Home
http://www.faz.net/-gv6-72dfg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Zertifikate und ETFs

Wohnungsmarkt Die große Angst vor der Blase

Die Wohnungspreise steigen wie noch nie. Viele fragen sich, wie lange das noch gutgeht. In den ersten Großstädten läuft der Markt heiß. Den großen Knall dürfte es hierzulande trotzdem nicht geben.

© Getty Vergrößern Die Immobilienpreise in Deutschland steigen. Und mancher raunt verschwörerisch, die große Immobilienblase, die sich da aufblähe, werde bestimmt bald platzen

Irgendeine dieser Geschichten hat im Moment jeder zu erzählen, wenn das Gespräch auf Immobilien kommt: Die Geschichte von Freunden, die fieberhaft nach einem Haus suchen - nur sei das ja mittlerweile unbezahlbar. Oder die von Bekannten, die gerade erst eine Wohnung kauften und sich schon über 30 Prozent Wertzuwachs freuen. Oder die vom Neubau um die Ecke, für den astronomische Preise aufgerufen würden, sonst hätte man ja selbst investiert.

Nadine Oberhuber Folgen:  

Die Immobilienpreise in Deutschland steigen und gehen in Orten wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt oder Köln bald durch die Decke. Seit 2010 legt der Markt jedes Jahr rund sieben Prozent zu - so viel Boom war beim Betongold selten. Und mancher raunt verschwörerisch, die große Immobilienblase, die sich da aufblähe, werde bestimmt bald platzen.

„Drei bis fünf Prozent Wertsteigerung pro Jahr allemal noch drin“

In Spanien, Großbritannien und Amerika, wo die Hauspreise einen gigantischen Auftrieb erlebten, habe es ja auch gekracht. Warum sollten also ausgerechnet wir verschont bleiben? Weil im deutschen Immobilienmarkt noch längst nicht so viel Luft drinsteckt, sagen Bewertungsexperten. Und weil die Kreditvergabe hierzulande viel strenger ist. Alle, die demnächst in ein Eigenheim investieren möchten, müssen also stark sein: „Die Preise werden weiter steigen“, sagt Reiner Braun vom Beratungsinstitut Empirica, das sich auf die Immobilien spezialisiert hat, „zumindest in den kommenden fünf Jahren.“

Infografik / Der Aufwärtsdrang am Immobilienmarkt © F.A.Z. Bilderstrecke 

Damit rechnet auch Tobias Just, Professor für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg: Drei bis fünf Prozent Wertsteigerung pro Jahr seien allemal noch drin, sagt er, also noch mal 30 Prozent in den Großstädten: „Das ist aber noch längst keine Blase, deshalb wird da auch nichts platzen.“

Mehr zum Thema

Was Analysten so sicher macht, ist das Verhältnis von Immobilienpreisen zu Mieten und Einkommen. Diese Zahlen ergeben den Erschwinglichkeitsindex, der besagt, wie leicht oder schwer es für Normalbürger ist, Wohneigentum zu kaufen und zu finanzieren. Langfristig liegt dieser Index bei 100 Punkten, das ist die Marke, um die er schwankt.

Immer nur der landesweite Durchschnitt

Das bedeutet: In der Regel steigen die Gehälter, die Mieten und auch die Immobilienpreise im gleichen Ausmaß. In Ländern wie Spanien und Großbritannien allerdings lag der Index laut Berechnungen von Deutsche Bank Research zuletzt bei 160 Punkten. Häuser waren deutlich überteuert. Auch in Belgien, Frankreich und den Niederlanden gelten die Märkte als heißgelaufen.

In Deutschland dagegen ist der Index seit 1995 stetig gesunken, auf aktuell 80 Punkte. Das liegt einerseits an den leicht sinkenden Hauspreisen im Vergleich zu den steigenden Einkommen. Und andererseits an den Minizinsen, die Käufer für Immobilienkredite zahlen. Sie können sich derzeit so günstig ein Haus zulegen wie noch nie. Selbst wenn die Kaufpreise hierzulande pro Jahr um fünf Prozent zulegten, hätte Deutschland erst 2020 wieder einen Erschwinglichkeitsindexwert von 100 Punkten erreicht. Also das Normalmaß.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Magere Renditen Jeder dritte Vermieter macht mit Immobilie Verlust

Viele Anleger stecken ihr Geld in ein Haus oder eine Eigentumswohnung. Das ist sicher und bringt Rendite, denken sie. Doch für Millionen Deutsche geht das Kalkül nicht auf, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt. Mehr

17.09.2014, 13:36 Uhr | Finanzen
Mit neuem Eigner in ungewisse Zukunft

Der bisherige Eigentümer Berggruen zieht sich nach Verlusten und Umsatzrückgängen zurück und übergibt an den österreichischen Immobilien-Investor Benko. Mehr

15.08.2014, 16:21 Uhr | Wirtschaft
Deutschland-Plan So wollen Mieter und Vermieter das Wohnen günstiger machen

Die Mieten in Ballungsräumen sind mittlerweile ganz schön hoch. Nicht nur arme Menschen können sich das immer schwerer leisten. Ein Bündnis aus Vermietern und Mietern macht einen Vorschlag, wie sich das ändern könnte. Mehr

10.09.2014, 15:09 Uhr | Wirtschaft
Roma-Bürgermeister krempelt Dorf um

Ungarische Medien sprechen vom "Wunder von Cserdi": In dem kleinen Dorf im Süden Ungarns, in dem viele Roma wohnen, herrschte vor wenigen Jahren eine Arbeitslosigkeit von fast 100 Prozent; die Kriminalitätsrate war hoch. Mittlerweile zeigt sich in Cserdi ein ganz anderes Bild - dank der unkonventionellen Methoden eines ungewöhnlichen Bürgermeisters. Mehr

19.09.2014, 15:05 Uhr | Gesellschaft
New York Wo der Parkplatz eine Million kostet

New York ist ein Magnet für Superreiche aus aller Welt. Jeder will ein Stück vom Big Apple besitzen, koste es, was es wolle. Boom oder Blase - wie heißgelaufen ist Manhattans Immobilienmarkt? Mehr

18.09.2014, 10:10 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.08.2012, 11:18 Uhr

EU-Urteil Fluggesellschaften dürfen Gepäckgebühren verlangen

Fluggäste müssen für ihr aufgegebenes Gepäck bei einigen Billigflug-Anbietern auch weiterhin Gebühren bezahlen. Der Europäische Gerichtshof urteilte am Donnerstag, dass einzelne EU-Länder diese Aufschläge nicht verbieten dürfen. Mehr 9 2

Wertpapiersuche