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G-20-Krawalle : Unter schwarzen Kapuzen

Freitagabend im Schanzenviertel: Die Lage gerät außer Kontrolle. Bild: Johannes Krenzer

Sie schwammen im Strom der Normalos mit. Doch dann verwandelten sie sich in gesichtslose Gestalten, verbreiteten Angst und Schrecken. Unter den schwarzen Kapuzen steckten nicht wenige linksextreme Krawall-Kids.

          Das Restaurant „Nil“ liegt am Neuen Pferdemarkt in Hamburg, genau auf der anderen Seite der Kreuzung, von der aus sich die Polizei am Freitag und Samstag ins Schanzenviertel kämpfte. Wasserwerfer und Polizisten mit Maschinenpistolen eroberten von dort aus die Kontrolle über das Schulterblatt zurück, die Straße war am Freitagabend fast vier Stunden in der Hand von – ja, von wem eigentlich? Waren es Linksradikale, Autonome, Krawalltouristen oder Wohlstandskinder auf der Suche nach Abenteuern, die brennende Barrikaden errichteten, Läden plünderten und Polizisten mit Steinen und Molotow-Cocktails bewarfen?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Der „Nil“-Chef stand am Freitag gegen Mitternacht vor seinem Restaurant, und sagte plötzlich: „Das ist einer von denen.“ Er zeigte auf einen schmächtigen Mann mit Dreadlocks, der am Straßenrand saß – in bunten Klamotten. Der Wirt hatte den Jüngling ein paar Stunden zuvor beobachtet. Vor seinem Laden hatte der sich mit ein paar anderen Jugendlichen getroffen, alle trugen bunte, unauffällige Klamotten. Als die Polizei am frühen Abend mit Wasserwerfern auf das Schanzenviertel zurollte, zogen sie kleine schwarze Säckchen aus ihren Taschen. Darin hatten sie schwarze Regenjacken, sie streiften sie sich über, zogen sich ein dünnes schwarzes Tuch übers Gesicht, und gingen los – mit Steinen in der Hand.

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          Szenen wie diese ließen sich das ganze Wochenende lang beobachten: Die Leute, die Autos anzündeten, Steine warfen und Läden plünderten, schwammen mit im Strom der Normalos. Erst wenn die Polizei auftauchte, verwandelten sie sich in gesichtslose Gestalten. Maskiert und im Mob verbreiteten sie Angst und Schrecken.

          In der Masse sind auch Kinder gefährlich

          Samstagabend, Straßenschlacht auf dem Schulterblatt. Der Wirt Sokratis Apostolidis hatte da schon eine der schlimmsten Nächte seines Lebens hinter sich, jetzt hatten wieder ein paar Unbeteiligte in seinem Lokal Zuflucht gefunden, während man vor der Tür vor lauter Reizgas kaum noch Luft bekam. Und immer wieder spazierten auch Mitglieder des sogenannten Schwarzen Blocks herein, nahmen ihre Masken ab und verwandelten sich in die schmächtigen Kinder, die sie eigentlich waren. Fragte man ein Pärchen „Na, gleich wieder Steine auf Polizisten werfen?“, antwortete es verlegen lächelnd: „Ja, genau.“

          Wer steckte hinter den Masken?
          Wer steckte hinter den Masken? : Bild: Johannes Krenzer

          Zum Abschied wünschten die beiden einen schönen Abend, und selbst wenn man erwiderte „Euch nicht“, suchten sie nicht die Konfrontation, sondern tauchten wieder in dem Chaos unter, in dem sie sich so stark fühlten. Filmte man innerhalb des Schwarzen Blocks, wurde einem zwar zugeraunt „Du verschwindest jetzt lieber“, aber das hatte fast etwas Komisches, weil das Gesicht hinter der Fratze eindeutig einem halben Kind gehörte. Trotzdem: In der Masse und mit Steinen bewaffnet sind auch Kinder gefährlich, und viele Finger sind eben eine Faust, wie Sokratis Apostolidis sagte.

          Und natürlich gab es durchaus ein paar Typen, bei denen man auch die Straßenseite wechseln würde, wenn sie einem ohne Maske entgegenkämen. Viele kamen eben doch aus der international vernetzten Autonomen-Szene. Als am Freitagabend völlige Anarchie herrschte, hörte man immer wieder spanisch, italienisch, portugiesisch.

          Polizei gibt Details über Verhaftete bekannt

          Am Montag gab die Polizei Details über die Nationalität der Menschen bekannt, die bei den Krawallen in Gewahrsam genommen oder verhaftet worden waren: Seit die Befehlsstelle für den G-20-Einsatz am 22. Juni eingerichtet worden war, wurden 186 Personen vorläufig festgenommen, 225 kamen in Gewahrsam – so nennt man es, wenn jemand festgehalten wird, damit er keine Straftaten begeht, während man für eine Festnahme bereits eine Straftat begangen haben muss. Der Großteil dieser Personen kam aus Deutschland: 132 Deutsche wurden festgenommen, 158 kamen in Polizeigewahrsam.

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