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Medienkritik : Warum FAZ.NET das Bild von Andreas Lubitz zeigt

Kopilot Andreas Lubitz, hier während eines Aufenthalts in San Francisco. Die Aufnahme stammt aus dem sozialen Netzwerk Facebook. Bild: AP/Facebook

Die Berichte über den Absturz des Fluges 4U9525 sorgen für jede Menge Medienkritik im Netz. Über Opfer soll nicht berichtet werden, meinen viele, und der Kopilot dürfe schon gar nicht gezeigt werden. Wo liegen die Grenzen der Berichterstattung bei einer Katastrophe?

          Es ist eines der schrecklichsten Verkehrsunglücke der vergangenen Jahre. Es geht den Deutschen nah, sehr nah. Der Sicherheits-Mythos, der die deutsche Luftfahrt umgab, ist zerbrochen. Schulkinder sind umgekommen, es hätten die eigenen sein können. Urlauber sind gestorben, die vielleicht noch Momente vorher auf ihre gelungenen Ferien in einer der schönsten Städte Spaniens angestoßen haben. Das hätten wir sein können.

          Das Unfassbare zu begreifen, fällt schwer. Wir reagieren mit Schutz-Mechanismen, mit denen uns die Natur ausgestattet hat: Das kann nicht wahr sein, das darf nicht wahr sein. Wir verdrängen die schreckliche Wirklichkeit. Wir, die in den Urlaub fliegen oder auf Geschäftsreisen ins Flugzeug steigen, wollen unser Gefühl von Sicherheit erhalten. Wir wollen nicht in das nächste Flugzeug steigen, mit der Angst, oder auch nur einem Unbehagen: Ist alles in Ordnung mit dem Piloten? Ist er psychisch stabil? Was verrät sein Blick? Wird er uns in die nächste Felswand rammen?

          Andreas Lubitz ist der Mann, der 149 Menschen und sich selbst in den Tod gerissen hat. Es ist eine der größten Katastrophen der deutschen Luftfahrtgeschichte. Er hat sie verursacht - das steht laut den Ermittlern fest. Es sind nicht irgendwelche Ermittler. Es sind die Spezialisten der Luftfahrtbehörde BEA, der französischen Untersuchungsbehörde für Flugunfälle. Es sind erfahrene Spezialisten, deren vorläufige Erkenntnisse der französische Staatsanwalt Brice Robin mitgeteilt hat, ein routinierter Jurist aus der Verbrechensmetropole Marseille. Sie stützen sich auf die Auswertung der Cockpit-Aufnahmen, die in dem gefundenen Voice Recorder enthalten waren. Die Erkenntnisse waren offenbar so klar, dass die Ermittler ihre Analysen verkündeten, ohne den Fund des Datenrekorders abzuwarten. Von dieser Faktenlage müssen wir im Moment ausgehen.

          Der rapide Sinkflug wurde ausgelöst, auch das hat die Auswertung ergeben, weil jemand den entsprechenden Knopf manuell betätigt hat. Das ist nicht einfach und kann nicht durch ein  Versehen ausgelöst werden. Es geschah zu der Zeit, in der Andreas Lubitz allein im Cockpit war. Sein Kollege, der erfahrene Chefpilot, hatte das Cockpit kurzzeitig verlassen, die Tür war ins Schloss gefallen. Während sich das Flugzeug rapide dem Boden näherte, versuchte der Pilot, zurück ins Cockpit zu gelangen. Erst freundlich, dann immer drängender, schließlich verzweifelt. All das war, so die Ermittler, deutlich auf dem Stimmrekorder wahrzunehmen. Auf der Aufnahme waren die vergeblichen Versuche zu hören, schließlich die Schreie der Passagiere. Doch aus dem Cockpit drang nur der ruhige, regelmäßige Atem von Andreas Lubitz.

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          Es ist ein schrecklicher Unfall, ausgelöst durch das Verhalten des Kopiloten. Die Opfer und die Öffentlichkeit haben ein Recht darauf zu erfahren, wer das Unglück ausgelöst hat. Unter welchen Umständen es auch immer geschah. Dieses Unglück muss erklärt werden, denn nur so können wir es überwinden. Dafür sind Reporter da, Redakteure, Webseiten, Zeitungen und TV-Sender. Zur Erklärung gehört in diesem Fall nicht ein technisches Versagen, das wäre einfacher. Im Zentrum der Erklärung steht ein Mensch, genauer sein Kopf, sein möglicherweise irregeleitetes Gehirn. Das ist das Unerklärliche, was uns soviel Schwierigkeiten bereitet: Es ist die Psyche von Andreas Lubitz, die Unfassbares verursacht hat. Die Lösung ist nach gegenwärtigem Stand nur in der Person des Kopiloten zu finden. Wir müssen uns mit ihm beschäftigen, wir müssen ihn ansehen, wir dürfen ihn sehen.

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