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Steigende Immobilienpreise : Wie wird Wohnen billiger?

Neubau-Wohnungen entstehen auf einer Baustelle in Berlin-Kreuzberg Bild: dpa

Die Mieten und Immobilienpreise steigen seit Jahren kräftig. Viele Menschen können sich das Leben in Großstädten nicht mehr leisten. Aber es gibt viele Ideen, wie es besser gehen könnte. Wir haben sie überprüft.

          Mehr sozialer Wohnungsbau

          Wie  ist das gemeint?

          Christoph Schäfer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Grundidee des sozialen Wohnungsbaus ist, dass der Staat die Entstehung günstiger Wohnungen direkt bezuschusst oder sie über kommunale Wohnungsgesellschaften gleich selbst baut. Im Gegenzug müssen die Vermieter akzeptieren, dass sie nicht viel Miete nehmen dürfen. Diese sogenannte Mietpreisbindung gilt für mindestens 15 Jahre, manchmal sogar 40 Jahre. Auch nachdem die Bindung ausgelaufen ist, bleibt die Miete für die Bestandsmieter noch lange moderat, da Mieterhöhungen gesetzlich gedeckelt sind. Während der Mietpreisbindung dürfen die Wohnungen nur an Menschen mit einem „Wohnberechtigungsschein“ vermietet werden. Sie sind somit Menschen mit geringem Einkommen vorbehalten. In der Praxis gibt es viele Modelle, wie der Staat den Bau neuer Wohnungen konkret subventioniert. Mal gewährt er den Bauherren extrem billige Kredite, mal zahlt er für jeden Quadratmeter und Monat direkte Zuschüsse, mal verkauft er städtische Grundstücke deutlich unter Marktwert. Die Blütezeit des sozialen Wohnungsbaus begann nach dem Zweiten Weltkrieg und reichte bis in die sechziger Jahre. Aktuell gibt es noch etwa 1,3 Millionen Wohnungen mit Mietpreisbindung. Die kommende Bundesregierung plant, 2020/2021 mindestens zwei Milliarden Euro in den sozialen Wohnungsbau zu investieren.

          Wird Wohnen dadurch billiger?

          Ja, aber nur für diejenigen, die in eine Sozialwohnung einziehen können. Das sind relativ wenige Menschen, die ein paar Jahre nach dem Einzug oft auch nicht mehr bedürftig sind. Auch leidet der soziale Wohnungsbau darunter, dass er wegen der Konzentration von Bedürftigen in Gebäuden und Wohnblocks zu sozialen Problemen führt. Außerdem ist er ein sehr teures Mittel der Wohnungsbauförderung.

          Mehr Bauland in Großstädten

          Wie ist das gemeint?

          Ein Hauptproblem des Immobilienmarktes ist, dass es in Großstädten nicht genug Flächen gibt, um neue Wohnungen bauen zu können. Das könnte geändert werden, indem „nachverdichtet“ wird, wie die Experten es nennen. Das heißt, brachliegende innerstädtische Industrieflächen werden zum Hausbau genutzt. Oder bestehende Immobilien werden um ein paar Stockwerke aufgestockt. Oder ganz neue Stadtviertel entstehen auf Ackerflächen am Stadtrand. Die große Koalition will nachhelfen, indem sie eine Grundsteuer C einführt. Sie soll unbebaute Flächen besonders hoch besteuern und somit Anreize liefern, Wohnungen zu bauen. Sie will auch bundeseigene Liegenschaften kostengünstig an Kommunen abgeben

          Wird Wohnen dadurch billiger?

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