Der Preis für Rohöl ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Mussten im Dezember weniger als 100 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent gezahlt werden, waren es am Montag rund 124 Dollar. In Dollar gerechnet ist Rohöl damit so teuer wie seit dem Sommer 2008 nicht mehr. In Euro gerechnet war Rohöl vergangene Woche mit gut 96 Euro je Barrel sogar so teuer wie nie zuvor.
Während die Verbraucher beim Tanken und Befüllen des Heizöltanks wenig Freude an den hohen Preisen haben, profitieren die Käufer einiger Zertifikate. So stieg das entsprechende Öl-Zertifikat von HSBC Trinkaus mit der Wertpapierkennnummer (WKN) TB7DNU seit Jahresanfang von 96 Euro auf nun 112 Euro. Das Zertifikat entwickelt sich in Euro so wie der Brent-Ölpreis in Dollar. Diese Währungsabsicherung für Euro-Anleger wird durch wechselnde Partizipationsraten am Ölpreis finanziert. In den vergangenen zweieinhalb Jahren beliefen sich die Kosten in der Summe auf knapp 10 Prozent.
Der Zertifikatebesitzer dieses endlos laufenden Zertifikats ist immer im nächstfälligen Terminkontrakt investiert, aktuell hat er also einen Lieferanspruch für April. Bevor es jedoch zu einer physischen Lieferung kommt, wird der Kontrakt verkauft und der Erlös in den darauffolgenden Kontrakt investiert. Hierbei entstehen derzeit Rollgewinne, da sich der Ölmarkt in einer als Backwardation bezeichneten Preiskonstellation befindet. Wer Öl heute kauft, zahlt dafür mehr, als wenn er sich heute eine Lieferung für die Zukunft sichert. Das Barrel mit Lieferung im Mai kostet 122 Dollar, im Dezember 117 Dollar. „Das heißt aber nicht, dass die Preise in den nächsten Monaten fallen müssen“, sagt Philip Knüppel, zuständig für börsengehandelte Rohstoffprodukte bei der Deutschen Bank. „Vielmehr ist es ein Zeichen von aktueller Öl-Knappheit. Die Leute brauchen das Öl heute und sind deswegen auch bereit, höhere Preise zu zahlen.“ Diese Knappheit führt Knüppel jedoch nicht auf eine hohe Nachfrage zurück, sondern auf Störungen auf der Angebotsseite. „Die Schließung der Straße von Hormus wäre wahrscheinlich für die Ölmärkte mit erheblichen Konsequenzen verbunden“, sagt Knüppel. „Die Situationen in Nigeria, dem Sudan und Irak wirken sich ebenfalls angebotsverknappend aus.“ Allein die jüngsten Auseinandersetzungen im Sudan haben nach Ansicht von Marktexperten zu Fördereinschränkungen von rund 400 000 Barrel am Tag geführt. Derzeit betrügen die offenen Kapazitäten, also jene Menge an Ölförderung, die schnell aktiviert werden kann, rund 2 Millionen Barrel am Tag, sagt Knüppel. „Das zeigt, wie eng der Markt derzeit ist.“
Wer deshalb weiter in den Ölmarkt investieren möchte, findet neben den klassischen Indexzertifikaten auch börsengehandelte Rohstoffprodukte (Exchange Traded Commodities, ETCs). Das entsprechende währungsgesicherte Produkt der Deutschen Bank mit der WKN A1AQGX ist im Gegensatz zu Zertifikaten zu 110 Prozent mit Gold hinterlegt. Auf den Wert des hinterlegten Goldes haben die Anleger im Insolvenzfall Anspruch. Die Gebühr für diese Sicherheit beträgt aktuell 0,1 Prozent, die gesamte Produktgebühr 0,45 Prozent.
Gleichwohl wurden zuletzt gerade von größeren institutionellen Anlegern vermehrt Spekulationen auf einen fallenden Ölpreis beobachtet. Angesichts der konjunkturellen Abschwächung in Asien und Europa gilt vielen der deutlich gestiegene Ölpreis mittlerweile als zu hoch. Wer als Anleger davon ausgeht, dass der Ölpreis zumindest nicht weiter deutlich steigt, kann mit einem Reverse-Bonus-Zertifikat der DZ Bank eine ansehnliche Rendite erzielen. Das Zertifikat mit der WKN DZ2X1G kostete am Montag gut 102 Euro. Steigt der Ölpreis bis zum Ende der Laufzeit im November 2013 nie auf mehr als 140 Dollar je Barrel, erhält der Anleger eine Auszahlung von 123,70 Euro je Zertifikat, also gut 21 Prozent mehr als der aktuelle Preis.
Sollte der Ölpreis entgegen der Erwartung des Anleger zwischenzeitlich auf mehr als 140 Dollar steigen, so orientiert sich die Auszahlung an der Entwicklung des Ölpreises bis zum Ende der Laufzeit. Liegt der Ölpreis dann auf 87,75 Dollar oder tiefer, kommen 123,70 Euro je Zertifikat zur Auszahlung. Beträgt der Ölpreis 115 Dollar, erhält der Anleger je Zertifikat 100 Euro. Bei einem Preis von 149 Dollar betrüge die Auszahlung jedoch nur gut 70 Euro je Zertifikat.
Bisschen dünn
Kurt Michler (Kurt.Michler)
- 06.03.2012, 16:59 Uhr
