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Krawalle in Hamburg : Wie die Gewalt explodierte

  • Aktualisiert am

Videos zeigen, wie am vergangenen Wochenende aus Sicht der Polizei die Gewalt in Hamburg eskalierte. Bild: Screenshot Polizeivideo

Es sind die Schlüsselszenen der gewaltsamen Krawalle in Hamburg – gezeigt aus Sicht der Polizei: In Videos sind die Eskalation am Hafenrand und brutalste Angriffe auf die Beamten von den Dächern des Schanzenviertels zu sehen.

          Es ist Donnerstagabend, kurz vor 20 Uhr. Der Demonstrationszug hat sich gerade vom Hamburger Fischmarkt aus in Bewegung gesetzt, Richtung St. Pauli Hafenstraße, berühmt und berüchtigt durch die einstmals besetzten Häuser am Nordrand der Straße. Es ist die „Welcome to Hell“- Demonstration, zu der die Veranstalter Autonome aus ganz Europa eingeladen hatten, um den „größten schwarzen Block“ aller Zeiten marschieren zu lassen. Das war er bei weitem nicht, aber dennoch geschah schon nach kurzer Zeit, was alle befürchtet hatten. Die Situation eskaliert, Gewalt bricht aus. Das zeigen die Polizei-Aufnahmen, welche die Sicherheitskräfte in der Nacht auf Montag ins Internet stellte.

          Das erste Video zeigt aus der Perspektive der Beamten, wie die Lage explodierte. Es ist die umstrittenste Situation der Chaostage von Hamburg. Später werden Sprecher der Autonomen und Linken die Polizei dafür verantwortlich machen, damit die ganze Gewaltserie in Gang gebracht zu haben. Einsatzleiter Hartmut Dudde wiederum argumentierte, das Risiko sei zu groß gewesen, den gewaltbereiten Block innerhalb der Demo in Wohngebiete marschieren zu lassen. Wie viel Gewaltpotential tatsächlich im anarchistischen Kern der Demonstranten steckte, sollten die nächsten Tage zeigen.

          Klassische Uniform der Autonomen

          Vorausgegangen waren Stunden einer friedlichen Zusammenkunft am Fischmarkt, Musik, Sonne, heitere Stimmung. Kurz vor dem Abmarsch dann das, was in den nächsten Tagen immer wieder zu beobachten war: Blitzschnell zogen sich dutzende Demonstranten schwarze Klamotten über, zumeist regendichte Jacken mit Kapuzen, an denen die Markenlabel oft mit schwarzem Tape abgeklebt waren – keine Macht der Werbung. Sie setzten sich schwarze Sonnenbrillen auf, streiften schwarze Handschuhe und Halsbänder über, die im Bedarfsfall blitzschnell über Mund und Nase gezogen werden können, zur verbotenen Vermummung. Die klassische Uniform der Autonomen.

          Rund tausend der etwa zwölftausend Demonstranten sind in den zwei schwarzen Blöcken unterwegs und schon nach wenigen Metern sind etliche vermummt. Grund für die Polizei, die Demo zu stoppen. Lange ging es nicht weiter, die Stimmung heizte sich auf. Etliche der Demonstranten zogen die Halstücher wieder runter, nahmen Sonnenbrillen ab. Aber sehr viele blieben vermummt. Plötzlich schritten die Beamten ein, versuchten in einem Überraschungsmanöver den hinteren schwarzen Block von der übrigen Demo abzutrennen und einzukesseln. Das Manöver misslang, etliche erklommen die Mauer zur angrenzenden Promenade, bewarfen von dort aus die Polizei mit Flaschen oder flüchteten. Von da an gab es kein Ende der Gewalt in Hamburg, bis zum frühen Sonntagmorgen.

          Die zweite Schlüssel-Szene aus den Kameras der Hamburger Polizei zeigt eine der brisantesten Situationen am Freitagabend, aufgenommen von einem Polizeihubschrauber, der stundenlang über dem Schanzenviertel kreiste und mit seinem Scheinwerfer die gespenstischen Szenen beleuchtete. An der Gabelung von Schanzenstraße und Schulterblatt, dem Südeingang zum Viertel, gab es eine eingerüstete Fassade, die von Demonstranten erklommen wurde. Auf dem Dach des Hauses legten sie sich ein Arsenal von Wurfmaterial bereit.

          Durch die Beobachtungen des Hubschraubers kannten die Einsatzleiter die Brisanz der Lage auf diesem und anderen Dächern und trauten sich lange nicht ins Viertel. Spezialkräfte gegen die Gewalttäter waren laut Angaben der Polizei zu dieser Zeit noch mit der Absicherung der Protokollstrecke zur Elbphilharmonie beschäftigt, ein Einsatz, der tausende Beamte band. Während dieser quälenden Stunden geriet die Lage im ungesicherten Viertel völlig außer Kontrolle. Geschäfte wurden geplündert, Scheiben eingeworfen, Barrikaden brannten.

          Gegen 23 Uhr griff die Polizei an, unterstützt von Wasserwerfern. Die Bilder zeigen, wie berechtigt die Sorgen der Beamten waren. Kaum waren die Wasserwerfer und erste Polizeieinheiten in Wurfnähe geraten, schleuderten die Autonomen Steine und Ziegel von den Dächern, einer entzündete einen Molotowcocktail und schleuderte ihn auf die anrückende Polizei, ein lebensgefährlicher Angriff. Wie durch ein Wunder ging der Molotowcocktail nicht in Flammen auf.

          Es sollte Stunden dauern, bis die Polizei die Lage im Viertel beruhigte. Doch selbst danach mussten die Anwohner noch eine weitere Gewaltnacht erdulden. Erst am frühen Sonntagmorgen  beruhigte sich die Lage. Später beteiligten sich tausende Bürger aus der ganzen Stadt an der Aktion „Hamburg räumt auf“, reinigten Straßen, Bürgersteige, Fassaden.

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