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Plattform „Elysium“ : Kinderschänder verabredeten sich zum Missbrauch

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt haben am Freitag über den Stand der Ermittlungen gegen die Mitglieder der Kinderpornografieplattform berichtet. Bild: dpa

Nachdem eine kinderpornografische Plattform geschlossen wurde, sind 29 Opfer identifiziert und 14 Tatverdächtige festgenommen worden. Die Ermittlungen führen bis nach Neuseeland.

          Das Bundeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt haben am Freitag weitere Details über die kinderpornografische Plattform im Darknet bekanntgegeben, deren Abschaltung zuvor gelungen war. Für die Ermittler steht fest, dass es sich um einen der bis dato massivsten Schläge gegen die sehr gut vernetzte Kinderschänder-Szene handelt, auch wenn die Zahl der „Nutzer“ wegen Mehrfachregistrierungen geringer ist als die der knapp 90.000 angelegten Profile.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Bisher haben die Ermittler nach Angaben von Oberstaatsanwalt Andreas May, der die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität bei der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft leitet, Daten „im zweistelligen Terrabyte-Bereich“ sichergestellt. Darunter befinden sich Bilder, die erst seit ein paar Jahren strafbar sind und die zum Beispiel Kinder zeigen, die in aufreizender Kleidung posieren. Es geht aber auch um Aufnahmen schwersten sexuellen Missbrauchs von Kindern und Kleinstkindern, sowie um Darstellungen sexueller Gewalthandlungen gegen Kinder. Von Tötungsdelikten haben die Ermittler bisher keine Kenntnis.

          Die Plattform mit der Bezeichnung „Elysium“, die erst seit Ende des Jahres 2016 bestand, konnte auch deshalb so schnell wachsen und Mitglieder in vielen Ländern bis hin zu Neuseeland und Australien gewinnen, weil für die Registrierung keine Gegenleistung erwartet wurde. Auf anderen dieser Plattformen wird häufig verlangt, dass die „Nutzer“ selbst kinderpornografisches Material zur Verfügung stellen oder dass sie sogar dokumentieren, dass sie selbst schon Kindesmissbrauch begangen haben.

          Nach Angaben der Ermittler werden unter Kinderschändern selbst gefertigte Bilder und Videos gegenüber kinderpornografischem Material bevorzugt, wie es offenbar massenhaft in Südostasien, etwa auf den Philippinen, oder auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion produziert wird. In der Regel achten die Personen, die sich auf kinderpornografischen Plattformen bewegen, sehr auf ihre Anonymität, deswegen haben sich diese Delikte weitgehend ins Darknet, den vielfach verschlüsselten Bereich des Internets, verlagert. Umso erstaunter waren die Ermittler, dass sich Mitglieder oder Verantwortliche von „Elysium“ auch physisch getroffen und sich zum sexuellen Missbrauch von Kindern verabredet haben.

          Mann stellte Kinder für Missbrauch zur Verfügung

          Die Ermittler teilten am Freitag mit, dass länderübergreifend bisher 29 Opfer identifiziert worden seien. 14 Tatverdächtige seien festgenommen worden, wobei bei zwölf der Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Kindern bestehe. Das gilt gegenwärtig nicht für den technisch offenbar versierten, sozial völlig unauffälligen Administrator der Plattform, einen 39 Jahre alten Selbständigen aus dem Landkreis Limburg-Weilburg, in dessen Wohnung der Server beschlagnahmt wurde. Er soll auch einen Chat für Rollenspiele betrieben haben, bei denen Erwachsene den sexuellen Missbrauch von Kindern nachstellen.

          Gegen einen weiteren Beschuldigten, einen 61 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Landsberg am Lech, der sich als Graphiker um das Erscheinungsbild der Plattform gekümmert haben soll, besteht der Verdacht, in drei Fällen Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren sexuell missbraucht zu haben. Bei den Opfern handelt es sich um die Kinder eines österreichischen Plattform-Mitglieds.

          Ein 56 Jahre alter Mann aus dem Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg steht unter dem dringenden Verdacht, als „Moderator“ die Foren der Plattform betreut zu haben. In Wien wurde ein 28 Jahre alter Mann festgenommen, der seine beiden Kinder über Jahre hinweg schwer sexuell missbraucht und sie unter anderem dem Tatverdächtigen aus Landsberg zum sexuellen Missbrauch zur Verfügung gestellt haben soll.

          Quelle: F.A.Z.

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