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150 Jahre Gettysburg : Im grauen Drillich der Konföderierten

Nord-Süd-Konflikt vor 150 Jahren: Die Schlachten werden detailgetreu und monumental nachgespielt Bild: AFP

Gettysburg, der heiligste Ort der Bürgerkriegsgeschichte, feiert den 150. Jahrestag der entscheidenden Schlacht. Und tausende Amerikaner wollen dabei sein.

          Hauptmann Jeff Steiner ist nicht zum Spaß hier. Sondern ganz im Ernst der Geschichte. Gemeinsam mit seiner Frau Susan hat er sein Zelt gleich neben dem Lutherischen Theologischen Seminar an der Seminary Ridge Avenue in Gettysburg aufgeschlagen. Es ist kein Zelt aus dem Campingfachgeschäft, hergestellt aus leichtem Kunststoffgewebe, das den Regen abhält und doch luftdurchlässig ist. Es ist ein einfaches Zelt, bestehend aus weißem Leintuch, das über ein Holzgestell gespannt und mit groben Heringen im Boden verankert ist. Wenn es regnet, wird es bald nass im Zelt der Steiners: von oben dringt der Regen durch die Zeltwand, am Boden ist das Gras bald aufgeweicht.

          Matthias Rüb

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Hier wohnen Susan und Jeff Steiner und auch die anderen Angehörigen der Kompanie B des Fünften Kentucky-Regiments des Heeres der Konföderierten seit Samstag. Bis zum kommenden Dienstag werden sie hier bleiben, insgesamt zehn Tage lang nehmen sie an den Gedenkveranstaltungen zum 150. Jahrestag der Schlacht von Gettysburg vom 1. bis 3. Juli 1863 teil. Geduscht wird während der ganzen Zeit nicht, die Katzenwäsche am Morgen muss genügen. Kaffee wird auf offenem Feuer in Blechkannen gekocht, auch das Essen wird über dem Holzfeuer zubereitet. Die Musketen werden täglich gereinigt, die Platzpatronen müssen trocken gehalten werden. Zeit zum Plauschen, auch für ein Nickerchen am frühen Nachmittag, bleibt dennoch reichlich.

          Im richtigen Leben Verwaltungsangestellter

          Jeff Steiner weiß, dass sie es trotz der primitiven Unterkunft auf der Wiese neben dem Lutherischen Seminar gut haben. „Das hier ist alles nichts im Vergleich zu dem, was die Soldaten vor 150 Jahren hier durchgemacht haben“, sagt der Hauptmann im grauen Drillich der Konföderierten, der im richtigen Leben Verwaltungsangestellter ist: „Wir fahren nächste Woche wieder nach Hause, nehmen daheim eine schöne warme Dusche, essen uns richtig satt.“

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          Und manchmal knallt’s dann auch :

          Mit ihrer Teilnahme am größten „Reenactment“ - so heißen die detailgetreu und monumental nachgespielten Schlachten - in diesem Gedenkjahr erweisen die Steiners den Gefallenen und Verwundeten der entscheidenden Schlacht des amerikanischen Bürgerkriegs die Reverenz. „Alle, die hier gekämpft haben, ob für die Union oder die Konföderierten, verdienen unseren Respekt“, sagt Steiner. Er ist davon überzeugt, dass die Seelen der mehr als 8000 Gefallenen, die während der Schlacht auf den Feldern und Hügeln um Gettysburg starben, an diesem heiligsten Ort des amerikanischen Bürgerkrieges von 1861 bis 1865 auch heute gegenwärtig sind. Dass das Land auch 150 Jahre nach der Schlacht von Gettysburg noch über die Auslegung der Verfassung streite und etwa darüber uneins sei, ob Angehörige von Minderheiten eine bevorzugte Behandlung zum Ausgleich für Benachteiligungen in der Vergangenheit genießen sollten, das gefalle den Seelen der Gefallenen aber gewiss nicht, sagt der Hauptmann in der Uniform der Konföderierten.

          Die Vergegenwärtigung der Nationalgeschichte

          Jeff Steiner und seine Frau Susan, die an einer High School Deutsch unterrichtet, waren gut sechs Stunden von Columbus in Ohio nach Gettysburg unterwegs. Das Auto und der Anhänger sind vollgestopft mit historischen Kleidungsstücken, Zelten, Ausrüstungsgegenständen und auch Waffen. Allein im vergangenen Jahr haben die Steiners an mehr als einem Dutzend nachgestellter Schlachten zur Erinnerung an die wichtigsten Etappen des Bürgerkrieges teilgenommen. „2012 sind wir dafür mehr als 8000 Meilen gefahren. In diesem Jahr müssen wir etwas kürzer treten, die Benzinkosten laufen uns davon“, sagt Jeff Steiner. Für ihn wie für Zehntausende anderer, die regelmäßig an den „Reenactments“ der Bürgerkriegsschlachten teilnehmen, sind die Reisen zu den Stätten wichtiger Schlachten weit mehr als ein teures Hobby, bei dem man in kratzigen Kostümen unter freiem Himmel tüchtig Lärm macht. Es ist die Vergegenwärtigung der Nationalgeschichte.

          Kein anderer Ort zieht so viele Pilger zu den Bürgerkriegsstätten an wie die Stadt Gettysburg im Süden Pennsylvanias. Heute leben gut 8000 Menschen in Gettysburg, und der Fremdenverkehr ist der mit Abstand größte Wirtschaftszweig, der mehr als 7200 Menschen aus der Stadt und dem umliegenden Landkreis Arbeit gibt. Im vergangenen Jahr haben 1,2 Millionen Menschen die Gedenkstätten der Schlacht von Gettysburg besucht, die über viele Hektar Nationalpark verstreut im Hügelland vor den Toren der Stadt liegen. Für dieses Jahr werden vier Millionen Besucher erwartet. Allein für die erste Juli-Woche, in die auch der Unabhängigkeitstag vom 4. Juli fällt, wird mit bis zu 300.000 Besuchern gerechnet.

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