11.06.2007 · Marcel Proust füllte den Fragebogen, der als Herausforderung an Geist und Witz ein beliebtes Spiel in den Pariser Salons und später dann in dieser Zeitung war, gleich zweimal aus. Wir setzen zur Art Basel 38 die Tradition mit Fragen an Samuel Keller, den Direktor der Messe, fort.
Marcel Proust füllte den Fragebogen, der als Herausforderung an Geist und Witz ein beliebtes Spiel in den Pariser Salons und später dann in dieser Zeitung war, gleich zweimal aus. Wir setzen zur Art Basel 38 die Tradition mit Fragen an Samuel Keller fort.
Was ist für Sie das größte Unglück? -
Wo möchten Sie leben? Hier und jetzt.
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? Tanzen im Sommergewitter..
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? Geburtsfehler.
Ihre liebsten Romanhelden? Odysseus, Merlin, „Der alte Mann und das Meer“, „Alice im Wunderland“.es Internationalen Roten Kreuzes.
Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit? Mütter.
Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung? Morgan le Fay, Pippi Langstrumpf.
Ihr Lieblingsmaler? Goya - dicht gefolgt von Bosch, Holbein, da Vinci, Caravaggio, Vermeer, Monet, Picasso, Matisse, Schiele, Duchamp, Pollock, Rothko, Warhol und vielen anderen . . .
Ihr Lieblingskomponist? Heute: Puccini.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten? Enthusiasmus, Intelligenz, Humor, Großzügigkeit, Zivilcourage.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? Güte, Charme, Sexappeal, Humor, Individualität.
Ihre Lieblingstugend? Nächstenliebe.
Ihre Lieblingsbeschäftigung? Abwechselnd Schlafen, Essen, Sex, Fußballspiele und Kunst sehen.
Wer oder was hätten Sie sein mögen? Museumsdirektor in Basel oder Schulbusfahrer in Brasilien oder Friedhofsgärtner in Italien.
Ihr Hauptcharakterzug? Kommunikativ.
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten? Vertrauen, Offenheit, Inspiration , Humor, Kochkünste.
Ihr größter Fehler? Vergesslichkeit.
Ihr Traum vom Glück?-
Was wäre für Sie das größte Unglück? Meine Familie zu verlieren.
Was möchten Sie sein? Erleuchtet.
Ihre Lieblingsfarbe?
Im Frühjahr Orange, im Sommer Internationales Klein Blau, im Herbst Waldfarben, im Winter Schwarz.
Ihre Lieblingsblume? Lilie.
Ihr Lieblingsvogel? Phönix.
Ihr Lieblingsschriftsteller? Ernest Hemingway.
Ihr Lieblingslyriker? Mani Matter.
Ihre Helden in der Wirklichkeit? Muhammad Ali, Pablo Picasso, Katastrophenhelfer.
Ihre Heldinnen in der Geschichte? Königin von Saba, Maria Magdalena, Kleopatra, Josephine Baker, Edith Piaf.
Ihre Lieblingsnamen? James, Judith, Faye, Max & Moritz.
Was verabscheuen Sie am meisten? Sadismus, Heuchelei.
Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten? Hitler, Franco, Stalin, Mao.
Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten? Es fällt mir schwer, das Militär zu bewundern.
Welche Reform bewundern Sie am meisten? Die Aufklärung.
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Fliegen und alle Sprachen sprechen.
Wie möchten Sie sterben? Den Fallschirm nicht öffnen, weil heute ein guter Tag zum Sterben ist.
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? Mens sana.
Ihr Motto? What a wonderful world.
Im Jahr 2000 übernahm Samuel Keller die Leitung der Art Basel als ihr Direktor. Sein Revier war ihm nicht neu; seit 1994 war er Pressesprecher der Basler Messegesellschaft, und 1998 war er zum stellvertretenden Direktor der Kunstmesse selbst avanciert. Diese hatte damals bereits ihren Rang als weltweit wichtigste Schau für moderne und zeitgenössische Kunst. Kellers enormes Gespür für den perfekten Zeitpunkt, um dem anspruchsvollen internationalen Publikum neue Formen und Methoden der Kunstvermittlung zu präsentieren, bauten die Bastion weiter aus.
Seiner Unternehmungslust verdankt sich die Gründung der Art Basel Miami Beach. Sie hatte im Dezember 2002 - um ein Jahr verschoben wegen der Terrorangriffe vom 11. September 2001 - ihre Premiere. Ihr durchschlagender Erfolg gab Kellers Kühnheit recht; er machte aus einer europäischen Super-Messe ein globales Doppel-Ereignis. Mit der Art Basel Miami Beach hat er den bisher nicht überbotenen Geniestreich des internationalen Messezirkus vollbracht. Seither haben die teuersten und wählerischsten Galeristen der Welt liebend gern Sand in den italienischen Schuhen, wenn sie dafür im Dezember in Florida mittun dürfen.
Samuel Keller ist 1966 in Basel geboren, er hat Kunstgeschichte und Philosophie studiert und sich früh in die Praxis des Kunstmessegeschäfts begeben. Regelrecht berühmt ist er für sein Netzwerk, dessen Fäden von sämtlichen Spielern im Kunstmarkt bei ihm persönlich zusammenlaufen. Sein nie arrogantes, aber keineswegs leutseliges Temperament geht zusammen mit seiner phänomenalen Kommunikationsbegabung. Inzwischen dürfte er sich längst daran gewöhnt haben, dass ihn mehr Leute „Sam“ und „Du“ heißen, als er selbst jemals auch nur gute Bekannte hatte. Dennoch oder genau deshalb ist er das Gegenteil einer öffentlichen Person geblieben.
Vor einem Jahr wurde bekannt, dass Sam Keller als Direktor der Art Basel aufhört, um 2008 das Schicksal der Fondation Beyeler in seine Hände zu nehmen und, davon untrennbar, gewiss das der legendären Galerie und Kunsthandlung. Der große Ernst Beyeler macht ihn also zum „Museumsdirektor in Basel“, wie es sich Keller hier im Fragebogen wünscht. Sein Nachfolger wird jetzt zur 38. Art Basel offiziell bekanntgegeben. Wenn Samuel Keller noch vor ein paar Tagen in Venedig zu diesem Thema fand, es gehe schließlich um die Zukunft der Messe und nicht um die einer Leitungsposition, meinte er das so. Richtig ist allerdings auch: Er ist der derzeit weltweit beste Direktor einer Kunstmesse. Und er wird seiner Kunstmessegesellschaft verbunden bleiben mit strategischem Rat. rmg
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