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Währungskrise : Wie groß ist das Schuldenproblem der Türkei?

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Die Touristen kommen jedenfalls wieder, auch nach Alanya. Bild: Reuters

Die türkische Lira fällt und fällt, die Kurse der Bankaktien sinken ebenfalls. Wie schlimm ist es wirklich? Zahlen der türkischen Notenbank geben Hinweise.

          Der Kurs der türkischen Lira fällt und fällt – neue Maßnahmen der Notenbankführung können das bislang nicht verhindern. Spätestens seit dem vergangenen Freitag macht immer wieder die Sorge vor einer Währungskrise oder gar einer Finanzkrise des Landes die Runde, zumal sich auch politisch der Tonfall verschärft: Die Vereinigten Staaten haben gegen zwei türkische Minister Sanktionen verhängt, Washington fordert Ankara auf, den amerikanischen Pastor Andrew Brunson freizulassen, Präsident Donald Trump erhöhte den Druck über den Kurznachrichtendienst Twitter und durch neue Zölle. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan droht seinerseits der mächtigen Nato-Führungsmacht.

          Fachleute fragen sich seither, wie schlimm es um das Land wirklich steht. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman etwa, der sich wie wenige andere mit Schuldenkrisen auskennt, zieht schon einen Vergleich zur asiatischen Finanzkrise in den neunziger Jahren. Er verweist auf die Schulden, die türkische Industrieunternehmen und Banken im Ausland aufgenommen haben, in ausländischer Währung, in Dollar oder Euro. Genau das ist der aktuelle Kern der Angst. Denn Devisen kann die Türkei im Gegensatz zu ihrer eigenen Währung nicht selbst herstellen. Müssen türkische Schuldner in Dollar oder Euro tilgen, müssen sie sich diese Mittel irgendwo anders beschaffen, im Ausland eben.

          Schaffen sie das? Um diese Frage zu beantworten, müsste bekannt sein, wie groß das Problem ist – wie viele Schulden haben türkische Unternehmen im Ausland? Wann sind sie fällig? Stecken dahinter klassische Bankkredite? Oder handelbare Schuldtitel wie beispielsweise Geldmarktpapiere? Und wer sind die Gläubiger?

          Viel mehr Schulden als vor zehn Jahren

          Wer behauptet, die Türkei befinde sich in einer ernsten Finanzkrise, muss eigentlich solche Zahlen haben. Wer wiederum meint, dass die Gefahr nicht so groß ist, muss ebenfalls Antworten auf diese Fragen haben. Teil des Problems ist nun: Niemand weiß es ganz genau, zumindest geht all das aus den offiziellen Zahlen nicht hervor. Was es gibt, das sind Statistiken der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die als solide gelten. Sie deuten darauf hin, dass gerade spanische und italienische Banken Kredite in die Türkei vergeben haben.

          Hinweise gibt es andererseits aus dem offiziellen Zahlenwerk der türkischen Notenbank. Die Währungshüter veröffentlichen sie regelmäßig. Danach steht das Land (damit sind der türkische Staat, private Unternehmen und Haushalte gemeint) heute viel höher in der Kreide als noch vor zehn Jahren: Am Endes des ersten Jahresviertels waren es beinahe 682 Milliarden Dollar – verglichen mit 431 Milliarden Dollar im ersten Quartal des Jahres 2008. Ein veritabler Anstieg.

          Für sich genommen ist diese Zahl allerdings noch kein großes Problem. Denn darin enthalten sind viele einzelne Posten und auch solche, die derzeit nicht bedrohlich scheinen. Die sogenannten ausländischen Direktinvestitionen etwa, hinter denen zum Beispiel die Fabrik eines deutschen, türkischen oder amerikanischen Konzerns in der Türkei stecken oder eine Tochtergesellschaft. Sie stehen derzeit für ungefähr 170 Milliarden Dollar und sollten von den Währungskursverlusten nicht betroffen sein: Solche Investitionen sind meist langfristiger, strategischer Natur, das sind keine Mittel, die Ausländer zeitnah abziehen. Sie stehen aber als Verbindlichkeit in der Statistik, weil sie einen solchen Charakter haben: Das ist ausländisches Eigentum in der Türkei.

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