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Zweckgesellschaften Deutsche Banken und ihre Risiken

25.08.2007 ·  Über Zweckgesellschaften haben viele Banken aus Deutschland auf Amerikas Hypothekenmarkt spekuliert und viel Geld verloren. Nun sind die Conduits in Verruf geraten. Die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank haben dabei noch einmal Glück gehabt.

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Die Schieflagen der IKB Deutsche Industriebank und der SachsenLB haben die Zweckgesellschaften der deutschen Banken in Verruf gebracht. Über die Conduits haben sie auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt spekuliert und viel Geld verloren. Andere Zweckgesellschaften dagegen sind solide finanziert. Diese Zeitung hat sich bei den Banken, die Zweckgesellschaften betreiben, nach den Risiken erkundigt, wie groß der Umfang ist und welche Garantien vergeben wurden.

Die Conduit-Plattform „Kaiserplatz“der Commerzbank hat nach Angaben ihres Investmentbankvorstands Nicholas Teller ein Volumen von rund 8,5 Milliarden Euro. Über diese Plattform seien fast nur eigene Kreditforderungen oder Forderungen von Commerzbank-Kunden verbrieft worden, und zwar in Wertpapiere mit unterschiedlichen Tranchen. „Kaiserplatz“ habe nur „Super Senior AAA-Tranchen“ behalten, die riskanten Tranchen weiterverkauft. Da die Refinanzierung über Commercial Paper derzeit schwierig oder unattraktiv teuer sei, werde die Commerzbank „Kaiserplatz“ Kredite gewähren, sagte Teller. Ohnehin sei seit längerem geplant gewesen, diesen Conduit bis Jahresende weitgehend aufzulösen. Anlass dafür ist, dass Kredite mit guter Bonität nach den Eigenkapitalvorschriften Basel II, die zu Jahresbeginn in Kraft treten, nur noch mit wenig Eigenkapital unterlegt werden müssen.

„Fazilitäten Ende 2006 bei 38,3 Milliarden Euro“

Die Deutsche Bank hat offenbar Zweckgesellschaften mit einem größeren Volumen als bisher bekannt war. Es geht um rund 38 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank habe für verschiedene Zweckgesellschaften, die sich über kurzfristige Titel refinanzieren, Liquiditätsfazilitäten und in geringerem Maße auch Garantien übernommen, sagte ein Sprecher. Der Unterschied besteht darin, dass die Bank bei Fazilitäten keine Kredite geben muss, wenn die Zweckgesellschaft deshalb in Schwierigkeiten gerät, weil ihre Vermögenswerte nicht mehr ausreichen. „Unsere Fazilitäten beliefen sich Ende 2006 insgesamt auf 38,3 Milliarden Euro.“ Das Engagement auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt für finanzschwache Schuldner sei Anfang August nahezu ausgeglichen gewesen. Das Geschäft mit Hedge-Fonds erfolge ausschließlich auf besicherter Basis.

Eine Sprecherin der Hypo-Vereinsbank sagte, die Zweckgesellschaften Arabella und Salome hätten ein Volumen von insgesamt 2,8 Milliarden Euro. Beide Gesellschaften hätten keine mit Amerika verbundenen Risiken. Die Hypo-Vereinsbank selbst habe nur geringe Risiken auf dem Subprime-Markt, über Conduits seien es weniger als 5 Millionen Euro. Die Landesbank Baden-Württemberg nennt für ihre Zweckgesellschaft Lake Constance ein Volumen von 6,7 Milliarden Euro. Das Conduit sei das einzige mit kurzlaufenden Titeln finanzierte Vehikel der LBBW. Verpflichtungen gegenüber Vehikeln anderer Banken bestünden nicht. Die LBBW werde sich allerdings an den Liquiditätshilfen der Sparkassengruppe für die SachsenLB unter Haftung des Freistaates Sachsen beteiligen. Die LBBW-Gesellschaft Lake Constance sei nicht direkt auf dem amerikanischen Subprime-Markt investiert.

Die Dresdner Bank will keine Auskünfte geben

Allerdings gebe es bei Titeln im Wert von 299 Millionen Euro einen indirekten Subprime-Bezug. Von den 6,7 Milliarden Euro der Gesellschaft seien 90 Prozent in erstklassige Wertpapiere investiert. Der Rest seien Handelsfinanzierungen von LBBW-Kunden. 95 Prozent der Wertpapiere seien mit der Höchstnote „AAA“ versehen. Der Rest mit der zweitbesten Note „AA“. Die Finanzierungen mit indirektem Subprime-Bezug seien alle mit Bestnoten versehen und seien zur Hälfte zusätzlich von Anleiheversicherern garantiert. Die Landesbank Baden-Württemberg sieht daher keine Ausfallrisiken bei Lake Constance. Die LBBW stehe jederzeit für die Refinanzierung von Lake Constance ein.

Die Dresdner Bank beantwortet derzeit keine Fragen über ihre Zweckgesellschafen. Zu ihren Kundenbeziehungen äußere sich die Bank grundsätzlich nicht, sagte ein Sprecher. Die Landesbank Berlin meldet, in dem von besonders großen Wertverlusten betroffenen Subprime-Segment der Hypothekenkredite sei die Bank nicht engagiert. Bei älteren Emissionen sei die Bank lediglich indirekt mit rund 30 Millionen Euro engagiert.

HSH Nordbank ohne Probleme mit der Liquidität

Die HSH Nordbank nennt für ihre beiden Zweckgesellschaften ein Volumen von insgesamt 4,4 Milliarden Euro. Beide Portefeuilles seien von erstklassiger Qualität, 90 Prozent der Titel mit der Bestnote „AAA“ versehen. Über Verbriefungen sei die Bank mit 1,8 Milliarden Euro indirekt auf dem amerikanischen Markt für private Hypothekenkredite engagiert. Das entspreche weniger als einem Prozent der Bilanzsumme der Bank. Bei all diesen Papieren habe es bisher keine Herabstufungen gegeben. Die Bank habe keine Schwierigkeiten mit der Liquidität, weshalb sie auch nicht an allen Tendern der Europäischen Zentralbank teilgenommen habe, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Landesbank Hessen-Thüringen weise keinerlei Außenstände bei Subprime-Hypothekenfinanzierungen auf, heißt es im Zwischenbericht der Bank. Die in Dublin ansässige Verbriefungsplattform „Opus Alpha“, mit der die Bank im außerbilanziellen Geschäft vor allem mit Zielkunden zusammenarbeite, weise ein Geschäftsvolumen von 1,5 Milliarden Euro auf. Der größte Teil stammt aus der Verbriefung von Forderungen deutscher Großunternehmen.

Quelle: ruh./ham./bf./ F.A.Z., 25.08.2007, Nr. 197 / Seite 19
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