15.09.2006 · Auch in London ist der Insider-Handel verboten, doch offenbar schert sich kaum jemand darum. Die britische Finanzaufsicht (FSA) bittet die Banken um Hilfe. Doch die wollen nicht petzen und damit ihre Kunden vergraulen.
Insider-Handel ist verboten - auch in der Londoner City. Trotzdem räumt die dortige Finanzaufsicht Financial Services Authority (FSA) ein, daß sich die Marktteilnehmer offenbar herzlich wenig um das Verbot scheren.
Im Gegenteil: Genaue Aktienkursanalysen vor verkündeten Übernahmen zeigen sogar, daß der Insider-Handel in der City zunimmt. Seit dem vergangenen Jahr hilft die FSA den Marktteilnehmern nun, den verbotenen Transaktionen auf die Schliche zu kommen. Es gibt sogar eine „Helpline“ für mißtrauische Makler und Banker, die über Insider-Geschäfte ihrer Kunden stolpern und bei der Finanzaufsicht um Rat nachfragen wollen.
Gerne sähe es die FSA, wenn die Banker ihr die Handelsgeschäfte der Übeltäter melden würden - in Form sogenannter „suspicious transaction reports“. Aber viele von ihnen wollen nicht petzen, weil sie damit eine gute Kundenbeziehung vergraulen könnten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß die FSA nur 200 Meldungen im Jahr erhält - bei Tausenden von Transaktionen in der Londoner City am Tag.
Der Makler lieferte ein abgehörtes Telefongespräch
Manche Makler sind brav und melden Insider-Handel, der allzu auffällig ist. Die FSA beschreibt einige dieser allzu offensichtlichen Fälle, in denen Mitarbeiter von Unternehmen streng vertrauliche Informationen zu Handelsgeschäften genutzt haben.
So ruft zum Beispiel ein Kunde einen Makler 15 Minuten vor Handelsschluß an und drängt auf den Kauf einer bestimmten Unternehmensaktie, sagt aber gleichzeitig, daß am nächsten Morgen eine wichtige Ankündigung des Unternehmens folgen wird. Er erzählt die Details der bevorstehenden Ankündigung. Tatsächlich folgt am nächsten Tag eine wichtige positive Mitteilung des Unternehmens, und der Kunde kassiert den Kursgewinn.
Hinter den Kulissen jedoch meldet der Makler die Transaktion einer internen Prüfstelle, die herausfindet, daß der Kunde für das Unternehmen arbeitet. „Der Makler hat uns den Fall dann gemeldet - komplett mit abgehörten Bändern des Telefongesprächs“, lobt die FSA.
Viele Banken sind aber stoisch
In einem anderen Fall gibt ein Kunde einem Makler den Auftrag, eine umfangreiche Position von Aktien möglichst schnell zu verkaufen - im Zweifel sogar zu einem Kurs von 13 bis 14 Prozent unter dem aktuellen Aktienkurs. Eine Stunde später kommt das betreffende Unternehmen mit einer Gewinnwarnung heraus. Die E-Mail-Adresse des Kunden verrät, daß er für diese Gesellschaft arbeitet. Sein Fall wird der Finanzaufsicht gemeldet.
Die FSA verweist lobend auf Makler, die ihrem Aufruf folgen: „Wir haben mehrere Meldungen von Insider-Geschäften erhalten, wo Kunden dem Makler am Telefon von bevorstehenden Unternehmensankündigungen erzählt haben. In diesen Fällen ist es hilfreich, wenn wir die Bänder der abgehörten Telefongespräche so schnell wie möglich erhalten.“
Schließlich werden in der Londoner City fast alle Gespräche mit Kunden von den Banken aufgezeichnet, um im Zweifel Unstimmigkeiten bei Transaktionen im nachhinein klären zu können. Viele Banken sind aber stoisch und reagieren nicht auf die Bitten der FSA. Diese wiederum ist mißtrauisch geworden, weil einige Makler und Banken offenbar niemals Kunden bei Insider-Transaktionen erwischen. Jetzt will die FSA eine Liste aller Banken und Makler erstellen, die auffallen, weil sie Insider-Geschäften offenbar nie auf die Schliche kommen.
Auf derivative Kreditprodukte ausgewichen
Dies wird freilich immer schwerer. Die Aufsicht vermutet selbst, daß die wirklichen Scharlatane längst auf den Markt für derivative Kreditprodukte ausgewichen sind. Dieser Handel ist - anders als der Aktienhandel über Börsen - weniger reguliert, weniger transparent und daher für Insider-Geschäfte viel besser geeignet. Wer kann schon nachvollziehen, ob Marktteilnehmer wie Hedge-Fonds im Vorfeld einer Anleiheplazierung von einer Konsortialbank angesprochen wurden und interne Details des Emittenten erhalten?
Auf die Füße treten will die britische Finanzaufsicht Marktteilnehmern wie Hedge-Fonds allerdings nicht. Schließlich rühmt sich die FSA der besonders lockeren Regulierung des Finanzplatzes London und freut sich über den Zulauf an Hedge-Fonds, die diesen Wettbewerbsvorteil nutzen. Und so räumt die FSA ein, daß einige Fälle dubioser Geschäfte natürlich auch rechtlich einwandfrei sein könnten, wenn es sich zum Beispiel um die Absicherung einer Handelsposition handele.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,63 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |