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Der Sonnenfinsternis entgegen : „Die Seele erschrickt ein bisschen“

Stefan Seip mit seiner Kamera auf den Färöern Bild: Stefan Seip

Der Fotograf Stefan Seip reist seit Jahren quer durch die Welt, um möglichst viele Sonnenfinsternisse einzufangen. Die heutige hat er auf den Färöern erlebt – und den Höhepunkt genau verpasst.

          Herr Seip, Sie sind extra auf die Färöer-Inseln gefahren, um dort die Sonnenfinsternis zu erleben. Wie war es?

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Das Wetter war am Morgen ziemlich schlecht, deswegen mussten wir mit einer totalen Nullnummer rechnen. So schlimm kam es dann aber doch nicht. Ich habe noch eine ganz schmale Sichel gesehen, dann hat sich eine fette Wolke, völlig undurchsichtig, vor die Sonne geschoben. Deswegen habe ich die totale Sonnenfinsternis leider nicht gesehen. Zwei Minuten nach der Totalität wurde es dann wieder sonnig. Das war sehr ärgerlich.

          Britische Soldaten haben die Färöer früher Islands of Maybe genannt, weil das Wetter so unberechenbar sein soll.

          Das ist so. Die langfristigen Wetterprognosen für die Färöer-Inseln waren schlecht, das wusste jeder, der hierher gefahren ist. Deswegen war die Sonnenfinsternis ein Lotteriespiel. Und in der Lotterie kann man auch verlieren.

          Diesen Blick konnte Seip noch erhaschen, ehe sich eine Wolke vor das Spektakel schob.

          Bereuen Sie also die weite Fahrt?

          Nein, überhaupt nicht. Es hätte ja noch schlimmer kommen können, und wir hätten gar nichts gesehen. Die Sonnenfinsternis war auch so ein tolles Erlebnis. Von einer Seite kam der Mondschatten angerast. Es wurde etwa so dunkel wie zu fortgeschrittener Dämmerung, eine Zeitung hätte man nicht mehr lesen können. Meine Kamera musste ich blind bedienen. Die Menschen wurden ganz ruhig, und die Vögel gaben seltsame Geräusche von sich und flatterten vollkommen orientierungslos herum, als wäre ihr Navigationssystem ausgefallen.

          Was fasziniert Sie an der Sonnenfinsternis?

          Die Astronomie hat mich schon immer fasziniert. Als Kind stand ich unter dem Sternhimmel und hatte keine Ahnung, was dieses Gewusel da über mir war, ich kannte kein einziges Sternbild. Ich wollte wissen, wie die einzelnen Sterne heißen und meine Grenzen weiter stecken. Und die totale Sonnenfinsternis berührt etwas Inneres in einem. Die Seele erschrickt ein bisschen.

          Früher hatten die Menschen Angst, wenn es am Tag finster wurde. Sie auch?

          Für mich war es eher ein angenehmer Schauder, der mir über den Rücken lief. So ging es auch den vielen anderen Touristen, die auf die Färöer-Inseln gekommen sind. Ich habe selbst eine Reisegruppe mit Vorträgen und Bildern auf das Ereignis eingestimmt. Aber die Sonnenfinsternis erlebt dann doch jeder für sich.

          Königin Maxima und König Willem-Alexander der Niederlande betrachten die Sonnenfinsternis vor der Fischauktionshalle in Hamburg Bilderstrecke

          Sie waren schon häufiger dabei, wenn der Tag zur Nacht wurde. Was war dieses Mal das Besondere?

          Es war meine vierte Sonnenfinsternis. Ich war schon in Frankreich, der Türkei und in Sambia. Jede Sonnenfinsternis hat ihren eigenen Touch, auch weil die Landschaft immer anders ist. Ich war vorher noch nie auf den Färöer-Inseln, und es war schon besonders zu sehen, dass Menschen aus allen möglichen Ländern für dieses Erlebnis hierher kamen. So viele Touristen waren wahrscheinlich noch nie auf der Insel.

          Wie gehen die Bewohner der Insel mit dem Ansturm um?

          Es sind ja nur einige Tausend Touristen, weil die Anreise recht beschwerlich ist. Das ist an anderen Orten ganz anders, da treffen sich Hunderttausende. Aber die Bewohner haben sich gefreut. Für viele ist die Sonnenfinsternis ein Fest, sie feiern und grillen. Als wir am Abend vor der Sonnenfinsternis einen guten Beobachtungsort gesucht haben, wurden wir von einem Einheimischen angesprochen. Er hat uns ein paar Tipps gegeben und uns spontan zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Das passiert immer wieder. Ich bin sehr beeindruckt von den Menschen hier.

          Haben Sie die nächste Sonnenfinsternis schon in Ihrem Kalender eingetragen?

          Freilich. Nächstes Jahr im September geht es wahrscheinlich nach Madagaskar. Dann wird es im August 2017 eine Sonnenfinsternis über dem nordamerikanischen Kontinent geben. So kommt man weit herum. Die Finsternis richtet sich nicht nach Erreichbarkeit oder Reisekosten, sondern sie findet immer an einem zufälligen Ort statt. Ich reise der Sonne hinterher.

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