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Krawall-Nacht in Hamburg : Wie die Schanze im Chaos versank

Ungehindert konnten die Gewalttäter das Schanzenviertel verwüsten. Bild: EPA

Ab acht Uhr am Abend herrschte im Schanzenviertel Anarchie, bis die Polizei gegen Mitternacht einrückte. FAZ.NET-Reporter berichten aus der praktisch rechtsfreien Zone, wie Chaoten das Viertel binnen Stunden verwüsteten.

          Es ist ein Uhr nachts am Samstagmorgen im Schanzenviertel in Hamburg. In der Kneipe „Le Fonque“ legt ein DJ langsame jamaikanische Musik auf, Kerzen in roten Gläsern flackern vor sich hin. Wenn man vor die Tür geht, ist es mit der romantischen Stimmung allerdings vorbei: Ein Wasserwerfer zeigt direkt in die Richtung des Lokals, Polizisten mit Helmen und Schilden blicken in die Straße. Plötzlich stürmen die Einsatzkräfte los, die Menschen, die eben noch vor dem „Le Fonque“ ihr Bier getrunken haben, drängen schnell wieder in die Bar zurück.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ein junger Automechaniker dreht sich dort erst mal einen Joint. Ob er heute draußen auf der Schanze war, wo es etwa vier Stunden lang zu den vielleicht schwersten Krawallen kam, die Hamburg je erlebt hat? „Natürlich, Bruder“, sagt er. Warum? „Weil Putin und Co. doch sonst gar nicht mitbekommen, dass es uns gibt.“

          Das gab es noch nie

          Es war um acht Uhr am Freitagabend, als die ersten Eilmeldungen aufblinkten: Schwere Ausschreitungen im Schanzenviertel. Hamburg war da schon seit 24 Stunden im Ausnahmezustand. So lang war es her, dass die „Welcome to hell“-Demo am Fischmarkt eskaliert war. Seitdem war Hamburg in einem Chaos versunken, dass selbst in dieser krawallerprobten Stadt bisher unvorstellbar war. 

          Bereits im Morgengrauen zogen am Freitag Vermummte durch Altona und zündeten Autos an, am Nachmittag lieferten sich die Linksradikalen an den Landungsbrücken eine Straßenschlacht mit der Polizei. Mit Wasserwerfern jagten die Einsatzkräfte die Autonomen auseinander. Es dauerte aber nicht lange, bis die sich wieder formiert hatten. Und wie an jedem 1. Mai, wie bei jedem „Schanzenfest“, war das Schanzenviertel wieder der Ort, an dem die Gewalt eskalierte. In dem linken Krawallzentrum der Stadt kommt es mehrmals im Jahr zu schweren Ausschreitungen.

          Was aber am Freitag los war, man kann es nicht oft genug sagen, gab es bisher so nicht: Bereits um acht Uhr abends brannten Barrikaden auf dem Pferdemarkt, dahinter tobten sich in den nächsten vier Stunden auf dem Schulterblatt 1500 Extremisten weitgehend ungestört aus. Die Polizei rückte immer mal wieder ein Stück vor, löschte die brennenden Barrikaden, wurde mit Steinen und Flaschen beworfen – und zog sich wieder zurück.

          Die Polizei wartet lange ab

          Die ganze Zeit lag die Frage in der Luft: Wie lange würde sich die Polizei das gefallen lassen? Um 23 Uhr stand fest: ziemlich lange.

          „Vollkommene Anarchie“ : Ein Erfahrungsbericht aus dem Schanzenviertel

          Was passierte in der Zeit, in der die Gesetze ausgehebelt wurden? Türen wurden aufgebrochen, Gegenstände verbrannt – und seien sie auch noch so groß. Geschäfte wurden geplündert, Feuer gezündet, die über Stunden lichterloh brannten. Ziel der Zerstörung war alles, was auch nur im entferntesten mit Kapitalismus zusammenhängt. Immer wieder riefen die Vermummten „Antikapitalista!“

          Hinter den ersten brennenden Barrikaden lieferten sich Demonstranten eine Straßenschlacht mit Polizisten, die versuchten, aus einer Seitenstraße mit einem Wasserwerfer vorzudringen. Dahinter standen alle paar Meter riesige Haufen in Brand. Fahrräder, Fernseher – vieles was die Vermummten aus den geplünderten Läden erbeuteten, schmissen sie in die Flammen.

          Verwüstungen und Plünderungen

          Unweit des linken Kulturzentrums Rote Flora wurde mit einem als Rammbock verwendeten Straßenschild das Gitter vor einer Sparkassenfiliale aufgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Geldautomaten an der Seite des Gebäudes bereits ausgebrannt.

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