemütliche Adventskaffee bei brennenden Kerzen jedoch nicht jäh mit einem Zimmerbrand endet, gibt die Aktion Das Sichere Haus (DSH), Hamburg, einige Sicherheitshinweise: Adventskränze sollten frisch gebunden sein. Je trockener die Zweige sind, desto leichter können sie Feuer fangen. Tipp: Nach dem zweiten Advent trockene Zweige oder den ganzen Kranz gegen frische Exemplare austauschen. Der Kranz steht am sichersten auf einer nicht brennbaren Unterlage, zum Beispiel einer Glasplatte oder einem Porzellanteller. Die Kerzenhalter sollten aus feuerfestem Material sein und die Kerze stabil halten. Kerzen sollten ausgewechselt werden, bevor sie ganz niedergebrannt sind. Streichhölzer und Feuerzeuge sollten so aufbewahrt werden, daß Kleinkinder sie nicht in die Hände bekommen. Eltern sollten kleine Kinder nicht allein in der Nähe von brennenden Kerzen lassen.
Adventskalender auch im Netz
Ein weiterer Brauch, der zur Vorweihnachtszeit Kinderherzen höher schlagen läßt, ist der Adventskalender, der jeden Morgen jedes Tages vor Weihnachten im Dezember versüßt. Wer auf die alljährliche Schokolade oder auch das Selbstgebastelte verzichten will, hat auch virtuell Möglichkeiten, jeden Tag jemandem eine erfreuliche Überraschung zu bescheren. Beispielsweise unter www.nikolaus.com gibt es einen digitalen Adventskalender, der selbst zu befüllen ist.
Unter der Adresse www.bmbf.de gibt es einen Adventskalender der anderen Art. Dort stellt das Bundesministeriums für Bildung und Forschung jeden Tag Informationen zur europäischen Marsmission ins Netz. Der Missionskalender dauert einen Tag länger als herkömmliche Adventskalender und führt bis zur Landung des Mars Express am 25. Dezember.
Umfrage: Die meisten genießen den Advent
Trotz überfüllter Geschäfte und Geschenke-Stress - für 74 Prozent der Deutschen ist der Advent eine schöne Zeit. Dies ergab repräsentative Emnid-Umfrage. Bei den Frauen lag der Anteil der Adventsfans mit 81 Prozent dabei deutlich höher als bei den Männern, bei denen sich lediglich 65 Prozent auf die besinnliche Zeit freuen. Mit zunehmendem Alter scheint die Freude an der Vorweihnachtszeit zu wachsen - bei den über 45jährigen gaben ganze 81 Prozent an, die Wochen vor Weihnachten sehr zu genießen. Für etwa jeden Zehnten (12 Prozent) bedeuten die Tage vor Weihnachten jedoch in erster Linie Stress. Und 13 Prozent sagen sogar: „Mich interessiert das alles nicht.“
Kommerzieller Advent
Doch Besinnlichkeit und innere Einkehr sind nicht das einzige, das die Adventszeit auszeichnet. Hektische Weihnachtseinkäufe und allerlei Maßnahmen zum Kundenfang gehen auch mit der Vorweihnachtszeit einher. Beispielsweise präsentieren sich zahlreiche Bahnhöfe im vorweihnachtlichen Glanz. In den Hauptbahnhöfen Frankfurt am Main und Mainz sollen Weihnachtsmärkte zum Bummeln und Geschenke kaufen verlocken, wie die Bahn am Donnerstag mitteilte.
Aber auch zahlreiche berühmte Märkte laden Besucher zum Bummeln und vor allem Kaufen ein. Berühmt in Deutschland ist etwa der Annaberger Weihnachtsmarkt, dessen Ursprünge im 16. Jahrhundert liegen. Verkauft wird in dem sächsischen Ort vor allem erzgebirgische Volkskunst wie Räuchermänner, Nußknacker und Klöppelspitzen. Auch das sächsische Schneeberg lädt ab dem 1. Adventssamstag ein zu einer typischen Erzgebirgsweihnacht mit Weihnachtspyramide, Turmbläsern und Bergmannsmusik.
Als ältester Weihnachtsmarkt in Deutschland gilt jedoch der Dresdner Striezelmarkt, der 1434 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Seinen Namen hat der weltberühmte Markt vom so genannten Striezel - dem Dresdner Christstollen. Ebenfalls auf eine lange Tradition blicken die Märkte in Augsburg und Nürnberg zurück. Der Augsburger Christkindlesmarkt entstand als Lebkuchenmarkt im Jahr 1498. Heute kommen jährlich rund eine Million Besucher nach Augsburg. Der Markt beginnt jedes Jahr am Donnerstag vor dem 1. Advent und endet am 24. Dezember.
Christkindlesmarkt in Nürnberg
Geschlagen wird der Augsburger Markt in der Besuchergunst vom Nürnberger Christkindlesmarkt. Er wurde 1628 erstmals erwähnt, beginnt jedes Jahr am Freitag vor dem 1. Advent, endet am 24. Dezember und wird in dieser Zeit von etwa zwei Millionen Menschen besucht. Eröffnet wird der Markt seit 1948 vom Nürnberger Christkind mit dem berühmten Prolog.
Aber auch der Norden und die Hauptstadt verstehen es in der Vorweihnachtszeit, ihren Bürgern mit Glühwein und Kerzenlicht das Herz zu wärmen. Der Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche beginnt am Montag nach dem Totensonntag und endet am 26. Dezember. Mit seinen rund vier Millionen Besuchern ist er der meistbesuchte Weihnachtsmarkt Deutschlands. Insgesamt öffnen in Berlin 45 Märkte ihre Tore. Erstmals wird es auch auf einem der schönsten Plätze Europas, dem Gendarmenmarkt, einen „Weihnachtszauber-Markt“ geben.
In Norddeutschland ist Hamburg die Weihnachtsmarkt-Haupstadt. Besonders eindrucksvoll verspricht der historische Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz zu werden, der gemeinsam mit dem bekannten Zirkus „Roncalli“ in nostalgischem Flair gestaltet wird. Im vergangenen Jahr zählte dieser Markt zwei Millionen Besucher.