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Nach G-20-Gipfel : Krawalltouristen feiern eine Orgie der Gewalt

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„So hätte ich mir das gestern auch gewünscht“, sagte Sokratis Apostolidis, der seit 40 Jahren ein Geschäft auf der Schanze hat. „Gestern wurden wir hier alleine gelassen mit diesen Verrückten, weil Olaf Scholz lieber die Leute in der Elbphilharmonie geschützt hat. Ich habe meine Frau zum ersten Mal aus Angst weinen gesehen.“

Aber auch wenn die Polizei energischer als in der Nacht zuvor vorrückt – sie trifft immer wieder auf Gegenwehr. Zudem brannten in mehreren Straßen wieder Fahrzeuge. Die Beamten reagieren mit Tränengas, Wasser und später auch Knüppeleinsatz. Doch wer ihnen da entgegentritt, ist kein geschlossener schwarzer Block wie am Vortag. Hier stehen Randale-Touristen, die sich und anderen etwas beweisen wollen. Zum Beispiel mit einem Bier in der Hand einem Wasserwerfer standhalten zu können.

Die Randalierer sind sehr jung, oft gerade nicht mehr im Schüleralter. Ihr Verhalten ist der Pubertät nicht entwachsen: Sie rennen den Wasserwerfern entgegen, bauen sich breitbeinig vor ihnen auf, einer zieht die Hose herunter und zeigt der anfahrenden Polizei seine Genitalien. Und es sind erstaunlich viele junge Frauen darunter, mittendrin in der Zerstörungsorgie. Sie schleifen Müllcontainer auf die Straße und helfen beim Anzünden, sie zerren Fahrräder auf das Pflaster, gern auch die beliebten Stadträder, für die es mehrere Leihstationen im Viertel gibt. Sinnloser kann Zerstörung kaum sein.

Und sie treibt die Wut auf den Staat und seine Politik, die sie als Agenda der schreienden Ungerechtigkeit wahrnehmen, gegen die nur die Totalopposition hilft. „Ich kann es verstehen, wenn in Spanien 60 Prozent Jugendarbeitslosigkeit herrscht, dass sich die Gewalt hier entlädt“, sagt ein Student am Straßenrand, bevor die Randale wieder begann. Was sein Ideal sei? „China vor 1976“. Wirklich, das China Mao Tse-tungs, das China der mörderischen Kulturrevolution? „Die Zahlen, die uns über die Kulturrevolution vermittelt werden, sind falsch“, argumentiert der Mann weiter in frappierender Ähnlichkeit zu seinen Gegnern auf der Rechten.

Die Zahlen der Opfer von Maos Politik etwa seien maßlos übertrieben. „Es gab allenfalls 20 Millionen Tote – und was ist das schon angesichts von damals 600 Millionen Chinesen.“ Zudem gebe es gerade auf dem Land in China noch große Sympathien mit Maos Politik. Das wichtigste sei, dass die Gesellschaftsform gestimmt habe. „Der Kapitalismus zerfrisst die Welt, er korrumpiert uns alle.“ Wer so redet, ist mit Argumenten für die gegenwärtige Verfasstheit der westlichen Welt nicht mehr zu erreichen.

Polizeieinsatz in Hamburg nach dem G-20-Gipfel Bilderstrecke

Die Anwohner reagieren auf den Mob, sind zunehmend genervt. Aus ihren Fenstern rufen einige den Randalieren zu: „Aufhören, haut ab.“ Daraufhin schleudert eine junge Frau von der Straße aus eine Flasche auf das geöffnete Fenster. Randale duldet keine Vernunft.

Als sich die Lage am frühen Morgen in der Schanze wieder beruhigt, ist Amerikas Präsident Donald Trump, Lieblingsgegner der  G-20-Protestler, bereits wieder in Washington. Von den Krawallen hat er offenbar nicht viel mitbekommen. Auf Twitter resümiert er: „Alle fühlten sich sicher, trotz der Anarchisten.“

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