Die Annäherung an die EU und eine gut laufende Wirtschaft haben der rumänischen Börse in den vergangenen Jahren zu einer eindrucksvollen Hausse verholfen. Durch die dabei verbuchten Kursgewinne sind die meisten Standardwerte inzwischen nicht mehr gerade günstig bewertet.
Doch auch in der ersten Reihe auf dem Kurszettel am Bukarester Aktienmarkt finden sich bei genauer Hinsicht noch vereinzelt Werte mit einer interessanten Bewertung. Dazu zählen zweifelsohne die ehemaligen Privatisierungsfonds. Mit SIF1 Banat Crisana, SIF2 Moldova, SIF3 Transilvania, SIF4 Muntenia und SIF5 Oltenia gibt es davon fünf Gesellschaft, die börsennotiert sind. Zum Verständnis: Der Name resultiert dabei aus der Region, in der die Unternehmen des Portfolios ihre Haupttätigkeit und ihren Firmensitz haben.
Entstanden sind diese Konstruktionen, als die ehemaligen rumänischen Staatsbetriebe in die freie Wirtschaft übergeführt wurden. Die dazu gegründeten fünf regionalen Fonds haben rund 30 Prozent der staatseigenen Unternehmen der jeweiligen Region in ihr Portfolio aufgenommen und nacheinander in die freie Wirtschaft überführt. 1995 wurden die Private Property Fonds in Investmentfonds, die heutigen SIFs, umgewandelt. Seitdem fungieren die verschiedenen Fonds als eigenständige Unternehmen, die Kapital für private nicht notierte Unternehmen bereitstellen und in mittlere Unternehmen mit Börsennotierung investieren.
Breite Streuung und Private Equity Charakter zählen zu den Pluspunkten der Privatisierungsfonds
Interessant sind die so genannten SIFs, weil sie viele Investments über verschiedene Branchen im Portfolio haben und so Investoren mit einem Schlag eine breite Streuung der Anlagemittel ermöglichen. Der Schwerpunkt der Investments liegt dabei zwar eindeutig im Bereich Banken und Finanzen und das wichtigste Asset stellen die an der rumänischen Sparkasse gehaltenen Anteile dar. Hinzu kommen aber auch Beteiligungen an kleinen und mittelgroßen rumänischen Unternehmen. Dazu zählen nicht nur gelistete Nebenwerte, sondern auch private, nicht börsennotierte Unternehmen. Diese bewegen sich oft in interessanten Nischen, die es den Unternehmen erlauben, hohe Wachstumsraten zu generieren.
Außerdem stehen viele dieser Beteiligungen noch zu den Anschaffungswerten in den Bilanzen. Inzwischen sind die meisten dieser Unternehmen aber deutlich wertvoller geworden. Auch das trägt mit dazu bei, dass die SIFs deutliche Abschläge gegenüber ihren Nettoinventarwerten aufweisen. Von den Analysten des rumänischen Brokers Alpha Finance Research wurden die Bewertungsabschläge in einer Studie Mitte März für die fünf SIFs auf 21 bis 37 Prozent veranschlagt. Das heißt nichts anderes, als dass Investoren die Beteiligungsfirmen über den Kauf der SIFs deutlich günstiger als über einen Direkteinstieg erwerben können, was natürlich verlockend ist.
Zu erklären sind die hohen Abschläge mit Marktineffizienzen, aber auch damit, dass die SIFs noch starken politischen Zwängen ausgesetzt sind. So hat die Vorschrift, dass jeder einzelne Investor an einem SIF nicht mehr als ein Prozent der Anteile halten darf, phasenweise starken Kursdruck ausgeübt. Hinzu kommt ein teilweise bisher nicht effizientes Management der SIFs. Doch sowohl beim Thema der Beteiligungsgrenzen als auch bei den Einflussmöglichkeiten, die außenstehende Investoren ausüben können, ist zuletzt etwas Bewegung entstanden. Gehen hier die Entwicklungen in die richtige Richtung, dürfte das zu einem Abbau der Bewertungsabschläge beitragen.
ABN Amro macht die SIFs handelbar
Wer sich als Investor für die SIFs interessiert, der kam bisher nur direkt an der Börse in Bukarest zum Zuge. Doch seit dem 9. März gibt es nun auch ein von der ABN Amro konzipiertes Rumänien Private Equity Open End Index Zertifikat (ISIN DE000AA0F6D0), welches die Kursentwicklung des Bucharest Stock Exchange Trading Investment Funds Index abbildet. In dem BET-FI Index sind die fünf Fonds in einem eigenen Segment zusammengefasst.
Seit Bestehen der Fonds schnitten sie klar besser ab als der ROTX (Romanian Traded Index) sowie der BET (Bucharest Stock Exchange Index) und wegen der genannte Gründe stehen die Chancen nicht schlecht auf eine auch künftig bessere Entwicklung als am Gesamtmarkt. Das Zertifikat weist ansonsten übrigens eine Geld-/Briefspanne von 2,50 Prozent auf und zu beachten ist auch, dass die Basiswährung der rumänische Lev ist und somit ein gewisses Währungsrisiko besteht.
