17.04.2009 · Kaum eine andere Rebsorte hat ein solches Auf und Ab erlebt wie der Silvaner. 350 Jahre nach der ersten verbrieften Pflanzung in Franken wissen viele Winzer jedoch zu schätzen, dass der Wein zu mehr taugt als zum braven Schoppenwein.
Von Oliver BockGeschmack: neutral. Bukett: kein sortentypisches. Bedeutung: keine. Das Silvaner-Porträt der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau in Veitshöchheim fällt für die Traditionssorte nicht schmeichelhaft aus. Aber es erklärt Aufstieg und Niedergang einer Rebsorte, die im Jubiläumsjahr allein in Franken mit 200 Veranstaltungen gefeiert wird. Der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) hat am Mittwoch in Castell einige Silvaner-Stecklinge gepflanzt - in Erinnerung an den 10. April 1659.
Kurz vor diesem Datum hatte der Gräflich Castell'sche Amtmann Johann Georg Körner einen Boten ausgesandt, um Silvaner-Stecklinge zu kaufen. Mit acht Schilling und dreieinhalb Pfennig sollen sie doppelt so viel wie die damals gängigen Sorten gekostet haben. Der Mittwoch nach Ostern 1659 vor 350 Jahren gilt seither als Tag der ersten verbrieften Silvaner-Pflanzung in Franken. Sechs Jahre später ließ Zisterzienserabt Alberich Degen von Kloster Ebrach die ersten Silvanerreben am Würzburger Stein setzen.
Eine Kreuzung aus Traminer und „Österreichisch Weiß“
Wie die Rebe nach Franken kam, war lange ungewiss. Wegen ihres Namens wurde über Transsilvanien und das mittelasiatische Silvan als Ursprungsorte spekuliert. Erst in den neunziger Jahren erhielten die Winzer gentechnisch die Gewissheit, dass Silvaner einer natürlichen Kreuzung aus Traminer und der autochthonen Sorte „Österreichisch Weiß“ entstammt, womit vieles auf Österreich als Heimat hinweist. Vermutlich brachten Zisterziensermönche die ersten Rebstöcke nach Franken.
Kaum eine andere Rebsorte erlebte ein solches Auf und Ab. Solange Geschmack weniger zählte als Erntesicherheit und Ertragsstärke, war der Siegeszug des Silvaners nicht aufzuhalten. 1876 war Silvaner die erste Kulturrebsorte in Deutschland, die züchterisch fortentwickelt wurde. Ihr reinrassiger Anbau drängte den damals üblichen gemischten Satz in den Weinbergen zurück. Die schlechten Presseigenschaften des Silvaners spielten wegen der ausgefeilteren Kellereitechnik aber schon bald keine Rolle mehr.
Bis in die fünfziger Jahre die wichtigste Rebsorte
Um 1930 war jeder dritte deutsche Rebstock ein Silvaner, und bis in die fünfziger Jahre blieb Silvaner die wichtigste Rebsorte. Danach ging es stetig bergab. Die Winzer schwenkten auf Riesling und Müller-Thurgau um. Für 1980 weist die Flächenstatistik des Deutschen Weininstituts nur noch einen Silvaner-Anteil von 10,2 Prozent aus. Bis 2007 halbierte sich dieser Anteil auf 5300 Hektar, das sind nur 5,2 Prozent der Rebfläche.
Arnold Schwab, der an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau in Veitshöchheim an lockerbeerigen Silvaner-Klonen für anspruchsvolle Winzer forscht, sieht den Tiefpunkt der fallenden Silvaner-Beliebtheit erreicht. Doch im Trend liegende Sorten wie Grauburgunder und Weißburgunder sind noch immer nahe daran, den Silvaner von Rang drei der deutschen Rebsortenliste zu verdrängen. Daran hat auch eine wachsende Zahl ambitionierter Silvaner-Erzeuger wenig geändert. In Rheinhessen, wo mit fast 2500 Hektar mehr als doppelt so viele Silvaner-Rebstöcke wie in Franken stehen, begann man schon Mitte der Achtziger, durch Qualitätsförderung im Weinberg und moderne Kellerwirtschaft einen neuen Weinstil zu kreieren.
Erstklassiger Interpret der Böden
Aber auch wenn Franken nicht die größte Anbaufläche ausweist, hat der Silvaner mit einem Anteil von 20 Prozent in diesem Anbaugebiet weiter die größte Bedeutung. Inzwischen wissen viele Winzer und Weinfreunde zu schätzen, dass Silvaner zu mehr taugt als zum braven Schoppenwein. Gerade weil er sich geschmacklich zurücknimmt, ist er ein erstklassiger Interpret der Böden und gehört in die besten Lagen. Vor allem auf den Buntsandsteinböden des Mainvierecks, den Muschelkalkböden rund um das Maindreieck oder den Keuperböden des Steigerwalds wachsen vielseitige Silvaner.
Die Großen Gewächse gehören zu den besten deutschen Weißweinen. Ferdinand Graf zu Castell-Castell ist von einer glänzenden Zukunft des Silvaners überzeugt. Im Weingut Castell ist der Silvaner schon jetzt die Paraderebsorte, und ihr Anteil soll auf mehr als 50 Prozent steigen. Nicht aus Notalgie, versichert der Graf, sondern wegen der Chancen.