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828 Meter hoch Höchster Wolkenkratzer der Welt eröffnet

04.01.2010 ·  In Dubai ist trotz Krise mit großem Pomp das höchste Haus der Welt eröffnet worden. Der Wolkenkratzer überragt das bislang höchste Gebäude der Welt in Taipeh um mehr als 300 Meter. Zum Dank an das Nachbaremirat Abu Dhabi soll der Wolkenkratzer künftig „Burdsch Khalifa“ heißen.

Von Rainer Hermann
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In Dubai ist am Montag mit großem Pomp das höchste Haus der Welt eröffnet worden. Der Turm von Dubai überragt das bislang höchste Gebäude der Welt in Taipeh um mehr als 300 Meter. Die ersten Wohnungen in dem Gebäude, dessen Form an eine Rakete erinnert, sollen im Februar bezogen werden. Bei der Feier am Montagabend traten arabische Tänzer auf, und Fallschirmspringer in den Farben des Emirats landeten am Fuß des gigantischen Turms. Rund um den Rekord-Turm bezogen 1000 Polizisten und zivile Hilfskräfte Position, um für einen reibungslosen Ablauf der Feierlichkeiten zu sorgen.

Das neue Hochhaus sticht alle bisherigen Superlative unter den Wolkenkratzern aus: Der nächste Rivale unter den Bürotürmen, Taipeh 101, wurde längst übertrumpft - dieses Hochhaus in der Hauptstadt von Taiwan bringt es ohne Antenne nur auf 508 Meter. Der Burdsch Dubai übertrifft auch das bislang höchste Bauwerk der Welt überhaupt - den Sendemast im amerikanischen Bundesstaat North Dakota mit einer Höhe von 629 Meter. Noch höher war früher nur der Warschauer Sendemast mit 646 Metern, doch der stürzte schon 1991 ein.

Turm wird auf den Namen „Burdsch Khalifa“ getauft

Ursprünglich war der Turm in Dubai noch größer geplant, doch die Krise hat das Emirat schwer getroffen. Und so verschwand der Plan für den noch höheren Turm Al Burj wieder in der Schublade. Dort wird er bleiben, denn inzwischen hat das ölreiche und petrodollarschwere Nachbaremirat Abu Dhabi das Kommando. Es hat Dubai vor dem Sturz in die Zahlungsunfähigkeit bewahrt und zieht die Bodenhaftung der Himmelsstürmerei des kleinen Bruders vor.

In den Tagen der Not bot sich Scheich Chalifa bin Said al-Nahjan, der Herrscher des benachbarten Emirates Abu Dhabi und Präsident der
Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ist, als Retter an. Er überwies den verschuldeten Staatsfirmen von Dubai Geld (siehe Abu Dhabi stützt Dubai in letzter Minute). Zum Dank hat der Scheich von Dubai nun den 828 Meter hohen Turm, auf den er so stolz ist, „Burdsch Khalifa“ (Turm des Kalifen) genannt.

Leerstand kann sich Dubai nicht leisten

Aller Krise zum Trotz feiert Dubai und inszeniert sich wieder einmal selbst. Wie am 20. November 2008, als es in einer rauschenden Nacht das Hotel Atlantis auf der Palmeninsel eröffnete, und wie am 9. September 2009, als seine Hoheit Scheich Muhammad Bin Rashid Al Maktoum um 9.09 Uhr die Metro in Betrieb nahm. Der Emir feiert dabei nicht nur die Eröffnung des Burdsch Dubai, sondern auch das vierte Jahr seiner Thronbesteigung. Aus seinem Privatvermögen hat er die Baukosten von geschätzten 1,8 Milliarden Dollar für das höchste Gebäude der Welt bestritten ohne einen Cent Kredit.

Dubai bekommt damit neben dem Burdsch al Arab, dem Luxushotel in Form eines Segels im Wind, ein neues Wahrzeichen. Es ähnelt in vielem dem Empire State Building (siehe auch Städtebau: Dubai ist wie New York). Beide schließen in ihrer Zeit ein wildbewegtes und überspanntes Jahrzehnt ab; beide werden in Weltwirtschaftskrisen fertig.

Das Vorbild in New York wurde zu einer Ikone der modernen Architektur; der Rekordturm in Dubai will das ebenfalls. Nicht wiederholen will er den wirtschaftlichen Misserfolg des Empire State Building, das der Volksmund lange das leere, das Empty State Building nannte. Zwei Jahrzehnte dauerte es, bis sich seine Büros und Apartments füllten.

So viel Leerstand kann sich Dubai nicht leisten, denn der Immobilienmarkt entscheidet über Dubais Wohl und Wehe. Dem Emirat hatte er in der Erwartung ungebrochener Wertsteigerungen lange einen steten Zufluss von Kapital gebracht. Als der Strom mit der Krise versiegte, konnte Dubai seine Schulden nicht mehr zahlen. In Dubai dreht sich alles um Immobilien, und so beschäftigt sich die örtliche Presse in diesen Tagen mit dem „Burdsch-Effekt“ und mit der Frage, ob der Turm den Immobilien in seiner Umgebung jetzt zu einer Wertsteigerung verhilft.

„Streben der Menschheit nach Höherem“

Dabei bedeutet der Burdsch Dubai viel mehr für die Stadt. Die Metro hatte ihr zu einem öffentlichen Raum verholfen, und der Rekordturm könnte ihr ein Zentrum geben. Dubai wirkt immer ein wenig unfertig. Überall wuchert das Urbane in die Wüste hinaus, mit ein paar Dutzend Hochhäusern da und mehr als 100 dort, aber ohne Zentrum. Zur „Innenstadt“ soll nun das Viertel um den bis zu 100 Kilometer weit sichtbaren Turm werden, mit Straßen und Gassen, die zum ersten Mal auch für Fußgänger geplant sind und nicht nur für Autos.

Dubai bliebe sich nicht treu, würde es nicht alles, was es tut, noch werbesprachlich aufblasen. So wird die Aussichtsplattform auf dem 124. der 189 Stockwerke bei den Marketingstrategen zu „At the Top“, der Turm zum Zeichen des „Strebens der Menschheit nach Höherem“, nach „neuen Horizonten“. „High End“, „nobel“, „edler Luxus“ natürlich auch die Büros auf 49 Stockwerken, die von Giorgio Armani entworfenen Apartments und das nach ihm benannte Hotel. Dem Wortgeklingel der Werber hat nicht einmal die Krise den Garaus machen können.

Immer höher ging es hinaus

Am Bau des Burdsch Dubai war die ganze Welt beteiligt. Im Februar 2003 wurde das Projekt vorgestellt, im Januar 2004 begann der Aushub. Den Entwurf lieferte das Architektenbüro Skidmore, Owing & Merrill aus Chicago, das Fundament legte das deutsche Unternehmen Bauer Spezialtiefbau. Unter eine 7000 Quadratmeter große Fundamentplatte steckte es 200 Betonpfähle mit jeweils 50 Meter Länge und 650 Betonpfähle mit jeweils 36 Meter Länge. Das südkoreanische Bauunternehmen Samsung führte das Konsortium, beteiligt war die ägyptische Baugruppe Orascom. In drei Schichten arbeiteten jeweils 2400 Bauarbeiter vom indischen Subkontinent rund um die Uhr. Im März 2006 streikte eine Schicht für höhere Löhne und bessere Sozialleistungen.

Immer höher ging es hinaus. Am 12. August 2007 wurde die Stahlbetonkonstruktion mit 555 Metern und 150 Stockwerken zum höchsten Gebäude der Welt. Hochleistungspumpen von Putzmeister brachten den hochfesten Beton weiter auf 605 Meter und stellten damit einen weiteren Rekord auf. Die 28.261 gewaltigen Glasscheiben werden von 400 Tonnen Edelstahl eingefasst, der bei Thyssen Krupp Nirosta in Dillenburg gewalzt wurde. Höchstleistungen allenthalben. Am wichtigsten aber ist an diesem Montag, wenn der Turm seiner Bestimmung übergeben wird, dass er seinen eigentlichen Zweck erfüllt: Wieder spricht die ganze Welt von Dubai.

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Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.

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