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Veröffentlicht: 25.01.2016, 10:23 Uhr

Warum die Aktienkurse fallen „Auch wir gehören zu den ,bösen Buben’“

Bernhard Langer legt 30 Milliarden Dollar für den Vermögensverwalter Invesco an. Er erklärt, warum die Kurse in diesem Jahr gefallen sind. Und wieso viele über China reden.

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© Wolfgang Eilmes Der Deutsche Bernhard Langer ist verantwortlich für einen Teil der insgesamt mehr als 760 Milliarden Dollar, die das Investmenthaus Invesco auf der ganzen Welt verwaltet.
 
Warum die Aktienkurse gefallen sind - und wieso viele über China reden.

Herr Langer, wieso sind die Börsenkurse in diesem Jahr so stark gefallen?

Alexander     Armbruster Folgen:

Das ist eine gute Frage und eine fundamentale Antwort gibt es nicht.

Es werden in Marktkommentaren aber einige angeboten: Angeblich ist pünktlich zum Jahreswechsel eine Angst um China ausgebrochen, lautet eine häufige. Auch mit dem sinkenden Ölpreis werden die gefallenen Aktienkurse begründet.

Diese beiden Panikargumentationen sind mindestens übertrieben. Ja, China wächst langsamer als in den vergangenen Jahren und der Ölpreis ist eingebrochen. Bekannt ist beides aber nicht erst seit drei Wochen, und dabei geht gelegentlich einiges durcheinander. Wenn es etwa um China geht, ist häufig davon die Rede, dass der Yuan abwertet. Er tut das derzeit allerdings vornehmlich gegenüber dem Dollar. Gemessen an einem breiten Währungskorb ist das überhaupt nicht so, da ist das Gegenteil der Fall.

Der Risikoforscher Nassim Nicholas Taleb hat einmal geschrieben, es gehöre zu unserer menschlichen Natur, auch für sehr unerwartete Ereignisse im Nachhinein Erklärungen zu konstruieren, eben um sie erklärbar und doch vorhersagbar zu machen.

Das ist richtig. Manchmal werden einfache Erklärungen, die intuitiv richtig klingen, ständig wiederholt, obwohl sie falsch sind.

Wer verkauft denn gerade Aktien?

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Staatsfonds vor allem aus dem Nahen Osten und Asien seit einiger Zeit schon Positionen abbauen. Dies hängt, etwa im Falle Saudi-Arabiens, natürlich damit zusammen, dass der niedrigere Ölpreis die Staatseinnahmen merklich verringert hat und eben Geld woanders herkommen muss.

Sind deswegen die Kurse in den vergangenen drei Wochen so stark gesunken?

Zumindest dürfte dies derzeit einen vergleichsweise starken Effekt haben, weil der Handel seit Jahresbeginn überhaupt sehr dünn ist...

...es also geringe Handelsvolumen gibt.

Es gibt sehr wenige Käufer. Und dann verstärkt sich so ein Trend besonders schnell gerade auch wegen der Art und Weise, wie viele institutionelle Investoren heute anlegen.

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Worauf spielen Sie an?

Kaum jemand legt noch direktional an, wie wir dazu sagen, setzt zum Beispiel also einfach auf steigende Aktienkurse, in dem er Aktien kauft uns sonst nichts. Vielmehr engagieren sich besonders die großen Anleger nicht ohne Sicherungsnetz, um Risiken nicht zu groß werden zu lassen.

Etwas konkreter bitte.

Auch infolge der Finanzkrise geben sich etwa Versorgungswerke, Pensionskassen, Versicherer strenge sogenannte Risiko-Budgets, die sie nicht überschreiten wollen. Engagieren sie sich in Aktien, erlauben sie sich einen bestimmten Verlust und nicht mehr. Sinkt dann etwa der Dax an einem Tag um sagen wir drei Prozent, gehen diese Investoren unmittelbar an den Terminmärkten zur Sicherung Ihrer Bestände eine Position ein, die ebenfalls auf fallende Kurse setzt. So können sie den eigenen Verlust eingrenzen – verstärken aber zugleich eben den allgemeinen Abwärtstrend. Auch wir tun das für unsere Kunden und gehören sozusagen zu diesen „bösen Buben“.

Und wenn dann die Kurse weiter sinken, müssen Sie noch mehr absichern und dann sinken die Kurse weiter?

So ungefähr. Das geht tendenziell zumindest solange, bis irgendwann Käufer in substantiellem Umfang sich dagegen stemmen. Deswegen erleben wir übrigens zur Zeit auch viele Tage, an denen so eine Abwärtsbewegung einmal um den Globus geht – es gibt einfach kein großes Kaufinteresse gerade.

Nur um eine Vorstellung zu bekommen: Um wie viel investiertes Geld geht es, das da abgesichert wird?

Alleine in Deutschland um unzählige Milliarden.

Und das kann dazu führen, dass die Aktienkurse ganz schnell ohne ersichtlichen fundamentalen Grund um zehn Prozent nachgeben, wie wir das seit Jahresbeginn erlebt haben?

Ja.

Wie geht es nun weiter?

Unsere Modelle, die Konjunkturzahlen, Stimmungsindikatoren, Trendgrößen einbeziehen, zeigen eigentlich ziemlich klar: Die Märkte werden drehen. Der Ölpreis sollte sich auf dem aktuellen Niveau zumindest stabilisieren. Und der Dax, wenn wir den einmal herausnehmen, hat auch gute Chancen, wieder auf mehr als 10.000 Punkte zuzulegen.

Welches Verhalten der amerikanischen Notenbank, das ja sehr wichtig für die Marktentwicklung an den Aktienbörsen ist, legen Sie dabei zugrunde?

Wir gehen von vier Zinserhöhungen in diesem Jahr um jeweils einen Viertelprozentpunkt aus. Die amerikanische Wirtschaft befindet sich unseres Erachtens in einer guten Verfassung, die Kreditgewährung hat sich endlich wieder normalisiert, die aktuelle Berichtssaison verläuft ziemlich erfreulich. Gelegentlich vorgebrachte Warnungen vor einer drohenden Rezession in den Vereinigten Staaten halten wir für ziemlich abseitig. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt unseren Berechnungen zufolge weniger als fünf Prozent.

Gibt es vielleicht einen sehr großen Investor, der in existenziellen Schwierigkeiten steckt? Auch so etwas kann ja Turbulenzen auslösen, für die zunächst kein plausibler Grund ersichtlich ist.

Die gängige  „bärische“ Argumentation ist , dass aufgrund des Verfall des Ölpreises Fracking-Unternehmen insolvent werden und dann in einer Kettenreaktion das amerikanische Bankensystem kollabiert. Wir halten das für sehr unwahrscheinlich.

Quelle: FAZ.NET

 

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