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Weltspartag : Wie Knax uns zu Sparfüchsen machte

Für junge Sparer Bild: Philip Lisowski / F.A.Z.

An diesem Freitag ist Weltspartag. Knax-Comics sind einflussreicher als viele elterliche Erziehungsbemühungen

          Die Deutschen sind ein Volk von Sparern. Die Quote des zurückgelegten Anteils am Einkommen schwankt seit dem Jahr 2003 zwischen 10,3 und 11,5 Prozent und liegt damit Jahr für Jahr zwischen zwei- und fünfmal so hoch wie in Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Das scheint tief im deutschen Wesen verankert zu sein. In kaum einem Land gab es wegen der Inflationserfahrung ein so inniges Verhältnis der Bevölkerung zur Notenbank wie das der Deutschen zu ihrer Bundesbank. Denn erst sie schuf mit ihrer Stabilitätspolitik die Voraussetzung dafür, dass sich Sparen lohnte.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was die Ursachen dafür sind, ist vielfach untersucht worden. Doch selten ist dabei ein Phänomen in den Blickpunkt gerückt, das eigentlich offensichtlich und profan ist. Seit 1974 verteilen Sparkassenfilialen ihre Knax-Comics gratis an die Kinder ihrer Kunden. Und das Konzept ging auf: Auf einmal kamen Mädchen und Jungen gern in die Filialen und wurden von früh auf mit den Vorzügen des Sparens in Berührung gebracht. Zu ihren Glanzzeiten wurden von den Heften 1,8 Millionen Exemplare gedruckt - eine Auflage, von der Micky Maus oder Donald Duck hierzulande nur träumen konnten. Auch heute noch liegt sie weit über einer Million.

          Kinder an Filialen binden

          „Die Sparkasse hat als erste Institution nach der katholischen Kirche erkannt, dass die Menschen schon im Kindesalter auf sie eingeschworen werden müssen“, sagt Peter Wiechmann, einer der Knax-Entwickler und langjähriger Autor der Hefte. Er erinnert sich an einen kleinen Prokuristen mit schütterem Haar, der Mitte der siebziger Jahre im Gebäude des Kauka-Comicverlags auftauchte. Man wolle ein Magazin, das Kinder an die Filialen binde. Darin solle es um Geldanlage und die Geschichte des Geldes gehen. Das war die Vorgabe. Schnell brachte das Kauka-Team den Herrn von der Idee ab, die Kinder mit abstrakten redaktionellen Beiträgen zu langweilen. „Wir werden über Geld reden“, versprach Wiechmann. „Aber in Comics, mit Sympathiefiguren.“

          Die Wirkung von Knax geht weit über diesen Magneteffekt für die Filialen hinaus. Denn die Geschichten gemahnen die jungen Leser ohne erhobenen Zeigefinger an die einfachen Tugenden eines erfolgreichen Sparers: fleißig zu arbeiten, sein Geld rechtschaffen auf die Sparkasse zu tragen, andere nicht zu übervorteilen. „Wir haben zur Vorbereitung der Serie inhaliert, was uns in den Filialen entgegenströmte“, erklärt Autor Wiechmann diesen subtilen Effekt - der beabsichtigt und äußerst erfolgreich war. Untersuchungen hätten gezeigt, dass nach der Einführung von Knax rund 50 Prozent der Leser später selbst Sparkassenkunden wurden - weit mehr als in den Zeiten ohne Knax.

          Knax ist das Abbild der realen Welt

          Alle zwei Monate kommt ein neues Abenteuer heraus, das immer nach demselben Schema verläuft. Auf der Knax-Insel gibt es eine Gruppe von ehrlichen Bürgern und eine Räuberbande, die versucht, ihnen Vorräte und Geldvermögen abspenstig zu machen. Ob es mit Hilfe eines Flaschengeistes ist (wie in Heft 1/1982) oder durch Holzdiebstahl (6/1985), ob mit einer Klebstoffattacke (2/1993) oder mit Hilfe eines selbst gebastelten UFOs (1/2001) - immer wollen die Halunken von Burg Fetzenstein die eifrigen „Knaxianer“ um ihren verdienten Lohn bringen. Und meist stolpern sie über ihre Gier - oder eine List der schlauen Kinder Didi und Dodo hilft, die Attacke der Räuber abzuwenden.

          Knax ist das Abbild der realen Welt - „eine Robinsonade“, wie Wiechmann sagt: das Experiment einer Urgesellschaft auf dem engen Raum einer Insel. Die Einzelfiguren repräsentieren Berufsstände: So gibt es einen Krämer, zwei Angler-Zwillinge, einen Schmied, den Dorfkrämer und ein Bauernehepaar. Sind für die jungen Leser die beiden Kinder als Identifikationsfiguren die echten Stars, ist für die Wirkung der Comics die Rolle des Gantenkiel aufschlussreicher, eines gelehrten Stadtschreibers und Sparkassen-Filialleiters.

          „Ein jeder spare viel“

          „Alle vertrauen mir ihr Geld an, denn bei mir auf der Sparkasse ist es gut und sicher aufgehoben“, gibt er in einer Figurenpräsentation der frühen Ausgaben preis. In späteren Episoden tritt er als Streitschlichter und besonnener Sachwalter des Allgemeininteresses auf. Dabei ist Gantenkiel von seinen Wünschen und seinem Antrieb her ein für Comics typisch eindimensionaler Charakter. Sein größter Wunsch sei es, dass „ein jeder spare viel“, bestätigt er in der Episode 1/1984 einer Wahrsagerin, als die sich ein Mitglied der Räuberbande ausgibt. Er ist der Berater des schlauen Didi und am Ende häufig der große Versöhner, der die Räuberbande trotz ihrer Missetaten wieder in die Gemeinschaft integriert.

          „Das Verlässliche, das die Sparkassen für sich beanspruchen, spiegelt sich in Knax: Dort bringen sie immer das Böse zum Guten. Man kann sich darauf verlassen“, erläutert Wiechmann, der auch die ersten Asterix-Bände ins Deutsche übersetzt, „Fix & Foxy“ geprägt hat und inzwischen 72 Jahre alt ist. Auf diese Weise seien die Knax-Kinder tatsächlich häufig selbst zu eingefleischten Sparfüchsen geworden. Sie haben verinnerlicht, dass sich Betrug nicht lohnt, dass nur Fleiß schließlich auch Ergebnisse abwirft, dass sich der Gierige am Ende überlisten lässt und dass das Geld bei Gantenkiel am besten aufgehoben ist.

          Diese subtil verabreichte Botschaft wurde dadurch verstärkt, dass die Filialmitarbeiter für die Kinder geschult wurden. Zunehmend wurden sie wahrgenommen und in Programme der Sparkasse eingebunden. Mit nachhaltigem Effekt, wie Wiechmann meint: „Es war das permanente Bei-der-Stange-Halten einer wachsenden Zielgruppe.“ Und die hat nach all den Jahren ihre Lektion gelernt.

          Quelle: F.A.Z.

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