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80 Jahre Autobahn Letzte Ausfahrt Bonn

 ·  „Jeben Se Jas!“: Vor genau 80 Jahren eröffnete der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer die erste „Nur-Autostraße“ Deutschlands. Aber war der Rosenliebhaber und spätere Kanzler wirklich der „Vater der Autobahn“?

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© picture alliance / dpa Großer Bahnhof für die Autobahn: Köln feiert im August 1932 die Eröffnung.

Konrad Adenauer war nicht nur Kanzler und Rosenliebhaber. Er war auch Kölner Oberbürgermeister und hatte ein Faible für schnelle Autos. „Jeben Se Jas!“ Mit diesen Worten pflegte er seinen Chauffeur anzuspornen. Auf der Strecke zwischen Köln und Bonn wird das nicht viel genutzt haben. Denn die alte Landstraße zwischen den beiden Städten war mit bis zu 1800 Wagen stündlich die am stärksten befahrene des Deutschen Reichs. Deshalb regte der spätere Bundeskanzler eine „Nur-Autostraße“ an, auf der Fußgänger und Radler ebenso verboten sein sollten wie „das Treiben und Führen von Tieren“.

Adenauers Erfindungen wie das von innen beleuchtete Stopfei oder eine neue Tülle für Gartengießkannen fanden nur wenig Anklang. Seine Idee der „Nur-Autostraße“ aber war erfolgreich: Am 6. August 1932 eröffnete er als Kölner Oberbürgermeister die erste deutsche Autobahn, die heutige A 555. „So werden die Straßen der Zukunft aussehen“, prophezeite Adenauer auf der Eröffnungsfeier. Paradoxerweise spielte ihm bei dem Projekt die Weltwirtschaftskrise in die Hände: Als die Arbeitslosigkeit immer weiter gestiegen war, hatten sich die rheinische Provinzialregierung und die Reichsregierung dazu bewegen lassen, den Bau der Autobahn Köln-Bonn als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu fördern. 5500 Männer fanden so vorübergehend Arbeit. Die „Kölnische Volkszeitung“ schrieb: „Die rheinische Provinzialverwaltung schenkt uns eine herrliche Autostraße.“

Aber war Adenauer wirklich der „Vater der Autobahn“? Schließlich hatte schon der letzte deutsche Kronprinz, Friedrich Wilhelm, 1904 den Plan gehabt, quer durch den preußischen Staatsforst Grunewald eine „Nur-Auto-Straße“ zu bauen. Doch erst 1921 wurde die „Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße“ eröffnet (Avus). Sie war aber mehr eine Renn- und Teststrecke als eine Autobahn. Allerdings hatte auch Adenauers rund 18 Kilometer lange „Kraftwagenstraße“ mit einer modernen Autobahn nicht viel gemein.

Ein Stück der in beide Richtungen zweispurigen Strecke war zunächst gepflastert, eine Mittel-Leitplanke gab es nicht, nur ein weißer Strich diente als Begrenzung. Waghalsige Überholmanöver mit vielen Unfällen und Toten waren die Folge. In dem Buch „Kampf um die Autobahnen“ (1955) heißt es dazu, „dass nicht nur einzelne Kraftfahrzeuge ein anderes über die mehr nur als gedacht anstatt als zwingend anzusehende Mittellinie hinaus überholten, sondern drei und vier Fahrzeuge nebeneinander, von denen jedes die anderen überholen wollte“.

Als Bonn Hauptstadt geworden war, nannte man die Strecke „Diplomatenrennbahn“. Viele Beamte pendelten zwischen Köln und Bonn. Heute ist die älteste Autobahn Deutschlands immer noch ein Kuriosum: keine Raststätte, kein Starenkasten. Gerade mal 0,34 Prozent aller Stauungen in Deutschland entfallen laut ADAC auf die Strecke. Lastwagen fahren meist woanders - zum Beispiel auf der anderen Rheinseite. Dort, auf der A3, sind Staus an der Tagesordnung. So gilt für die A 555, was Kurt Kaftan in „Kampf um die Autobahnen“ schon vor bald 60 Jahren über sie schrieb: „Ihr Schicksal ist es, dass sie heute als Bauwerk an sich nur im Schatten der reiferen, vollkommeneren und auch technisch schöneren Autobahnen und abseits von deren Netz lebt.“ Egal: Die Kölner lieben ihre „Mini-Autobahn“. Und die Bonner vermutlich erst recht.

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