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Wall Street Tricksereien von Hochfrequenzhändlern im Visier

 ·  Ein ehemaliger Computerhändler prangert die Methoden im millisekundenschnellen Aktienhandel an. Komplexe Orderzusätze sollen Computerhändlern Vorteile bringen.

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© AFP Befragung hinter dicken Mauern: Bei einer Anhörung vor einem Senatsausschuss sprach ein Insider

In den Vereinigten Staaten wächst der Druck auf die in den vergangenen Jahren stark gewachsene Branche der Hochfrequenzhändler. Die Börsenaufsicht SEC prüft in weitreichenden Ermittlungen, ob amerikanische Börsenkonzerne Wertpapierhändlern, die Aktien mit leistungsstarken Computern in extrem kurzen Zeitabständen handeln, Vorteile gegenüber Privatanlegern einräumen. Zudem gibt es Befürchtungen, dass die Märkte mit zunehmender Computerisierung anfälliger für starke Kursschwankungen und einen Börsenkrach geworden sind.

„Wir befinden uns ernsthaft in einer Krise“, sagte der ehemalige Hochfrequenzhändler David Lauer am Donnerstag vor dem Bankenausschuss des Senats, der angesichts der anschwellenden Debatte um Fairness an den Börsen eine Anhörung zu dem Thema einberufen hatte. Lauer gehört zu einer wachsenden Zahl von Branchenkennern, die die Methoden der Computerhändler kritisierten. Nach seinen Angaben nutzen die Händler vor allem eine Reihe komplexer Orderzusätze, um sich Vorteile zu verschaffen. Die meisten Anleger beschränken sich bei Aktienaufträgen auf klassische Zusätze wie das „Limit“, bei dem ein bestimmter Kurs beim Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers nicht überschritten oder entsprechend unterschritten werden darf.

Privatanleger ziehen sich zurück

Lauer zufolge hat die Börsenaufsicht in den vergangenen Jahren aber zahlreiche exotische Orderzusätze genehmigt, die von Hochfrequenzhändlern selbst entwickelt wurden. „Hochfrequenzhändler profitieren von dieser künstlichen, strukturellen Komplexität“, sagte Lauer, der mittlerweile die von einem Hedgefonds finanzierte Lobbygruppe Better Markets in Washington berät. Andrew Brooks, Chef des Aktienhandels bei der Fondsgesellschaft T.Rowe Price, kritisierte vor den Senatoren ebenfalls eine „Ausbreitung neuer Ordertypen“, die auf kurzfristigen Gewinn gepolten Händlern Vorteile zu bringen scheinen. Befürworter des Hochfrequenzhandels argumentieren, dass dadurch die Preise für den Aktienhandel insgesamt sinken und für die nötige Liquidität an den Märkten gesorgt wird. „Unser Aktienmarkt ist der dynamischste und effizienteste Markt der Welt“, sagte Chris Concannon, Manager beim elektronischen Wertpapierhändler Virtu Financial vor dem Bankenausschuss.

Der Börsenhandel wird seit geraumer Zeit von Wertpapierhäusern dominiert, die Aktien in Millisekunden handeln. Nach Schätzungen von Fachleuten entfallen schon bis zu 70 Prozent des gesamten Handelsvolumens an amerikanischen Börsen auf den Hochfrequenzhandel. Privatanleger ziehen sich angesichts der Kontroversen um den Computerhandel allerdings zunehmend aus dem Aktienmarkt zurück.

Profianleger wurden bevorzugt

Die Debatte hatte vor etwas mehr als zwei Jahren mit dem Blitzcrash an der New Yorker Börse an Brisanz gewonnen. Der Dow-Jones-Index war damals innerhalb von Minuten ohne offensichtlichen Grund um fast 1000 Punkte abgesackt und hatte sich danach genauso rasch wieder von den Verlusten erholt. Die SEC kam nach einer monatelangen Untersuchung zum Schluss, dass der massive computergestützte Verkauf von Terminkontrakten durch eine große Investmentfondsgesellschaft Auslöser einer negativen Kettenreaktion war. An der Wall Street halten sich aber Gerüchte, dass auch Computerprogramme der Hochfrequenzhändler zum Kursrutsch beigetragen haben.

Für Verunsicherung sorgte auch das Debakel beim Börsengang des Internetunternehmens Facebook an der elektronischen Börse Nasdaq im Mai. Die geplante Eröffnung des Handels hatte sich wegen technischer Schwierigkeiten verzögert und Händler bekamen stundenlang keine Bestätigung ihrer Aufträge. Nach Ansicht des Informationsdienstes Nanex hatten Handelscomputer die Systeme der Nasdaq mit Aufträgen zum Kauf, Verkauf und der Stornierung von Aktien überwältigt. Davor hatte die elektronische Börse Bats ihren eigenen Börsengang nach technischen Schwierigkeiten abgesagt. Bats begründete die Schwierigkeiten mit Fehlern in einer neuen Software für Börsengänge. Nanex bezeichnete es als gezielten Angriff eines Handelsprogramms, das darauf zielte, den Aktienkurs von Bats unter Druck zu setzen.

In Zusammenhang mit Hochfrequenzhandel hat die SEC kürzlich erstmals eine Geldstrafe gegen die New Yorker Börse verhängt. Der Börsenkonzern Nyse Euronext muss im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs 5 Millionen Dollar zahlen, weil Profianleger über einen Zeitraum von zwei Jahren bevorzugt wurden. Die Nyse hatte zahlenden Abonnenten Kursdaten kurz vor der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. „Unzulässiger frühzeitiger Zugang zu Marktdaten, selbst wenn es sich um Millisekunden handelt, kann ein echter und bedeutender Vorteil sein, der Privatanleger und langfristig orientierte Investoren benachteiligt“, sagte Robert Khuzami, der bei der SEC für Strafverfolgung zuständig ist.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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