„Dick wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten“, betonte Professor Alfred Wirth, Präsident der Adipositas-Gesellschaft auf der 17. Jahrestagung in Bremen. „Ein täglicher Kalorienüberschuß von etwa 25 bis 30 Kilokalorien, macht im Jahr eineinhalb Kilo, aber in zehn Jahren zehn Kilo“, rechnete Wirth vor.
Als Goldstandard der Ernährungstherapie gilt laut Professor Manfred Hauner vom Deutschen Diabetes-Forschungsinstitut der Universität Düsseldorf immer noch die selbstgewählte Mischkost mit mindestens 500 Kilokalorien täglich weniger als man verbrennt. Das läuft auf etwa 1.500 bis 2.000 Kilokalorien pro Tag raus und bedarf ärztlicher Begleitung. Die Crux beim Kalorienzählen bleibt, dass jeden Bissen wiegen, notieren und in Tabellen blättern nervt. Und das Essverhalten ändert sich nicht unbedingt auf lange Sicht: Studien zeigten, dass nach Ende der Diät im folgenden Jahr die abgespeckten Pfunde oft wieder drauf waren.
Fettzufuhr minimieren
Vor allem die Drosselung der Fettzufuhr ist ein wesentliches Kriterium. Es ist wesentlich leichter im Alltag umsetzbar, auf etwa 60 Gramm Fett Obergrenze, maximal 30 Prozent der Energiemenge täglich, zu achten. Dabei gilt dann kein Limit für Kartoffeln, Brot, Nudeln, Reis, Obst und Gemüse. „Fett macht nicht satt, satt machen Kohlenhydrate“, betonte Wirth und verwies zudem darauf, dass je übergewichtiger man sei, desto höher auch der Fettkonsum ausfalle.
„Fair zu sich sein“ beim Umstellen der Essgewohnheiten rät Professor Pudel von der Ernährungsforschungsstelle der Universität Göttingen. Wer ein Pfund Butter die Woche esse, solle es nicht fortan ohne Butter versuchen, sondern zuerst mit der Hälfte. Sonst träte rasch der Effekt der Neujahrvorsätze ein, die am 3. Januar hinfällig seien.
Als fettarm Süßes bietet sich aber auch Weingummi oder Russisch Brot an. Zum Thema Spirituosen rechnet Pudel im Buch „Adipositastherapie“ vor, dass „der Alkohol einer Flasche Bier (0,5l) die Fettverbrennung von 16 Gramm Fett hemmt. Das addiert sich bei einem Glas pro Tag auf 5,8 Kilo im Jahr!“
Neben der geschärften Aufmerksamkeit für weniger Fett setzen die Ernährungsexperten unermüdlich auf mehr Bewegung. „Des Mensch ist ein Lauftier“ und sei vor 100 Jahren noch bis zu rund 30 Kilometer täglich zu Fuß marschiert, betont Wirth. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft empfiehlt gelenkschonende Ausdaueraktivitäten wie dreimal wöchentlich 30 bis 45 Minuten Schwimmen, Radfahren, Walking um unseren schreibtisch- und sofabetonten Lebensstil auszugleichen. Unter dem Motto „Jeder Gang macht schlank“, zählt auch das Rad für den Arbeitsweg und Treppe statt Aufzug ernsthaft mit.
Fettreduktion und Bewegung
Realistische Ziele sind im Kampf gegen das Übergewicht gefragt: Mit Fettreduktion und Bewegung lässt sich monatlich etwa ein Kilo dauerhaft verlieren. Die so genannten Formuladiäten, eiweißhaltige Milchshakes oder Suppen offerieren schnelleres Abnehmen, sind aber nicht ohne Gesundheitsrisiken und ändern das Essverhalten nicht. Unter ärztlicher Aufsicht werden sie bei stark Übergewichtigen zum Start eingesetzt. Damit der Körper aber sein Gewicht nicht per Jojo-Effekt verteidigt, müssen sich umgestellte Ernährung und mehr Bewegung anschließen.„Einseitige Diäten einschließlich der Nulldiät sind wegen der gesundheitlichen Risiken und der extrem hohen Rückfallrate nicht zu empfehlen“, fasst Hauner zusammen.
Lassen sich bei einem mäßigen Übergewicht und gleichzeitigem Diabetes oder Hochdruck in sechs Monaten nicht mindestens 5 Prozent des Ausgangsgewichts reduzieren, verordnen Mediziner unterstützend auch Medikamente: Unter diesen Bedingungen kommen seit Neustem der Sättigungsgefühle steigernde Wirkstoff Sibutramin und das die Fettresorbtion hemmende Orlistat zum Einsatz. Chirurgische Maßnahmen wie Magenband-OPs gehören in die Abteilung „ultima ratio“ und werden erst ab einem Body-Mass-Index (BMI, Erklärung siehe Link "Adipositas ist das am schnellsten wachsende Gesundheitsrisiko") über 40 oder Diabetikern mit einem BMI über 35 erwogen, wenn alle anderen Strategien erfolglos waren.