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Gewalt in Hamburg : Brandstifter twittert

Reste der Randale Bild: dpa

Man sollte denken, dass Gewalttäter, die Hamburg zum G-20-Gipfel terrorisieren, von Journalisten nicht noch Verständnis ernten. Der Twitter-Account eines „Verlegers“ spricht eine andere Sprache.

          Mehr als 160 verletzte Polizisten, Angriffe mit Eisenstangen, Dachlatten, Steinen, Glasflaschen, Molotow-Cocktails, brennende Autos, brennende Barrikaden, Straßenschlachten, Prügeleien: Die sogenannten Autonomen haben das Motto der Gegner des G-20-Gipfels „Welcome to Hell“ umgesetzt – sie stürzen die Stadt Hamburg ins Chaos. Mit zügelloser Gewalt schlägt der bis zu 3500 Mann starke „Schwarze Block“ los, ohne Rücksicht auf Verluste.

          Doch es gibt einen Journalisten, der das offenbar gut findet. Jedenfalls klingt seine Einlassung auf Twitter danach: „Der Preis muss so in die Höhe getrieben werden, dass niemand eine solche Konferenz ausrichten will. G20 wie Olympia als Sache von Diktaturen“. Als dieser Tweet abgesetzt wird, Donnerstag, 6.Juli, 21.39 Uhr, ist die Gewalt schon im Gange. 59 verletzte Beamte wird die Polizei bald melden. Ist der Preis für den Twitterer, der sich Verleger nennt, hoch genug?

          Jakob Augstein, Journalist und Verleger
          Jakob Augstein, Journalist und Verleger : Bild: Picture-Alliance

          Mitnichten, er fragt: „Werden jetzt kasernierte Polizisten, die sich schon tagelang gelangweilt haben, auf Demonstranten losgelassen?“ Die Krawalle breiten sich aus, so wie es die Gewalttäter versprochen hatten. Der „Schwarze Block“ löst sich in kleine Banden auf, die in der ganzen Stadt für Verwüstung sorgen. Der twitternde Verleger, der kürzlich einer Autorin den juristischen Beistand in einem Mafia-Prozess verweigerte und der zu den massenhaften sexuellen Angriffen auf Frauen zu Silvester 2015 in Köln meinte, „Ein paar grapschende Ausländer und schon reißt bei uns Firnis der Zivilisation“ beziehungsweise, dass die Opfer den Tätern (zumindest vor und nach der Tat) sozial überlegen seien – er hat von der Gewalt am nächsten Morgen immer noch nicht genug.

          G-20-Gipfel : Im Schanzenviertel eskaliert die Situation

          Auf einen Tweet der Bundesregierung, friedliches Demonstrieren sei zu begrüßen, für Gewalt aber gebe es keine Rechtfertigung, antwortet er: „Widerspruch! Der Gipfel selbst tut der Stadt Gewalt an! Mündige Bürger werden zur Kulisse von Despoten gemacht“. Da brennt es in Hamburg längst lichterloh und werden Unbeteiligte von vermummten Chaoten niedergeprügelt. Mit dem Firnis der Zivilisation macht der „Schwarze Block“ nicht lange Federlesen. Der Biedermann namens Jakob Augstein, von dem hier die Rede ist, gibt derweil auf Twitter weiter Feuer. Soll man das anders als Aufruf zu Gewalt und geistige Brandstiftung nennen?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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