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Veröffentlicht: 04.07.2017, 20:27 Uhr

G-20-Gipfel Die große Angst vor Afrika


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Die Lage alarmiert die Europäer umso mehr, als die Probleme Afrikas gewaltig sind. Das gilt in erster Linie für das Bevölkerungswachstum. Großes Aufsehen erregten die Vereinten Nationen mit ihrer Bevölkerungsprognose für die Welt im Jahr 2100, die sie erst vor wenigen Tagen aktualisiert haben. Schon die Gesamtzahl klang dramatisch genug. Von heute 7,5 Milliarden soll die Gesamtzahl der Menschen auf mehr als elf Milliarden steigen, um sich erst im nächsten Jahrhundert zu stabilisieren und dann langsam abzunehmen.

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Noch viel größere Ängste löste die regionale Verteilung aus: Fast das gesamte Bevölkerungswachstum geht auf das Konto Afrikas. In Asien und Lateinamerika sind die Geburtenzahlen aufgrund wirtschaftlicher Entwicklung und – in China – staatlicher Zwangsmaßnahmen drastisch zurückgegangen, in Europa sowieso; Nordamerika wächst vor allem aufgrund anhaltender Einwanderung. Für das noch weitaus weniger entwickelte Afrika hingegen sagen die Experten mehr als eine Verdreifachung der Einwohnerzahl voraus, von heute 1,3 Milliarden auf dann 4,5 Milliarden Menschen. Vier von zehn Menschen auf der Erde werden am Ende des Jahrhunderts Afrikaner sein, heute ist der Anteil nicht einmal halb so hoch.

Europäische Länder als Paten für afrikanische Staaten

Die schiere Panik hat deshalb die Bundesregierung dazu gebracht, den südlichen Nachbarkontinent zu einem Schwerpunkt in der Runde der G20 zu machen, der mit Südafrika nur ein einziges afrikanisches Land selbst angehört. Nicht um klassische Entwicklungshilfe soll es gehen, die Brunnen baut und die überkommene Subsistenzwirtschaft konservieren will, sondern um ernsthafte Industrieansiedlung mit Gewinnaussichten. Denn nur so ist wirtschaftliche Entwicklung auf Dauer möglich. Der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nennt das einen „Compact with Africa“, zu deutsch: eine Partnerschaft mit Afrika.

Infografik / Bevölkerung Afrikas © F.A.Z. Vergrößern

Die Idee dabei ist: Ein Land der G20 übernimmt eine Patenschaft für ein afrikanisches Land, das sich gegenüber internationalen Organisationen auf die Einhaltung bestimmter Standards für gutes Regieren verpflichtet und damit verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen schafft. Im Gegenzug hilft der ökonomisch potentere Partnerstaat bei der Suche nach Firmen, die in Afrika Produktionsstätten aufbauen wollen. Deutschland will diese Art der Zusammenarbeit künftig mit der Elfenbeinküste, mit Ghana und dem Maghrebstaat Tunesien praktizieren.

Bessere Wirtschaftsentwicklung erwartet

Manche G-20-Kritiker sehen in dem Plan nur den Versuch, westlichen Großkonzernen neue Profitmöglichkeiten zu verschaffen. Die meisten Ökonomen jedoch finden die Idee im Prinzip gut. Denn Afrikas Problem mit der Globalisierung ist bisher vor allem, dass sie an dem Kontinent weitgehend vorbeigezogen ist. Nur zaghaft konnten sich ausländische Firmen zu Investitionen in afrikanischen Staaten durchringen. Zu den wenigen Ausnahmen zählt eine Fabrik für den Kleinwagen Polo, die Volkswagen vor einem halben Jahr im ostafrikanischen Kenia eröffnet hat.

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