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Geklaut bleibt geklaut : Die Legende vom Flohmarktfund

Die Lehrerin Martha Fugua behauptet, ihr sei ein Glück widerfahren, wovon viele Träumen: Sie habe einen Renoir auf dem Trödel entdeckt. Die schöne Geschichte ging weltweit durch die Medien. Jetzt kam raus: Das Bild ist geklaut.

          Das Baltimore Museum of Art erhält die Ölskizze einer Seine-Landschaft von Renoir zurück, die im November 1951 aus einer Ausstellung französischer Gemälde „Von Ingres bis Gauguin“ gestohlen worden war. Die Potomack Company, ein Auktionshaus in Alexandria im Bundesstaat Virginia, hatte im September 2012 die Versteigerung des vierzehn mal 23 Zentimeter großen unsignierten Werks angekündigt. Angaben zur Provenienz erregten die Aufmerksamkeit der Weltpresse: Demnach hatte die Einlieferin, die Lehrerin Martha Fuqua, das Bild Ende 2009 als Teil eines Konvoluts von altem Geraffel auf einem Flohmarkt gekauft, weil ihr der goldene Rahmen gefiel; der Preis soll sieben Dollar betragen haben.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Bei Potomack fand man heraus, dass die Pariser Galerie Bernheim-Jeune das Bild 1925 an Herbert May verkauft hatte, einen Anwalt und Miteigentümer eines Kaufhauses in Pittsburgh. Ian Shapira, Reporter der „Washington Post“, stieß darauf, dass May zu den Wohltätern des Museums in Baltimore gehörte, und entdeckte im Archiv des Museums Dokumente, aus denen hervorging, dass Mays Gattin das Bild dem Museum zunächst als Dauerleihgabe übereignet und bei ihrem Tod 1951 vermacht hatte. Die Karte des Bestandskatalogs, auf der der Diebstahl vermerkt ist, war falsch einsortiert. Das FBI beschlagnahmte das Bild, um das Eigentumsrecht gerichtlich klären zu lassen. Der Diebstahl war 1951 bei der Polizei angezeigt worden. Die Versicherung zahlte 2500 Dollar, für die das Museum ein Selbstporträt von Degas kaufte. Den heutigen Marktwert schätzte eine Galerie in Washington im Auftrag des FBI auf 22.000 Dollar - unter Berücksichtigung der ungeklärten Eigentumsverhältnisse. Weitere Recherchen Shapiras erbrachten Hinweise darauf, dass es sich bei der Geschichte vom Flohmarktfund um eine Legende handeln könnte.

          Das Museum brachte vor Gericht sogar Gerüchte zur Sprache, wonach der Dieb das Bild der Mutter von Martha Fuqua geschenkt hatte, einer Malerin, deren Bilder das Museum nicht hatte kaufen wollen. Den Kriminalfall musste Richterin Leonie Brinkema vom Bundesbezirksgericht in Alexandria nicht aufklären. Sie brachte in ihrem Urteil vom 10. Januar lediglich den Grundsatz des Common Law zur Anwendung, den amerikanische Juristen auch im Fall Gurlitt zitieren: Auch ein gutgläubiger Käufer erwirbt kein Eigentum an Diebesgut.

          Quelle: F.A.Z.

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