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Formel 1 Hülkenberg fährt wieder

24.11.2011 ·  Force India hat Hülkenberg zum Stammpiloten gemacht für 2012 - doch sein Rennstall ziert sich, die Verpflichtung öffentlich zu machen.

Von Anno Hecker, Sao Paulo
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© dpa Am Ziel? Nico Hülkenberg dürfte schon bald wieder Formel-1-Rennen fahren

Schluss mit dem vielen Gerede. Ein paar Interviews und Einschätzungen noch, dann wird Nico Hülkenberg die Seiten wechseln. Dann will er wieder gefragt sein und nicht Menschen fragen müssen, in deren Rolle er sich sieht: Stammfahrer der Formel 1, Sebastian Vettel, Michael Schumacher, Lewis Hamilton. Seit März hat der Pilot aus Emmerich die Szene für das Fernsehen beschrieben, im Fahrerlager erklärt, kommentiert und kritisiert, was er so gerne selbst gemacht hätte: Grand Prix fahren, mit den anderen Rad an Rad kämpfen, sein Können zeigen, anstatt die Kollegen zu analysieren. „Das war schmerzhaft, besonders nach den Rennen“, sagt Hülkenberg und lacht. Er redet gerne. Aber für einen Cockpitplatz legte der 24-jährige Rennfahrer sogar eine Art Schweigegelübde ab. Force India hat Hülkenberg für 2012 vom Testfahrer zum Stammpiloten befördert. Nur sprechen darf er nicht darüber. Noch nicht.

Force India ziert sich, neben dem Schotten Paul di Resta auch die Verpflichtung des Deutschen zu veröffentlichen. Dabei sollen die Verträge längst unterschrieben sein. Das wurde schon berichtet. Dementis blieben aus. Und so gibt es nach Informationen der F.A.Z. nur noch einen Weg, Hülkenberg die Fortsetzung seines Lebenstraumes nach dem Debüt bei Williams 2010 zu verderben: Force India müsste den jüngsten Vertrag brechen.

Unmöglich ist das nicht. Hülkenberg kennt die Härten des Geschäfts. Vor einem Jahr wartete er als Einsatzfahrer von Williams auf eine offizielle Erklärung, wie es denn mit ihm weitergehen sollte. Der renommierte Rennstall hatte sich damals aber schon für den Venezolaner Pastor Maldonado und dessen Mitgift entschieden. Es sollen 30 Millionen Dollar Sponsorgelder gewesen sein, die Williams von einer Finanznot befreiten und Hülkenberg stoppten. Alle Welt schien Bescheid zu wissen. Nur den Deutschen quälte die Ungewissheit.

Wie ein Häufchen Elend saß Hülkenberg im Herbst 2010 nach dem Qualifikationstraining in Singapur auf einem Stuhl vor der Teamunterkunft: „Dann sollen sie mir es doch sagen, wenn sie mich nicht wollen!“ Sie schwiegen. Hülkenberg war damals den Tränen nah. Vor dem Finale dieser Saison lacht er nun und weiß genau, wohin ihn sein Weg führt: „Ich habe mein Talent bewiesen, ich gehöre hierher.“

„Die Pole Position sagt doch alles“

Der Sprung vom Testfahrer zum Stammpiloten ist schwer geworden in der modernen Formel 1. Abgesehen von gelegentlichen Einsätzen beim Training am Freitag gibt es keine Chance mehr, Steuerkunst und Abstimmungsarbeit zu beweisen. Früher, als Testfahrten während der Saison erlaubt und 50.000 Kilometer bei guten Teams üblich waren, ließ sich vieles zeigen und kaum etwas verbergen. Hülkenberg aber überzeugte sein Team bei den wenigen Gelegenheiten. Obwohl sein direkter Gegner, Landsmann Adrian Sutil, als Einsatzpilot von Force India nach einer Schwächephase vor allem im zweiten Teil der Saison stark beschleunigte. „Die Pole Position von Nico im vergangenen Jahr in Brasilien“, ließ sich Teamchef Vijay Mallya entlocken, „sagt doch alles.“

Vor gut einem Jahr nutzte Hülkenberg in Sao Paulo die Gunst der Stunde und fuhr auf abtrocknender Strecke im Qualifikationstraining allen davon. Sebastian Vettel zog den Hut: „Chapeau.“ Vor einem, der unter schwierigen Bedingungen nicht einknickt, sondern nach Verbesserungen sucht. Bei Williams ging Hülkenberg als Testfahrer 2009 einen unkonventionellen Weg. Er ließ sich jeweils einen Monat lang in verschiedenen Abteilungen bei der Bolidenkonstruktion ausbilden. Wie ein Lehrling baute er unter anderem zwei Wochen an einem Frontflügel mit, schliff ihn akribisch und musste mit ansehen, wie das gute Stück nach dreißig Minuten im Windkanaltest auf den Müll flog: „Nur so bekommt man ein Gespür für die Arbeit, den ganzen Aufwand, den die Menschen in der Fabrik leisten.“

Williams-Ingenieure schätzten sein Hingabe. Hülkenberg sollte bleiben, bekam entsprechende Signale, bevor große Sponsoren absprangen. Da half nicht einmal mehr die Pole Position. Längst war die Trennung entschieden. Erfahren hat es Hülkenberg, weil er selbst aktiv wurde: Nach dem Finale von Abu Dhabi stellte er Geschäftsführer Adam Parr zur Rede.

Die Balance behalten

Immerhin ist Hülkenberg als Fernseh-Mann im Bild geblieben. Was wie eine Verlegenheitslösung wirkte, entpuppte sich als kluger Schachzug eines Fahrers, der gut beraten scheint, sich aber im Grunde selbst managt, sei es ein Fahrervertrag oder der Fernsehdeal. „Wenn man nicht dumm ist, dann funktioniert das. Bei Sky habe ich viel gelernt. Mein Gesicht war im Fernsehen, mein Name blieb präsent und Geld habe ich auch noch verdient.“

Hülkenberg behielt dabei die Balance, ließ sich nicht zu einer verbalen Revanche hinreißen. Obwohl es leicht gewesen wäre, den Absturz von Williams süffisant zu kommentieren. Bislang nur fünf Punkte gewann das in den neunziger Jahren weitgehend dominierende Team, weniger waren es nur 1976. Force India ist den Briten weit enteilt. Hülkenberg, der an diesem Freitag im Boliden von Sutil die erste Trainingsrunde bestreitet, hat mehr als eine Beförderung vor Augen. Gleichzeitig ist ihm ein Überholmanöver gelungen.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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