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Wall Street Unsichere Aussichten für Banken

29.08.2007 ·  Vor Veröffentlichung der Quartalsergebnisse herrscht bei den amerikanischen Investmentbanken Nervosität. Schließlich haben Analysten die Prognosen wegen der Kreditkrise gesenkt. Von Norbert Kuls.

Von Norbert Kuls, New York
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Die Aktienkurse der großen amerikanischen Banken stehen an der Wall Street unter Druck. Vor dem Hintergrund der jüngsten Verwerfungen an den Anleihemärkten reagiert auch der breite Aktienmarkt sehr sensibel auf die Kursschwankungen der Finanzinstitute, die als Anker der Wall Street gelten. Finanztitel haben mit rund 20 Prozent das stärkste Gewicht im breitgefassten Aktienmarktindex S&P 500.

Die Kursentwicklung vor allem der großen Investmentbanken gilt als Indikator für den weiteren Trend an der Wall Street. Finanzwerte sind in diesem Jahr mit einem Minus von rund 10 Prozent mit Abstand das schwächste Segment im S&P 500, der im gleichen Zeitraum noch leicht im Plus liegt. Auch die heftigen Kursverluste der amerikanischen Aktienmärkte am Dienstag - der Dow Jones und der S&P 500 waren um mehr als 2 Prozent gefallen - waren zum großen Teil auf die ausgeprägte Schwäche der Finanzwerte zurückzuführen. Am Mittwoch erholten sich die Kurse zunächst wieder.

Anleger erwarten Quartalsberichte mit Spannung

Die Wurzel der Kurseinbußen sind Spekulationen über mögliche Verluste bei Banken und Wertpapierhäusern wegen der jüngsten Finanzmarktturbulenzen. Zuletzt hatte es den großen Vermögensverwalter State Street getroffen. Dessen Kurs sackte ab, nachdem Berichte über hohe Verluste in einem Anleihefonds für institutionelle Anleger bekannt wurden. Zudem gab es Spekulationen über mögliche Belastungen des Wertpapierhauses durch die Emission von kurzfristigen Unternehmensanleihen (Commercial Paper). In diesem Markt war zuletzt die Nachfrage ausgeblieben.

Anleger an der Wall Street erwarten daher mit Spannung die in wenigen Wochen zur Veröffentlichung anstehenden Quartalsberichte einiger Investmentbanken. Das dritte Quartal geht für Goldman Sachs, Morgan Stanley, Lehman Brothers und Bear Stearns schon Ende August zu Ende. Die Ergebnisse werden der erste klare Hinweis auf die Konsequenzen der Marktturbulenzen sein, die mit steigenden Kreditausfällen bei Hypotheken für Kunden mit schwacher Bonität ihren Anfang genommen hatten. „Wir werden die reale Belastung durch die Verluste im Anleihemarkt zum Quartalsende erfahren, weswegen es eine Menge Sorgen gibt“, sagte Anthony Conroy, Chefhändler des Wertpapierhauses BNY Brokerage.

Nachfrage nach Risikoanleihen hat nachgelassen

Die Nachfrage nach Anleihen, die mit Hypotheken besichert sind, hatte in den vergangenen Wochen stark abgenommen. Investmentbanken machen Geschäft mit der Umwandlung von Immobiliendarlehen in handelbare Anleihen und investieren auch selbst in diese Papiere. Verstärkt wurde die Nervosität durch die Schieflage von Hedge-Fonds, die in solche Anleihen investiert hatten. An der Wall Street geht nun die Angst um, dass die Handelsabteilungen der Banken angesichts starker Kursschwankungen Verluste eingefahren haben.

Ebenfalls unter Druck stehen möglicherweise die Erträge aus der Beratung bei Fusionen und Übernahmen. Da die Nachfrage nach Risikoanleihen generell nachgelassen hat, ist die überwiegend kreditfinanzierte Übernahmewelle von Beteiligungsgesellschaften deutlich abgeflaut. Banken müssen zudem für zugesagte Überbrückungskredite bei Übernahmen geradestehen, wenn sie diese Kredite wegen des gesunkenen Risikoappetits der Anleger nicht verbriefen und als Anleihen am Kapitalmarkt plazieren können.

Noch ist nicht genau bekannt, wie groß die möglichen Verluste in den betroffenen Sparten der Banken sein werden. Analysten von Goldman Sachs haben Anfang dieser Woche dennoch die Prognosen für die Konkurrenten Lehman Brothers, Bear Stearns und Morgan Stanley gesenkt. Einen Tag später nahmen die Analysten von Merrill Lynch wegen der Auswirkungen der Kreditkrise ihre Kaufempfehlung für Lehman Brothers, Bear Stearns und Citigroup zurück.

Quelle: F.A.Z., 30.08.2007, Nr. 201 / Seite 21
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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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