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60 Jahre Währungsreform : Das Startkapital: Sechs Milliarden D-Mark

  • -Aktualisiert am

Die Bundesbürger nehmen die neuen Scheine in Empfang: 40 Mark für jeden Bild: dpa

Sechzig Jahre ist sie alt, die Währungsreform. Doch wie kam es eigentlich dazu? Und wie ging der Austausch des Geldes vonstatten? Wie viel durfte jeder tauschen, und was passierte mit dem übrigen Reichsmarkguthaben? Ein FAZ-NET-Spezial.

          Streng geheim sollte die Operation „Bird dog“ ablaufen. Die Sowjetunion sollte nichts erfahren, die Deutschen schon gar nicht und die eigene Bevölkerung am besten auch nicht. Selbst die englische Regierung wurde erst ins Vertrauen gezogen, als die Operation schon längst begonnen hatte, als 23.000 Holzkisten von New York nach Bremerhaven verschifft worden waren, im Laufe mehrerer Wochen, von Februar bis April 1948.

          In Bremerhaven sollte die Fracht nur zur Weiterfahrt verladen werden, so verhieß es wenigstens ihre Beschriftung: „Barcelona via Bremerhaven“. Eine Tarnung. In Barcelona kamen die Kisten nie an. Man hätte sie dort ohnehin kaum brauchen können. Sie enthielten eine Währung, die es noch nicht gab: Die D-Mark, gedruckt in den Vereinigten Staaten. Es war die Portokasse für die Währungsreform in den deutschen Besatzungszonen, etwa sechs Milliarden D-Mark, das „Startkapital“ des deutschen Wirtschaftswunders, das hier in Raten über den Atlantik befördert wurde.

          Es ging um Einheit oder Teilung

          Die Geheimhaltung hatte ihren guten Grund. Eine Blamage wie am 7. Dezember 1947 wollten die Amerikaner partout vermeiden. Damals meldete die Nachrichtenagentur Associated Press, in New York und Washington würde eine neue Währung für Deutschland gedruckt, derweil Washington offiziell noch mit der Sowjetunion darüber verhandelte, ob die Geldscheine ausschließlich in der ehemaligen Reichdsruckerei in Berlin oder zu einem Viertel auch in Leipzig, wie es die Sowjetunion wollte, gedruckt werden sollten. Das hätte eine Lapalie sein können, im Jahr 1947 wurde es zum Nebenschauplatz des eben ausgebrochenen Kalten Krieges. Nicht um Druckereistandorte oder Banknoten, sondern um nichts weniger als die Zukunft des besetzten Deutschlands, um Einheit oder Teilung ging es. Würde die Sowjetunion in der Währungsfrage eigene Wege gehen, so viel war allen Beobachtern klar, wäre eine doppelte Staatsgründung in Deutschland abzusehen.

          Dicht an dicht: Eine Umtauschstelle in Hamburg am 20. Juni

          Schon im September 1947 hatte die amerikanische Regierung beschlossen, die Banknoten in den Vereinigten Staaten drucken zu lassen. Zusehends unwahrscheinlicher erschien eine Einigung mit der Sowjetunion. Einige Wochen später lief die Produktion in der American Bank Note Company in New York und im Bureau of Engraving and Printing in Washington an. Ob die Scheine anders ausgesehen hätten, wenn sie in Berlin oder Leipzig gedruckt worden wären, bleibt Spekulation. Die Scheine, die in Bemerhaven ankamen, konnten jedenfalls ihre Herkunft kaum verbergen. Für Broschüre und Ziffern stand die Dollarnote Pate, Zahnräder, Marmorsockel, Titanen und Frauengestalten erinnerten an amerikanische Eisenbahnaktien. „Banknote, Eine deutsche Mark, Serie 1948“, stand auf den Scheinen. Ausgabebehörde, Ausgabeort und Unterschrift fehlten.

          Die Reform war dringend geboten

          Auch deshalb, weil man die Sowjetunion nicht verprellen wollte, falls diese wider Erwarten doch noch Gefallen an einer gemeinsamen Währung finden sollte. Die Bezeichnung „Deutsche Mark“ war einer der wenigen Punkte, über den sich die beiden Supermächte im alliierten Kontrollrat zuvor noch hatten verständigen können, abgesehen davon, dass es überhaupt eine Währungsreform geben sollte. Die war nach einhelliger Meinung dringend geboten. Die Reichsmark war mittlerweile ein nahezu wertloses Papier, und die Wirtschaft lag darnieder. Nur 50 Prozent des Niveaus von 1936 erreichte die Produktion.

          Schuld waren die Nationalsozialisten, die im Krieg fleißig Geld druckten, um Panzer, Flugzeuge und Gewehre zu kaufen und nebenbei auch noch der Bevölkerung so lange wie möglich die Entbehrungen des Krieges zu ersparen. Ideologisches Kalkül siegte über wirtschaftlichen Verstand. Das rächte sich nun. Mehr als die Hälfte der Waren wurden im Jahr 1948 durch Tausch gehandelt, schätzten manche Fachleute. Zigarettenstangen ersetzten vielerorts die Reichsmarkscheine als Zahlungsmittel.

          Die Milliarden lagerten im Keller

          Von Bremerhaven aus kamen die geheimen Milliarden in den Keller des alten Reichsbankgebäudes in der Frankfurter Taunusaunlage. Dort wußten von den mehreren hundert Beschäftigten angeblich nur sechs, welcher Schatz an ihrem Arbeitsplatz vorübergehend gehortet wurde. Am 18. Juni schließlich setzte sich von Frankfurt aus eine Kolonne von 800 Lastwagen sowie mehrere Spezialzüge in Bewegung, um die Banknoten an die Lebensmittelkartenausgaben in den drei westlichen Zonen zu bringen.

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