http://www.faz.net/-ioi-9en7y

Gravierende Folgen : Wie gefährlich ist Mikroplastik?

Mikroplastikkügelchen verschmutzen die Meere und werden von Fischen gefressen. Bild: dpa

Kunststoffe landen zu einem Großteil in der Umwelt – und kommen über viele Wege zurück in die Lebensmittelkette. Dabei verändern sie nachhaltig den Planeten. Doch das ist nicht das Schlimmste.

          In Tausenden Jahren wird man über unsere jetzige Zeit einmal sagen, dass es ein Kunststoff-Zeitalter gab. Am Meeresboden wird sich eine Schicht aus Plastik bilden, ein Sediment aus sogenanntem „lost microplastic“, das von den Menschen hergestellt wurde. Reifenabrieb, Verwehung von Kunstrasenplätzen, aber auch Plastikmüll aus dem Haushalt gelangen heute über Flüsse in die Weltmeere. In einer aktuellen Studie hat das Fraunhofer-Institut allein für Deutschland 330.000 Tonnen an Mikroplastik errechnet, das jedes Jahr die Umwelt erreicht. Transportadern wie Rhein, Neckar oder Elbe führen es weiter gen Ozeane. Auf der ganzen Welt wird die Menge auf acht bis zwölf Millionen Tonnen Kunststoff jedes Jahr geschätzt.

          Martin Franke

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Schon heute sind die kleinen synthetischen Mikropartikel in allen Ecken der Welt zu finden. Wer über Kunststoffe spricht, spricht vor allem über das sichtbare, große Plastik, das sich mit zwei Händen fassen lässt. Die Kritik entzündet sich an der schier riesigen Menge an Verpackungen, die die Lebensmittelindustrie in die Supermarktregale bringt – ob in Asien, Amerika oder Europa.

          Mikroplastik macht es jedoch weitaus schwieriger – nicht nur, weil es viel weniger erforscht ist, sondern auch, weil es mit seiner Größe von weniger als fünf Millimeter für das menschliche Auge nicht einfach sichtbar ist. Zwei Formen gibt es: Zum primären Mikroplastik gehören sogenannte resin pellets, kleine Kügelchen, die als Rohmaterial für die Herstellung von Kunststoffprodukten verwendet werden. Häufig werden diese Pellets mit großen Containerschiffen transportiert und können durch Umladeprozesse, Havarien oder illegale Entsorgung in die Gewässer gelangen. Mikroplastik wird aber auch von der Kosmetikindustrie für Hygieneartikel wie Duschgele oder Peelings verwendet. In Frankreich, Großbritannien, Schweden und den Vereinigten Staaten ist es in Kosmetika verboten, in Deutschland noch nicht. Immerhin werden in vielen Zahnpasten mittlerweile Substitute eingesetzt.

          Effekte für die Umwelt

          Sekundäres Mikroplastik entsteht durch den Zerfall größerer Kunststoffteile. Sonneneinstrahlung, Wellenbewegungen, mechanische Reibungen und andere Verwitterungsprozesse zersetzen Makroplastik. Auch durch die Wäsche lösen sich Mikrofasern aus der synthetischen Kleidung. In der Umwelt bleiben schließlich unzählige Kleinteile zurück. Mit jeder Teilung gewinnen diese Partikel zusätzlich an Oberfläche dazu. Je kleiner sie sind, desto häufiger kommen sie vor – darin ist sich die Wissenschaft einig.

          Professor Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen hat den Rhein untersucht. 1000 Liter Wasser hat er filtriert und durchschnittlich 200 Kunststoffpartikel pro Kubikmeter Wasser gemessen. Das entspricht 0,2 Partikel pro Liter. Die Wahrscheinlichkeit, Plastik in einem Liter Rheinwasser zu finden, liegt also bei 20 Prozent. Im Tennessee River in den Vereinigten Staaten, den Fath mit demselben Verfahren und unter gleichen Messbedingungen untersucht hat, fand er 18.000 Mikroplastikteilchen pro Kubikmeter Wasser. Dort wird der Abfall in Deponien gelagert, es gibt keine Mülltrennung und keine Müllverbrennung. Durch Mikroorganismen, Sonneneinstrahlung und Regenereignisse zersetzt sich der Kunststoff und landet als Mikroplastik im Fluss.

          Weitere Themen

          Für eine Niere nach Spanien? Video-Seite öffnen

          Organspende-Tourismus : Für eine Niere nach Spanien?

          Wer auf eine Transplantation angewiesen ist, ist für Vieles bereit. Auch zum auswandern in ein anderes Land, das mehr Perspektive bietet. Kurze Wartezeiten für Spenderorgane locken daher immer mehr Patienten nach Spanien. Doch die Behörden dort wollen das nicht länger akzeptieren.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.