12.03.2001 · Nach DaimlerChrysler, SAP und Schering geht Siemens ab Montag an die New Yorker Börse. Analysten blicken mit gemischen Gefühlen zur Wall Street.
Wenn am Montagnachmittag die Glocke an der Wall Street zum Handel läutet, könnten amerikanische Anleger erstmals Siemens-Aktien auf dem heimischen Parkett erwerben. Die Münchener reihen sich damit in die Dax-Werte ein, die ein Listing an der Mutter aller Börsen anstreben. Doch während einige Unternehmen wie Veba und Schering den Gang über den Teich mit viel Medienrummel feierten, geben sich die Münchener bescheiden.
„Siemens rührt wahrscheinlich bewusst nicht die Werbetrommel, denn das US-Listing ist auch mit Risiken verbunden“, meint Jörg Natrop, Analyst bei der WGZ-Bank. Die Gefahr sei, dass die deutschen Aktien an der New Yorker Börse ein Schattendasein führen und umsatzarm verkümmern. So ist es zumindest Veba seinerzeit ergangen. Auch Schering hat der Gang über den großen Teich nicht unbedingt zu Ruhm verholfen. Der Kurs ist zwar im Vorfeld gut gelaufen, aber seit dem Handelsstart in New York am 12. Oktober 2000 ging es nur noch bergab. SAP, die bereits im Sommer 1998 Manhattan erobern wollten, erging es zunächst ähnlich trostlos. Die amerikanischen SAP-Aktien drittelten sich fast bevor sie von der Technologiewelle nach oben gehievt worden.
Leerverkäufe können Kurs belasten
„Die Aktien leiden oft unter den Shorties in Amerika“, meint Theo Kitz. Der Analyst von Merck, Finck & Co ist daher generell skeptisch gegenüber einem Listing in den USA. Anders als in Europa können Privatanleger an der Wall Street Aktien verkaufen, also short gehen, ohne die Stücke tatsächlich zu besitzen. Mit diesen so genannten Leerverkäufen spekulieren sie auf fallende Kurse, um die eingegangene Position dann später zu einem tieferen Kurs einzudecken. „Vor allem LHS hat seinerzeit sehr unter diesen Shorties gelitten, aber auch SAP“, erinnert sich Kitz. Die Aktien von LHS, die mittlerweile übernommen und vom Kurszettel verschwunden sind, seien monatelang durch Gerüchte und als negativ interpretierte Nachrichten unter Druck gewesen. Bei SAP sei es ähnlich gewesen. Daher bringe das US-Listing den deutschen Anlegern wenig.
„Das muss natürlich nicht so bei Siemens sein“, fügt Kitz hinzu, der die Aktie auf „Marketperform“ eingestuft hat. Denn Siemens sei im Vergleich zu SAP und LHS seinerzeit nicht mit einem so hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet und damit optisch nicht so teuer. Natrop bewertet den Gang an die New York Stock Exchange neutral bis leicht positiv für die Unternehmen. Die deutschen Konzerne streben vor allem an die amerikanische Börse, damit sie eine Akquisitionswährung haben, um so bei Übernahmen in den USA mit eigenen Aktien bezahlen zu können. Darüber hinaus setzen die Manager darauf, dass mit dem Börsenlisting ihr Markenname in den USA bekannter wird. Auch eine größere Aktzeptanz bei den amerikanischen Aktionären erhoffen sich die Münchener.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |