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Wohl keine Zinserhöhungen Die Bank of England reagiert auf Kritik

05.09.2007 ·  Die EZB und die Bank of England könnten auf ihre jeweils noch vor Wochen erwogenen Zinserhöhungen verzichten. „Die Krise liegt nicht an mangelnder Zentralbank-Liquidität“, verkündete derweil die englische Notenbank.

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Die anhaltende Zurückhaltung der Banken, sich gegenseitig Kredite zu gewähren, und die angespannte Lage an den Märkten für Kreditverbriefungen dürften die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England zu einer vorläufigen Anpassung ihrer Zinspolitik bewegen. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass beide Notenbanken auf ihren geldpolitischen Sitzungen an diesem Donnerstag auf ihre jeweils noch vor Wochen erwogenen Zinserhöhungen verzichten und sich abwartend verhalten werden.

Die Bank of England kündigte am Mittwoch zudem an, dem Bankensystem in London mehr Zentralbankgeld bereitstellen zu wollen. Sie erhöhte die Mindestreserve-Verpflichtung der Banken um 6 Prozent auf 17,6 Milliarden Pfund. Die zusätzlichen Mittel sollen am Donnerstag über Offenmarktoperationen zum Zins von 5,75 Prozent an den Markt gegeben werden.

Höchster Stand seit achteinhalb Jahren

Die Zentralbank reagiert damit auf die außergewöhnlich hohen Interbanken-Tagesgeldzinsen, die Anfang der Woche auf 6,24 Prozent und damit weit über den Leitzins von 5,75 Prozent geklettert sind. Dies drückt extreme Skepsis der Banken im Finanzierungsgeschäft untereinander aus. Sollte der Tagesgeldzins den Leitzins in den nächsten Tagen immer noch deutlich übersteigen, will die Notenbank am 13. September nochmals zusätzliche Liquidität in Höhe von bis zu 25 Prozent der Gesamt-Mindestreserve bereitstellen.

Wie sehr die Banken um Liquidität ringen, zeigt sich derzeit an allen Geldmarktsätzen im Interbankenmarkt. Am Mittwoch stieg der Satz, zu dem sich die Banken in London auf drei Monate gegenseitig Geld ausleihen (Sterling Libor), mit 6,8 Prozent auf den höchsten Stand seit achteinhalb Jahren. Auch der Euro- und der Dollar-Zins für Dreimonatsgeld sind seit Ausbruch der Krise kräftig gestiegen (siehe Graphik).

Die Notenbank verteidigt sich

Die Bank of England betonte am Mittwoch, die Zinsen am Internbankenmarkt seien seit dem 9. August auf allen Märkten drastisch gestiegen. Dies liege an der Schwierigkeit der Finanzmärkte, forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) zu bewerten. Dies habe auch zu weniger Liquidität am Geldmarkt geführt. „Der Grund für die Probleme ist also nicht ein Mangel an Zentralbank-Liquidität“, verteidigte sich die Notenbank.

Die Zentralbank reagierte mit ihrer ungewöhnlichen Stellungnahme auf Kritik an ihre bisherige Zurückhaltung in der Krise. Im Gegensatz zur amerikanischen Notenbank Federal Reserve und der EZB hatte sich die Bank of England demonstrativ mit Hilfsmaßnahmen am Geldmarkt zurückgehalten. In der Londoner City wurde dies zunächst als Fingerzeig der Notenbank verstanden, für die Banken nicht in die Bresche springen zu wollen.

Die Untätigkeit stieß auf Unmut

Der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, hatte vor Ausbruch der Krise gewarnt, Marktteilnehmer sollten nicht jedes Produkt, auf dem der Bonitätsstempel eines „AAA“ stehe, wie „guten Wein“ genießen. Die Investoren sollten vorsichtig sein, denn so manche Flasche Wein mit vermeintlich gutem Etikett enttäusche letztlich mit schalem Geschmack. „Die Aufgabe der Notenbankpolitik ist es nicht, Investoren vor den Konsequenzen ihrer früher unklugen Anlageentscheidungen zu bewahren“, warnte King.

Doch die Untätigkeit der Bank of England stieß zunehmend auf Unmut. Am Wochenende warnte Bob Diamond, der Präsident der britischen Großbank Barclays, es müssten mehr Wege gefunden werden, das System mit kurzfristiger Liquidität zu versorgen. Diamond verwies auf die „wohldurchdachten Schritten der EZB und der Federal Reserve“, erwähnte die Bank von England hingegen nicht. Als bisher einzige Bank hat Barclays in dieser Krise die Notkreditlinie (Standing Facility) der Bank of England genutzt.

Vergangene Woche nahm Barclays zu 6,75 Prozent 1,6 Milliarden Pfund auf, erklärte dies jedoch als technische Maßnahme. Bei der Bank of England können sich Banken im Falle eines Liquiditätsengpasses in unbegrenzter Höhe refinanzieren, müssen dafür jedoch einen um 100 Basispunkte über dem Leitzins liegenden Strafzins zahlen.

Quelle: bes., F.A.Z., 06.09.2007, Nr. 207 / Seite 23
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