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Konflikt mit Saudi-Arabien : Wie der verschwundene Journalist die Märkte trifft

Der Konflikt um einen möglicherweise getöten Journalisten trifft die Wirtschaft Saudi-Arabiens – unter anderem die Börse in Riad. Bild: AP

Trump droht nach dem Verschwinden des Journalisten Khashoggi mit Sanktionen. Der Ölpreis steigt, an der Börse wird es turbulent. Auch der größte Technologie-Investor der Welt und amerikanische Unternehmenschefs sind betroffen.

          Der Konflikt um Saudi-Arabien beschäftigt die Finanzmärkte und zieht immer weitere Kreise. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte dem Land am Sonntag als Reaktion auf das Verschwinden des Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat Saudi-Arabiens mit Sanktionen gedroht.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das nährte Spekulationen, die Spannungen zwischen beiden Ländern könnten sich verschärfen, ausländische Investoren könnten ihr Geld abziehen, und es könnte Auswirkungen auf die Ölexporte des Landes geben. Daraufhin legte der Ölpreis zum Wochenbeginn deutlich zu: Die Nordseesorte Brent verteuerte sich am Montag um fast 2 Prozent auf 81,92 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter).

          Die Börse in Riad, der Hauptstadt von Saudi-Arabien, fuhr unterdessen Achterbahn. Der saudiarabische Aktienindex Tasi („Tadawul All Share Index“) hatte am Sonntag zeitweise 7 Prozent nachgegeben und 3,5 Prozent tiefer geschlossen. Am Montag stand er dann zeitweise rund 4 Prozent im Plus. Die saudiarabische Währung Saudi Riyal stürzte auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren und auch die Anleihenkurse gaben nach. Der Handel am Markt für Devisen-Termingeschäfte deutete darauf hin, dass einige Banken sich gegen das Risiko von Kapitalabflüssen aus Saudi-Arabien absichern.

          Auswirkungen bis nach Japan

          Der Konflikt hatte Auswirkungen auch auf den größten Technologie-Investor der Welt, die japanische Softbank: Der Aktienkurs gab am Montag zeitweise um fast 8 Prozent nach. Der Hintergrund: Saudi-Arabien gehört zu den wichtigen Geldgebern für den 100 Milliarden-Dollar schweren „Vision Fund“ von Softbank-Gründer Masayoshi Son. Dahinter steht die Strategie des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, das Land für die Zukunft unabhängiger vom Öl zu machen.

          Der „Vision Fund“ investiert in Unternehmen, die mit Technologie, dem Internet und Künstlicher Intelligenz zu tun haben. Er engagiert sich beispielsweise beim Thema fahrerloses Fahren und bei Internet-Taxidiensten. In Deutschland hat er Geld in den erfolgreichen Online-Gebrauchtwagenhändler Auto 1 gesteckt und förderte das Büro-Unternehmen Wework. Börsianer fürchteten, wenn sich die Konflikte zwischen Amerika und Saudi-Arabien verschärften, könnte die Strategie dieses wichtigen Fonds beeinträchtigt werden.

          Beunruhigte Investoren

          Auch die Aktienmärkte insgesamt wurden in Mitleidenschaft gezogen. Der höhere Ölpreis ließ zwar die Kurse einiger Ölunternehmen wie Total (plus 0,9 Prozent) steigen, im Gegenzug sanken die Kurse von Fluggesellschaften wie der Lufthansa (minus 3,5 Prozent). An der Börse wächst die Sorge, der hohe Ölpreis könnte sich zu einem weiteren Belastungsfaktor entwickeln. Die zunehmenden Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Amerika beunruhigten offenbar viele Investoren. In Amerika eröffneten die Börsen verhalten – die großen Indizes Dow Jones Industrial und S&P 500 bewegten sich im frühen Handel kaum.

          Wie ernst die Folgen sein werden, hänge davon ab, was jetzt passiere, meinte Eugen Weinberg, Ölfachmann der Commerzbank: Eigentlich seien die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien aufeinander angewiesen – ob bei der Terrorbekämpfung, im internationalen Ölhandel oder bei Rüstungsaufträgen.

          „Man wird sehen müssen, wie die Konsequenzen für Saudi-Arabien sein werden, wenn sich die Gerüchte um den Mord am Journalisten im saudischen Konsulat in der Türkei bestätigen werden“, sagte Weinberg. Wenn man berücksichtige, dass das Land der größte Ölexporteur und der mit Abstand wichtigste Spieler in der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) sei, seien die möglichen Konsequenzen für den Ölmarkt „nicht von der Hand zu weisen“.

          Wirtschaftsbosse sagen Treffen in Saudi-Arabien ab

          Volkswirte nannten die Entwicklung „beunruhigend“: „Mit der jüngsten Verwicklung Saudi-Arabiens in die Affäre um den ermordeten Journalisten Khashoggi haben womöglich weitere geopolitische Auseinandersetzungen begonnen“, sagte Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der Dekabank.

          Dabei stünden die Finanzmärkte des Königreichs weniger im Zentrum. Kursrückgänge an der Börse in Riad spiegelten das Risiko von Sanktionen gegenüber dem Land oder auch eines Führungswechsels an der Spitze Saudi-Arabiens und damit ein Ende der wirtschaftspolitischen Impulse des noch relativ kurz im Amt befindlichen Kronprinzen. „Für die Weltwirtschaft wird jedoch bedeutsamer sein, ob diese Entwicklungen sich in einer weiteren Destabilisierung der Region Naher Osten auswirkt oder ob im Zuge von Sanktionen und Gegensanktionen der Ölexport Saudi-Arabiens eine Rolle spielen könnte.“

          Nach längerer Zurückhaltung in dem Fall hatte Trump am Wochenende den Ton gegenüber Saudi-Arabien verschärft und gemahnt, das Land müsse mit einer „schweren Bestrafung“ rechnen, wenn Khashoggi von einem saudischen Kommando getötet worden sein sollte. Saudi-Arabien war daraufhin seinerseits auf Konfrontation zu den Vereinigten Staaten gegangen. Mehrere Vertreter amerikanischer Unternehmen von JP Morgan über Ford bis Uber hatten daraufhin ihre Teilnahme an einem Wirtschaftsgipfel in der saudiarabischen Hauptstadt Riad am kommenden Dienstag abgesagt.

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