Nach mehreren gescheiterten Anläufen hat der breitgefasste amerikanische Aktienindex S&P 500 am Mittwoch auf einem neuen Rekordhoch geschlossen. Der Index, der 75 Prozent des amerikanischen Aktienmarktes abbildet, übertraf damit seine vor über sieben Jahren aufgestellte Bestmarke. Am 24. März 2000 hatte der S&P 500 auf einem Rekordstand von 1527 Punkten geschlossen. Dies markierte das Ende der großen Börsenhausse der späten neunziger Jahre und den Beginn eines mehrjährigen Abschwungs.
Am Mittwoch schloss der S&P 500-Index bei 1530 Punkten. Insgesamt hat das Marktbarometer damit in diesem Jahr rund 8 Prozent zugelegt. Der absolute Rekordstand von 1553 Punkten, den der S&P 500-Index ebenfalls am 24. März des Jahres 2000 im Handelsverlauf erreicht hatte, wurde aber noch nicht wieder übertroffen.
Dow entwickelt sich langfristig ähnlich
Das Flaggschiff-Börsenbarometer war nach den Berechnungen des Indexbetreibers Standard & Poor's während der Aktienbaisse um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Seit dem Beginn der aktuellen Aufschwungsphase im Oktober des Jahres 2002 hat der S&P 500 jedoch um 97 Prozent zugelegt. Im Gegensatz zur Hausse in den neunziger Jahren wurde der Kursaufschwung dieses Mal nicht von Technologieaktien angeführt. Die Marktsegmente mit der stärksten Kursentwicklung seit Oktober 2002 sind Energietitel und Versorger. Die Kurse der Energieaktien stiegen um 200 Prozent, die der Versorgerpapiere um 170 Prozent. Energie- und Grundstoffhersteller profitierten in den vergangenen Jahren vom starken Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern und der begleitenden Hausse der Rohstoffpreise. Versorger waren unter anderem wegen ihrer hohen Dividendenrenditen attraktiv.
Während der jüngsten Haussephase haben konjunkturunabhängige Konsumwerte (plus 37 Prozent) und Titel aus der Pharma- und Gesundheitsbranche (plus 42 Prozent) am schlechtesten abgeschnitten. Technologiewerte haben sich zwar mit einem Zuwachs um 120 Prozent ebenfalls kräftig erholt. Allerdings waren die Aktienkurse in diesem Segment während der Baisse am deutlichsten eingebrochen.
Der technologielastige Composite-Index der Computerbörse Nasdaq liegt daher noch immer rund 50 Prozent unter seinem Rekordniveau aus dem Jahr 2000. Der Dow-Jones-Index, in dem 30 große Standardwerte abgebildet sind, hatte seinen ebenfalls im Frühjahr 2000 aufgestellten Rekord bereits im Oktober vergangenen Jahres eingestellt und ist seither weiter gestiegen. Der populäre Index hat seit Anfang Januar gut 9 Prozent zugelegt und am Mittwoch das Rekordhoch Nummer 25 dieses Jahres markiert. Der Dow entwickelt sich trotz einer anderen Berechnung langfristig ähnlich wie der S&P 500, weil beide Barometer Aktien mit großem Börsenwert abbilden.
Unter Privatanlegern keine Euphorie
Die Aktie mit der größten Marktkapitalisierung ist aktuell der Erdölproduzent Exxon Mobil, der 465 Milliarden Dollar auf die Waage bringt. Im März 2000 nahm diese Position mit einen Börsenwert von 553 Milliarden Dollar noch der Softwareriese Microsoft ein. Das unterstreicht anschaulich die Umschichtung der Anleger von Technologie- in Energieaktien.
Der größte Unterschied zum Jahr 2000 ist nach Angaben von Standard & Poor's aber die Bewertung des Aktienmarktes. Im März 2000 wurde der S&P 500 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 25,5 auf Basis der operativen Gewinne der vergangenen zwölf Monate gehandelt. In diesem Jahr liegt das KGV bei 17,1 und entspricht damit dem langfristigen Durchschnitt. Das KGV ist ein Indikator dafür, ob Aktien teuer oder billig sind. „Wenn der S&P 500 mit dem gleichen KGV bewertet werden würde wie im März 2000, müsste er bei 2594 Punkten stehen“, sagte Howard Silverblatt, der für Indizes zuständige Analyst bei Standard & Poor's.
Trotz des Aufschwungs der amerikanischen Aktienkurse ist im Gegensatz zum Anfang des Jahrzehnts unter Privatanlegern keine Euphorie zu spüren. Zwar sind nach jüngsten Angaben des amerikanischen Fonds-Verbandes ICI im April netto 18,3 Milliarden Dollar in Investmentfonds geflossen. Den Löwenanteil investierten amerikanische Privatanleger aber in international agierende Fonds. Investmentfonds, die auf dem Heimatmarkt anlegen, erhielten davon nur spärliche 1,7 Milliarden Dollar.
