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„Interventionistische Linke“ : Was wollen die Linksradikalen?

Der G-20-Gipfel hat noch nicht angefangen, die Proteste jedoch schon: Pfeffersprayeinsatz gegen Demonstranten am Dienstag im Emil-Wendt-Park in Hamburg-Altona. Bild: Henning Bode

Tausende Linksextreme reisen zum G-20-Gipfel nach Hamburg. Eine als gewaltorientiert geltende Gruppe ist die „Interventionistische Linke“. Sie würde gerne Teil der Gesellschaft werden – dabei aber genauso radikal bleiben wie die Autonomen.

          Wenn Journalisten Emily Laquer treffen, sind sie oft ein wenig enttäuscht. „Mit ihrer runden Brille sieht sie alles andere als gefährlich aus“, schrieb „Der Spiegel“ Ende Juni über die Studentin. Laquer fand das sehr lustig, in ihrer Selbstbeschreibung auf Twitter steht seitdem: „,Alles andere als gefährlich' (Der Spiegel)“. Es gibt aber gute Gründe dafür, bei Laquer nach Merkmalen zu suchen, die dafür sprechen, dass sie Aktionen, die andere Menschen gefährden, zumindest gut heißt. Die 30-Jährige ist Sprecherin der „Interventionistischen Linken“ bei den G-20-Protesten, neben den Autonomen und dem „Roten Aufbau“ ist das eine der drei als „gewaltbereit“ eingeschätzten linksradikalen Gruppen aus Deutschland, von denen laut Verfassungsschutz rund um den G-20-Gipfel die größte Krawall-Gefahr ausgeht.

          Gemeinsame Sache: Linken-Politiker Jan van Aken (links) mit Emily Laquer und Christoph Kleine von der „Interventionistischen Linken“.
          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Insgesamt werden etwa 8000 Linksextreme in Hamburg erwartet, in der Hansestadt treffen sich am Freitag und Samstag Vertreter der führenden 20 Wirtschaftsnationen der Welt zum G-20-Gipfel. Der Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes, Torsten Voß, nannte die militanten Gipfelgegner „Extremisten, die zum Teil aus taktischen Gründen populäre Themen instrumentalisieren, um auch engagierte Demokraten zu erreichen“. Gesellschaftlich diskutierte Fragen zu instrumentalisieren „gehört zum Werkzeugkasten von Linksextremisten wie der Interventionistischen Linken“.

          Emily Laquer ist es gewohnt, mit solchen Aussagen konfrontiert zu werden. „Für meine Familie ist es mittlerweile normal, dass ich in den Nachrichten bin und dabei steht, dass ich vom Verfassungsschutz beobachtet werde.“ Sie selbst bezeichnet sich als „Bummelstudentin“, der Verfassungsschutz sei für sie „keine Referenzgröße“. „Der soll erst mal erklären, was seine Mitarbeiter bei einem rassistischen Mord in Kassel gemacht haben und sonst die Klappe halten“, sagt Laquer in Anspielung auf die NSU-Morde.

          Gewaltexzess als Gründungsmythos

          Die 30-Jährige kommt ursprünglich aus Nürnberg, sie ist Halb-Amerikanerin und kam zum ersten Mal als Schülerin in Kontakt mit linken Gruppen. Ein paar Jahre lang war sie eher Beobachterin, es waren die Proteste gegen den G-8-Gipfel 2007 in Heiligendamm, die sie zur Radikalen machten. „Ich habe als 20-Jährige in Nürnberg die Mobilisierung mitbekommen, das war ein einschneidendes Erlebnis.“ Vorher kannte sie nur ein paar Aktivisten, „aber plötzlich waren wir als kritische Masse alle zusammen auf der Straße und da hat man gespürt, dass wir gemeinsam etwas verändern können. Wir sind in die Demoverbotszone eingedrungen, wir haben die Zufahrten blockiert, damit hat vorher niemand gerechnet. Die Bilder gingen um die Welt.“

          Auseinandersetzungen zwischen G-8-Kritikern und Polizisten 2007 in Rostock während einer Großdemonstration gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm.

          Tatsächlich war ihre „Interventionistische Linke“ Medienberichten zufolge damals Teil eines Schwarzen Blocks, von dem bei einer Großdemonstration in Rostock unter dem Motto „Make capitalism history“ schwere Krawalle ausgingen.  Autonome griffen Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern an, stundenlange Straßenschlachten folgten. Mehrere hundert Menschen waren am Ende verletzt. Bayerns damaliger Innenminister Günther Beckstein (CSU) sagte: „Das sind keine Demonstranten, das sind Verbrecher.“ Laquer sagt: „Ja, ,Make capitalism history' war das Motto unseres Blocks. Viele waren auch dunkel gekleidet, ich hatte 'ne bunte Jacke an. Für die Auseinandersetzungen gab es viele Gründe, geplant haben wir sie jedenfalls nicht.“

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