Home
http://www.faz.net/-gpc-770wt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Fluglärm-Debatte Condor-Chef stellt Standort Frankfurt in Frage

Deutschlands größter Flughafen macht aus Lärmschutzgründen nachts sechs Stunden dicht. Die Fluggesellschaft Condor denkt laut über eine Verlagerung von Maschinen ins Ausland nach.

© dapd Vergrößern Sieht sich durch das Nachtflugverbot in Frankfurt wirtschaftlich bedrängt: Condor Flugdienst

Der Ferienflieger Condor stellt bei weiter verschärften Lärmschutzauflagen den Flughafen Frankfurt als Standort seiner Flugzeuge in Frage. Es sei sein Job, über Alternativen nachzudenken, wenn nicht mehr wettbewerbsfähig gearbeitet werden könne, sagte Airline-Chef Ralf Teckentrup dem Internet-Portal „hr-online“. Bereits mit den bestehenden Einschränkungen zeigte er sich unzufrieden. „Die Wirtschaftlichkeit der Condor in Frankfurt wird durch das Nachtflugverbot massiv beeinträchtigt.“

Die Flugzeuge müssten möglichst lange am Tag im Einsatz sein, um wirtschaftlich betrieben werden zu können, erläuterte Teckentrup. Fluggesellschaften aus den Zielgebieten ohne Nachtflugeinschränkungen hätten daher klare Kostenvorteile und würden von den Reiseveranstaltern zunehmend gebucht. Es sei daher ein Thema, ob man Gesellschaften im Ausland gründe, um das Frankfurter Nachtflugverbot zu umgehen. „Wenn Sie eine Fluggesellschaft auf den Kanaren haben, fliegen Sie dort morgens um 3 Uhr los. Da sind Flugzeuge und Crews 20 Stunden am Tag produktiv.“

Minuten kosten mitunter Millionen

Teckentrup kritisierte auch die scharfe Nachtstartgrenze um 23 Uhr. Wenn Condor, wie geschehen, an einem Abend mit zwei Langstreckenflügen nicht mehr aus Frankfurt heraus komme, liefen schnell Kosten von einer runden Million Euro auf. Bei einem Jahresergebnis von 45 Millionen Euro seien damit in einer Nacht zwei Prozent des Gewinns perdu.

Der Condor-Chef bekannte sich zu den laufenden Maßnahmen zur Lärmminderung im Betrieb und verlangte von den Ausbaugegnern ein Entgegenkommen und Einsicht in die Belange der Unternehmen. „Es hat wenig Sinn zu reden, wenn die Lärmgegner sagen: Macht die Landebahn zu oder schließt den Flughafen noch länger.“

Rentsch sieht „Mahnung“

Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) bezeichnete die Äußerungen als „Mahnung“. Man werde alles tun, damit Frankfurt wettbewerbsfähig bleibe. Deshalb werde es weitere Betriebsbeschränkungen mit der Landesregierung nicht geben. Weitere Verschärfungen, wie sie unter Rot-Rot-Grün drohten, „wären ein Anschlag auf die wirtschaftliche Entwicklung des Flughafens und der Region.“ Allerdings müsse auch die Luftverkehrswirtschaft den erreichten Ausgleich akzeptieren.

Mehr zum Thema

Am Flughafen Frankfurt gilt seit Inbetriebnahme der neuen Landebahn im Oktober 2011 ein Nachtflugverbot in der Zeit zwischen 23.00 und 05.00 Uhr, gegen das nur in eng gefassten Ausnahmen verstoßen werden kann. Ausbaugegner verlangen die Schließung der Bahn und eine zeitliche Ausdehnung des Verbots. Condor hat die Hälfte seiner 38 Maschinen in Frankfurt stationiert und zudem seine Firmenzentrale am Flughafen.

Quelle: LHE

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Flughafen Belfast Pilot verliert kurz vor Landung Armprothese

Weil er beim Landeanflug auf den Flughafen in Belfast seine Armprothese verlor, hat ein Pilot eine Passagiermaschine mit nur einer Hand auf den Boden gebracht. Die Landung war zwar unsanft, aber zu Schaden kam niemand. Mehr

14.08.2014, 10:01 Uhr | Gesellschaft
Sprengung auf der A3 Weltkriegsbombe reißt Krater in Autobahn

Nach der Sprengung einer Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die sich nicht entschärfen ließ, bleibt die A3 nahe des Offenbacher Kreuzes noch mindestens bis Donnerstagfrüh gesperrt. Die Explosion hat einen großen Krater in die Fahrbahn gerissen. Mehr

20.08.2014, 08:47 Uhr | Rhein-Main
Telefonieren, Simsen, Surfen Wie darf ich mein Smartphone an Bord benutzen?

Über den Wolken ist die Freiheit nicht immer grenzenlos - zumindest nicht, wenn es darum geht, Smartphone, Tablet oder Laptop zu nutzen. Sind Handygespräche im Flugzeug erlaubt? Was ist mit SMS, E-Mail und Internet? Und was kostet das alles? Mehr

11.08.2014, 11:39 Uhr | Finanzen

Ein großer Einschnitt

Von Jasper von Altenbockum

Das IT-Sicherheitsgesetz und die „Digitale Agenda“ gehen in die richtige Richtung. Was vor Jahren noch verdammt worden wäre, wird unter dem Eindruck ernüchternder Erfahrungen mit den „Göttern“ im Netz nun geradezu herbeigesehnt. Mehr 10 2

Bestverdienende Models Gisele Bündchen verdient mal wieder am allermeisten

Sie braucht sich schon lange nicht mehr durch lästige Castings zu quälen: Gisele Bündchen führt seit 2002 die Liste der höchstdotierten Models an. Alleine im vergangenen Jahr hat sie etwa 47 Millionen Dollar verdient. Mehr 3

Facharbeiter aus Drittstaaten Die Reise ging selten nach Deutschland

Mechatroniker, Pfleger, sogar Kühlhauswärter: Hierzulande fehlen Fachkräfte. Über die „Positivliste“ für Engpassberufe sollten sie nach Deutschland geholt werden. Doch es kamen in einem Jahr nur 170. Mehr 5 1

Sohn von Jackie Chan Ins Netz der Drogenfahnder gegangen

Dem Sohn von Action-Star Jackie Chan droht nach Rauschgiftmissbrauch eine empfindliche Haftstrafe, Denzel Washington ist auf Entzug und der meistgepiercte Mann der Welt darf nicht nach Dubai einreisen – der Smalltalk. Mehr 8