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Wirtschafts-Nobelpreisträger Eugene Fama : „Der Markt ist rational, das glaube ich immer noch“

  • Aktualisiert am

Eugene Fama bekommt zusammen mit Robert Shiller und Lars Peter Hansen den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen Bild: Reuters

Der Ökonom Eugene Fama bekommt am Dienstag den Nobelpreis. Seine Vorstellung, dass Märkte effizient sind, halten Gegner für einen der größten Fehler der Ökonomie. Ein Interview.

          Herr Fama, am Dienstag bekommen Sie den Nobelpreis, heute halten Sie Ihre Nobel-Vorlesung. Worauf freuen Sie sich mehr?

          Auf den Dienstag natürlich, das ist weniger Arbeit. Da gibt es den Preis, ein Bankett, das Treffen mit dem König und der Königin.

          Aber heute findet das intellektuelle Duell statt. Sie bekommen den Preis ja zusammen mit Robert Shiller, Ihrem intellektuellen Gegner. Wer darf als Erstes sprechen?

          Das geht glücklicherweise nach Alter, deshalb rede ich zuerst. Aber ich glaube nicht, dass es ein Duell wird. Robert Shiller und ich sind uns einig über die Fakten, wir interpretieren sie nur unterschiedlich. Das sagen wir übrigens beide.

          Shiller sagt, die von Ihnen entwickelte Vorstellung, dass Märkte effizient sind, sei einer der größten Irrtümer in der Geschichte des ökonomischen Denkens.

          Da hat er unrecht. Die Idee hat Berge von Forschung nach sich gezogen, die dafür gesorgt haben, dass wir die Märkte besser verstehen. Nach diesem Kriterium ist sie ein großer Erfolg, dagegen kann keiner etwas sagen.

          Das war sie zweifellos. Aber seit der Finanzkrise glauben viele nicht mehr daran. Sie bleiben dabei?

          Ja. Der Markt ist rational, das glaube ich noch immer. Preise an Finanzmärkten spiegeln stets die verfügbaren Informationen wider.

          Es gibt keine irrationalen Preisübertreibungen?

          Korrekt. Ich glaube nicht an Blasen. Hier sind die Fakten zum Thema Blasen: Blasen beinhalten, dass Preise hochgehen und dass man vorhersehen kann, wann sie wieder heruntergehen. Aber Leute haben versucht zu prognostizieren, wann die Preise wieder heruntergehen. Und es gibt keinen Beweis, dass sie es können. Sie alle können also über Blasen reden, aber es gibt keinen Beweis, dass sie existieren. Deshalb mag ich das Wort Blase nicht.

          Das ist, als würden Sie sagen, es gibt keine Erdbeben, weil Sie sie nicht vorhersehen können. Man erkennt ein Erdbeben doch, wenn es da ist.

          Wenn Sie es eine Blase nennen wollen, wenn Preise erst hochgehen und dann runtergehen, dann haben Sie recht. Doch die Leute, die das Konzept von Blasen verwenden, sagen, dass man sie vorhersehen und verhindern kann. Das ist etwas anderes. Daran glaube ich ganz und gar nicht.

          Wenn es keine Blasen gibt und keine irrationalen Übertreibungen: Wieso steigen und fallen Preise dann manchmal so extrem?

          Es geht um Angebot und Nachfrage. Sie bestimmen, wo die Preise sich hinbewegen. Die Finanzkrise beispielsweise wurde ausgelöst durch eine riesige Rezession. Deshalb haben die Leute ihre Häuser nicht mehr abbezahlt, deshalb sind die Banken in die Krise gekommen. Keiner hat diese Rezession vorhergesehen.

          Ich dachte, es sei andersherum: Die Rezession wurde durch die vielen faulen Kredite ausgelöst?

          Wieso sollten die Menschen aufhören, ihre Häuser abzubezahlen, wenn es ihnen doch gutgeht? Das ist unlogisch. Die Leute erzählen gerne Geschichten, aber man sollte ihnen nicht alles glauben.

          Nehmen wir ein aktuelles Beispiel. Wie erklären Sie sich, dass die Preise für Häuser in Deutschland derzeit so rasant steigen?

          Ich kenne mich am deutschen Immobilienmarkt nicht aus. Aber am Ende geht es, wie gesagt, immer um Angebot und Nachfrage. Die Preissteigerungen bedeuten, dass es eine sehr starke Nachfrage nach Häusern gibt, die viel schneller wächst als das Angebot. Es kann sein, dass aus institutionellen Gründen in Deutschland zu wenig gebaut wird, also das Angebot hinterherhinkt. Oder die Nachfrage ist schlicht explodiert.

          Wieso sollte sie? Ist es nicht irrational, wenn die Leute auf einmal mehr Häuser haben wollen?

          Wieso? Deutschland ist nicht so stark von der Finanzkrise getroffen worden wie etwa Amerika. Die Rezession war nicht so schlimm. Wenn die Wirtschaft wächst und die Leute Geld haben, steigt die Nachfrage. Das ist doch ganz normal, mit Irrationalität hat das nichts zu tun.

          Und was, wenn die Preise in zwei Jahren abrupt fallen. Ist dann die Nachfrage eingebrochen?

          Genau, zum Beispiel wenn die Wirtschaft einbricht.

          Was ist mit den Zentralbanken? Ist ihr billiges Geld nicht auch verantwortlich für Preisblasen?

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