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Donnerstag, 20. Juni 2013
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200 Jahre Eisernes Kreuz Dem Andenken eines Siegesengels

 ·  Als Kriegsauszeichnung verliehen oder als Symbol der Bundeswehr für Tapferkeit - das eiserne Kreuz ist seit 200 Jahren ein militärisches Symbol. Seinen eigentlichen Ursprung kennt kaum einer mehr.

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© Röth, Frank Das Eiserne Kreuz ist seit 1955 Symbol der Bundeswehr

Mit dem Eisernen Kreuz verbindet kaum noch jemand Königin Luise, die am 19. Juli 1810 auf Schloss Hohenzieritz an Lungenentzündung starb. Ihren frühen Tod deuteten Zeitgenossen als Folge eines gebrochenen Herzens und ihres Kummers über die Demütigung der Deutschen durch Frankreichs Kaiser Napoleon. Alsbald wurde Luise als „preußische Madonna“, „Königin der Herzen“ und „unsichtbarer Siegesengel der preußischen Armee“ verehrt. Also stiftete ihr Mann, König Friedrich Wilhelm III., am 10. März 1813 - es wäre ihr 37. Geburtstag gewesen - eine Kriegsauszeichnung, die als Symbol bis heute fortwirkt.

Im alten Preußen gab es nur für Offiziere Orden. Am bekanntesten waren der „Hohe Orden vom Schwarzen Adler“, der mit dem erblichen Adel verbunden war, sowie der Orden „Pour le Mérite“, dessen Träger eine eigene Ritterschaft bildeten und einen lebenslangen Ehrensold bekamen. Demgegenüber war das neue Eiserne Kreuz (EK) eine Auszeichnung unabhängig von Stand und Dienstgrad. Laut der zu Breslau „gegebenen“ Urkunde vom 10. März 1813 verdient es der „kräftige Sinn, der die Nation so hoch erhebt“, geehrt und verewigt zu werden. Das Volk ertrage die Übel einer „eisernen Zeit“ und bewähre sich durch „hohen Mut“. Daher beschloss der König, „das Verdienst, welches in dem jetzt ausbrechenden Kriege, entweder im wirklichen Kampf mit dem Feinde oder außerdem, im Felde oder daheim, jedoch in Beziehung auf diesen großen Kampf um Freiheit und Selbständigkeit erworben wird, besonders auszuzeichnen und diese eigentümliche Auszeichnung nach diesem Kriege nicht weiter zu verleihen“.

„Ein schlichtes Kreuz aus Eisen“

Bei Form und Aussehen der Kriegsauszeichnung für Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften lehnte man sich an das Balkenkreuz des Deutschen Ordens an, also an ein christliches Symbol. Der Entwurf stammte vom König selbst, die Ausführung nahm Karl Friedrich Schinkel vor. Das Abzeichen aus mit Silber eingefasstem schwarzem Gusseisen trug reliefartig unten das Jahr 1813, in der Mitte Eichenlaub und oben die Königskrone samt den Initialen FW (für Friedrich Wilhelm III.). Das erste Exemplar verlieh der König übrigens seiner Gemahlin postum - aufbewahrt in Hohenzieritz im Sockel einer Luisen-Büste.

Theodor von Hippel, Neffe des Königsberger Stadtpräsidenten und Dichters Gotthard Friedrich von Hippel, Verfasser vieler Denkschriften und Mitautor des königlichen Aufrufs vom 17. März 1813 „An mein Volk!“ (Auftakt zu den Befreiungskriegen), schrieb einmal über die neue Kriegsauszeichnung: „Die Stiftung des Eisernen Kreuzes am Geburtstage der verklärten Königin, aus dem Geiste und dem Herzen des Königs allein, ohne irgend eine vorhergehende Beratung ausgegangen, bekundete, welcher Erhebung des Gefühls er, der als aller Poesie irriger Weise abhold bezeichnete, fähig war.“ Dieser „Poesie“ waren auch Züge von Propaganda zu eigen. Dazu der Kunsthistoriker Philipp Demandt: „Ein schlichtes Kreuz aus Eisen gab Friedrich Wilhelms Trauer ihre eindringlichste Form und machte seinen Schmerz zum nationalen Kult.“

Rückkehr der Quadriga nach Berlin

Max von Schenkendorff nahm die Stiftung der Auszeichnung 1813 sofort zum Anlass für sein Gedicht „Das Eiserne Kreuz“: „Denn nur Eisen kann uns retten, / und erlösen kann nur Blut / von der Sünde schweren Ketten, / von des Bösen Übermut. / Heil’ges Kreuz, ihr dunklen Farben, / seid in jede Brust geprägt, / Männern, die im Glauben starben, / werdet ihr aufs Grab gelegt.“ Die Gestaltung und das Material machten das EK zu einer der prägnantesten Kriegsauszeichnungen der Welt: Eisen in einer entbehrungsreichen Zeit, um Edelmetall zu sparen (in einer Phase, in der das Spenden-Motto noch „Gold gab ich für Eisen“ lautete), aber auch um das Eiserne des Willens auszudrücken. Es war das Kreuz zum Kreuzzug gegen Napoleon, in dem es auch um die 1793 von Johann Gottfried von Schadow geschaffene Quadriga samt Viktoria auf dem Brandenburger Tor ging. Die hatte Napoleon 1806 als Kriegsbeute nach Paris verbringen lassen. Nach der Völkerschlacht von Leipzig, der Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege im Oktober 1813, wurde sogar kurz erwogen, die für immer verloren geglaubte Schadow-Quadriga durch ein riesiges Eisernes Kreuz auf dem Brandenburger Tor zu ersetzen.

Nach dem Einzug der verbündeten Truppen in Paris unter Fürst Blücher konnten die Siegesgöttin und ihr Gespann im Triumphzug 1814 nach Berlin zurückkehren. Die ursprüngliche Lorbeer-Trophäe in der rechten Hand der Wagenlenkerin wurde ausgewechselt durch einen Eichenlaub-Kranz mit Eisernem Kreuz, gehalten von Preußens Königsadler. So kam es - wie Peter Reichel hervorhebt - zu einer Verschiebung des Sinngehalts: „Schadows Viktoria-Eirene war dem (Sieg-)Friedensgedanken verpflichtet. Schinkels preußisches Panier, mit Adler und Krone, Lorbeerkranz und Eisernem Kreuz sowie der Jahreszahl 1813 betonen Krieg und Sieg. Diese Akzente und die militärisch geprägte politische Ereignisgeschichte verwandeln das Brandenburger Tor im Laufe der Jahrhunderte in ein preußisch-deutsches Sieges- und Triumphtor.“

In den Befreiungskriegen wurden sechs Großkreuze, 668 EK I. Klasse und 8542 EK II. Klasse verliehen, zu denen 374 EK II am weiß-schwarzen „Nichtkämpferband“ kamen. Der symbolische Gehalt des Eisernen Kreuzes trat noch stärker hervor, als es fortan Kriegerdenkmale, Erinnerungstafeln für die Gefallenen in den Kirchen, Grabsteine und Traueranzeigen zierte. Bei den Erneuerungen der Stiftung des EK 1870 und 1914 rückten das Initial der Monarchen Wilhelm I. und Wilhelm II. jeweils in die Mitte, das Eichenlaub entfiel. Wilhelm I. datierte sein Statut des Eisernen Kreuzes für den Feldzug gegen Frankreich auf den 19. Juli 1870; seine Mutter Luise war 60 Jahre zuvor gestorben. Durch die Auszeichnung sollten Erinnerungen an die „Heldentaten unserer Vorfahren in den großen Jahren der Befreiungskriege“ geweckt werden.

Kaiser Wilhelm II. verkündete am 5. August 1914, dass er das Eiserne Kreuz wiederaufleben lasse: Es werde „ohne Unterschied des Ranges und Standes an Angehörige des Heeres, der Marine und des Landsturmes“, aber auch an „Mitglieder der freiwilligen Krankenpflege“ verliehen: „Auch solche Personen, die daheim sich Verdienste um das Wohl der deutschen Streitmacht und der seiner Verbündeten erwerben, sollen das Kreuz erhalten.“ Fünf Großkreuze wurden im Ersten Weltkrieg verliehen, etwa 218 000 EK I, mehr als fünf Millionen EK II - bei insgesamt 13,4 Millionen deutschen Kriegsteilnehmern, unter ihnen der Gefreite Adolf Hitler, der später zur SA-Uniform sein EK I trug.

Vom Abzeichen zum Orden

Als „Führer und Reichskanzler“ verzichtete der Kriegsentfesseler Hitler am 1. September 1939 auf seine Initialen, und zwar zugunsten des Hakenkreuzes: Das Eiserne Kreuz wurde auch nicht mehr am schwarz-weißen Band, sondern an einem schwarz-weiß-roten Band getragen, wandelte sich von einem preußischen Abzeichen zu einem deutschen Orden. Die Stiftung von 1939 schloss die Etappe ganz aus, es war „ausschließlich für besondere Tapferkeit vor dem Feinde und für hervorragende Verdienste in der Truppenführung“ zu verleihen.

“Nachdem ich mich entschlossen habe, das Deutsche Volk zur Abwehr gegen die ihm drohenden Angriffe zu den Waffen zu rufen, erneuere ich eingedenk der heldenmütigen Kämpfe, die Deutschlands Söhne in den früheren großen Kriegen zum Schutze der Heimat bestanden haben, den Orden des Eisernen Kreuzes“, hieß es damals. Erstmals wurde das EK als Orden angesprochen. „Waren Orden bisher Offizieren vorbehalten, Unteroffiziere und Mannschaften lediglich Ehrenzeichen, forderte die nationalsozialistisch geprägte Volksgemeinschaft nunmehr deren Gleichstellung: Alle konnten diese Tapferkeitsauszeichnung als Orden erwerben - vom Grenadier zum General, womit prinzipiell die Idee von 1813 ihre (gesteigerte) Wiederbelebung erfuhr“, erläutert Guntram Schulze-Wegener in einem in Zusammenarbeit mit dem Wehrgeschichtlichen Museum in Rastatt entstandenen Buch zum Ordensjubiläum. Auch 30 Frauen wurden mit dem EK II ausgezeichnet, unter ihnen die Testpilotin Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg, eine Schwägerin des Hitler-Attentäters. Die Flugzeugführerin Hanna Reitsch bedachte Hitler mit dem EK I.

Bundeswehrerkennungszeichen

Im Zweiten Weltkrieg unterschied man zunächst vier EK-Stufen: Eisernes Kreuz 2. Klasse am Band, Eisernes Kreuz 1. Klasse, Ritterkreuz, Großkreuz. Man schätzt die Verleihung auf drei Millionen EK II und 300 000 EK I, bei etwa 19 Millionen Angehörigen von Wehrmacht und Waffen-SS. Das 8397 Mal verliehene Ritterkreuz wurde um den Hals getragen. Dabei kamen während des Krieges weitere Stufen hinzu: Eichenlaub (“dessen erstes Blatt von einem geschwungenen ,L’ für ,Luise’, in Erinnerung an die Gemahlin des Stifters, Friedrich Wilhelm III., links abgegrenzt wurde“, so Schulze-Wegener), Eichenlaub mit Schwertern sowie Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten - angebracht am Tragering des Ordensbands.

Seit 1955 werden bei der Bundeswehr Fahrzeuge, Flugzeuge und Panzer mit dem Eisernen Kreuz als Erkennungszeichen versehen, das so zum Hoheitsabzeichen avancierte. Laut Ordensgesetz von 1957 ist das Tragen des EK aus dem Zweiten Weltkrieg ohne Hakenkreuz erlaubt. Veteranen konnten sich „entnazifizierte“ Orden anfertigen lassen - mit Eichenlaub in der Mitte statt des Hakenkreuzes, wie in der Fassung von 1813. Ende der fünfziger Jahre ließ die DDR das Eiserne Kreuz und den Adler an der Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin als Symbol des preußisch-deutschen Militarismus entfernen. Beide wurden Anfang der neunziger Jahre dem Ensemble wieder hinzugefügt.

Als Kriegsauszeichnung - 1813, 1870, 1914 und 1939 gestiftet - wurde das Eiserne Kreuz insgesamt nur 13 Jahre lang verliehen. Als militärisches Symbol ist es seit 200 Jahren nachweisbar. „Die Bundeswehr nutzt es als Logo sowie als Sinnbild sittlich gebundener Tapferkeit“, schreibt der Historiker Harald Potempa. Seit Ende der neunziger Jahre, mit Beginn deutscher Auslandseinsätze, diskutierten Militärs darüber, dass man wieder Auszeichnungen für Soldaten brauche. Manche wollten jenen Orden zurückhaben, den Friedrich Wilhelm zum Andenken an seine Luise gestiftet hatte - was im Jahr 2008 verworfen wurde zugunsten des Ehrenkreuzes der Bundeswehr für Tapferkeit.

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Jahrgang 1952, Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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