17.09.2004 · Die wegen Justizbehinderung in Zusammenhang mit dubiosen Aktiengeschäften verurteilte Lifestyle-Unternehmerin Stewart will ihre fünfmonatige Haftstrafe sofort antreten und nicht auf das Resultat des Berufungsverfahrens warten.
Von Norbert KulsMartha Stewart hat ihren Humor noch nicht verloren. Auf einer Pressekonferenz in dieser Woche berichtete die wegen Justizbehinderung in Zusammenhang mit dubiosen Aktiengeschäften zu jeweils fünf Monaten Gefängnis und Hausarrest verurteilte Lifestyle-Unternehmerin, wie sie kürzlich ein paar Geschäftsleute in New York auf der Straße erkannt hätten: "Was, sie ist schon wieder draußen?" hätten sich die gutangezogenen Männer überrascht gefragt, erzählte Stewart. Der Witz an der Sache ist natürlich, daß Stewart die Haftstrafe noch gar nicht angetreten hatte, weil sie bis zum Ende ihres laufenden Berufungsverfahrens auf freiem Fuß sein darf.
Das will sie jetzt aber ändern. Stewart will ihre Haftstrafe sofort antreten und nicht auf das Resultat des Berufungsverfahrens warten. Damit würde sie rechtzeitig wieder entlassen, um im Frühjahr einen Garten pflanzen zu können, sagte Stewart. Das scheint eine überzeugende Begründung für eine Frau, die mit Tips rund um den Haushalt ein kleines Medienimperium aufgebaut hat. Getrieben wurde die Entscheidung aber wohl stärker von der Sorge um das Unternehmen Martha Stewart Living Omnimedia. Rückläufige Werbeeinnahmen wegen des Gerichtsverfahrens hatten zu Verlusten geführt. Ein rasches Ende der Angelegenheit dürfte nun die Unsicherheit beenden, die die Käufer von Anzeigen und Werbespots bisher zur Zurückhaltung bewogen hatte.
Massive Bilanzfälschung
Im Vergleich zu den anderen Personen, die zu Aushängeschildern für die jüngsten Skandale an der Wall Street geworden waren, ist die Entscheidung von Stewart dennoch ungewöhnlich. Es ist kaum vorstellbar, daß der ebenfalls jüngst wegen Justizbehinderung zu 18 Monaten Gefängnis verurteilte ehemalige Star-Investmentbanker Frank Quattrone darauf drängt, seine Gefängnisstrafe abzusitzen. Quattrone hatte vielmehr versucht, den Antritt seiner Strafe bis zu einer Entscheidung über seinen Berufungsantrag hinauszuzögern. Sein Richter hatte allerdings entsprechende Anträge seiner Anwälte zurückgewiesen.
Unterdessen versuchen die Anwälte der unbestritten größten Wall-Street-Skandalfiguren der vergangenen Jahre, die noch anstehenden Gerichtsverfahren hinauszuzögern. Der Prozeß gegen den Gründer und ehemaligen Vorstandschef des Telefonkonzerns Worldcom, Bernard Ebbers, ist für Anfang November geplant. Seine Anwälte wollen den Beginn jedoch auf Februar 2005 verschieben. Ebbers, dem wegen der massiven Bilanzfälschung bei Worldcom Wertpapierbetrug und Verschwörung vorgeworfen werden, droht eine mehrjährige Haftstrafe. Ebbers hat sich für unschuldig erklärt und verbringt seine Zeit damit, seine Reisfarm zu führen und in der Baptistenkirche an seinem Heimatort in Mississippi Sonntagsschule zu unterrichten. Der Druck auf Ebbers ist gewachsen, seit der frühere Worldcom-Finanzchef Scott Sullivan mit der Staatsanwaltschaft kooperiert.
Kooperation mit Behörden
Die beiden ehemaligen Vorstandschefs des Energiekonzerns Enron, Kenneth Lay und Jeffrey Skilling, warten ebenfalls noch auf ihren Prozeß wegen Bilanzbetrugs. Der frühere Enron-Finanzchef Andrew Fastow ist bereits zu einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren verurteilt worden und kooperiert wie Sullivan mit den Behörden. Von Lay ist kaum etwas zu hören. Skilling ist aber kürzlich aufgefallen, weil er nachts in Manhattan Barbesuchern vorgehalten hatte, sie seien FBI-Agenten und würden ihn verfolgen. Skilling wurde schließlich an der noblen Park Avenue aufgegriffen und in trunkenem Zustand in ein Krankenhaus eingeliefert.
Martha Stewart zeigte mehr Fassung. "Ich werde meine Haustiere vermissen", sagte sie auf der Pressekonferenz. Dabei handelt es sich um zwei Hunde, sieben Katzen, einige Kanarienvögel, Pferde und Hühner, wie sie ausführte. Aber Stewart scheint dennoch das beste aus der prekären Lage machen zu wollen - sie will im Gefängnis an einem Programm teilnehmen, um Blindenhunde auszubilden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |