30.05.2011 · Die Empfehlung der Ethikkomission ist eindeutig. Dass Energiegewinnung Risiken birgt, wird ausgeblendet - wie auch die volkswirtschaftlichen und sozialen Folgen einer forcierten Energiewende.
Von Stefan DietrichSiebzehn Weise haben sieben Wochen lang über siebzehn Kernkraftwerke zu Gericht gesessen. Eine Art Unschuldsvermutung hat es in diesem Verfahren nicht gegeben. Aber auch eine Abwägung der Handlungsoptionen, die man von einer Ethikkommission erwarten würde, wird das Urteil, das offiziell an diesem Montag verkündet wird, vermutlich nur in oberflächlicher Form enthalten. Die Kommission hatte nur den Auftrag, „die Risiken der Kernenergie neu zu bewerten“. Und „neu“ hieß lediglich, dass jede Möglichkeit eines Reaktorunfalls wie in Fukushima - und sei sie noch so unwahrscheinlich - jetzt als untragbar einzustufen sei. Ausgeblendet wird dabei, dass jede Form der Energiegewinnung mit unkalkulierbaren Risiken verbunden ist. Die Dimension der Schäden für Umwelt und Gesundheit, die von der Verbrennung fossiler Brennstoffe ausgeht, ist der Menschheit erst mit hundert Jahren Verspätung bewusst geworden. Die schädlichen Folgen einer forcierten Energiewende werden zum kleineren Teil ökologische sein, zum größeren Teil volkswirtschaftliche und soziale.
Damit werden künftige Generationen konfrontiert sein. Jetzt geht es der Bundeskanzlerin erst einmal darum, von der politisch hochriskanten Bergstrecke der Laufzeitverlängerung wieder auf die breite Straße des „gesellschaftlichen Konsenses“ zurückzufinden. Und die ist kernenergiefrei. Da die Bundesregierung die ethische Bewertung der Kernenergie aber schon vorweggenommen hat, wäre es ratsam gewesen, sich diesen Weg nicht von Soziologen und Wirtschaftswissenschaftlern, Bischöfen und Gewerkschaftern weisen zu lassen, sondern von Leuten, die über langjährige Erfahrungen mit der Energieversorgung verfügen und die Verantwortung dafür getragen haben, dass Deutschland zuverlässig mit Strom - ja, auch mit Atomstrom - versorgt wurde.
Doch Fachleute behindern offenbar den politisch erwünschten Fortgang. Schon die Befunde der Reaktorsicherheitskommission über den Zustand der deutschen Meiler passten nicht so recht ins neue Konzept. Nun aber bekommt die Bundesregierung wenigstens von den selbst ausgesuchten „Weisen“ den erhofften Ratschlag: Ausstieg in zehn Jahren ist „machbar“. Auf die Ethikkommission wird sich aber kein Politiker berufen können, wenn auch dieser Weg steinig oder gar unbefahrbar werden sollte.
Demnächst noch ein Weisenorakel
Thorsten Wiggers (Zizeye)
- 30.05.2011, 17:39 Uhr
Was waren das noch Zeiten, als die CDU zu ihren Entscheidungen stand!
Melita Zimmermann (melitaz)
- 30.05.2011, 19:42 Uhr
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