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Wall Street Gute Chancen für große Werte

Amerikas Konjunktur scheint sich zu fangen. Kerry James, Investmentspezialistin bei Robeco, erklärt dies mit geringeren Wachstumshemmnissen und rechnet fest mit einer Lösung der Haushaltsprobleme.

© Robeco Vergrößern Kerry James, Investmentspezialistin für die Vereinigten Staaten bei Robeco

Seit Jahresbeginn scheint sich die Stimmung an den Aktienmärkten gewandelt zu haben. Schien 2011 noch die Schuldenkrise jede Erholung im Keim zu ersticken, scheinen sie sich nunmehr davon etwas frei gemacht zu haben. Das stimmt zunächst skeptisch, hat sich doch eigentlich nichts geändert. Manche Beobachter gehen so weit, dass sie als Grund eine gewisse Krisenermüdung an führen.

Die Zeichen stehen auf Erholung

Martin Hock Folgen:    

Kerry James, Investmentspezialistin für Amerika bei der niederländischen Fondsgesellschaft Robeco, teilt diese Ansicht nicht. Sie macht vielmehr als Grund aus, dass es der amerikanischen Wirtschaft besser gehe und Anleger unter diesen Aspekten wieder mehr zu Aktienkäufen neigten. „Ich denke, das Rezessionsrisiko ist in den Vereinigten Staaten passé“, sagt sie.

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Die Unternehmen verdienten ziemlich gut, drei Viertel hätten für das dritte Quartal die Prognosen übertroffen, ein bedeutender Prozentsatz sei sehr stark gewachsen. Die Arbeitslosigkeit sinke, der Häusermarkt habe sich stabilisiert. Die Investitionen stiegen und würden diesmal vor allem von Anlageinvestitionen getragen. Der Frachtverkehr wachse, die Kapazitätsauslastung wachse – allenthalben stünden die Zeichen also auf Erholung.

Wenig Wachstumshemmnisse im Inland

Mit Blick auf die prognostizierte Wachstumsabschwächung in den Schwellenländern und im Angesicht einer Rezession in Europa überrascht das zunächst. Wie kann es sein, dass sich die Vereinigten Staaten diesem negativen Trend entziehen können?

Tabelle US-LargeCap-Funds 1 180112

James dämpft auch ein wenig die Erwartungen. In den kommenden Jahren könnte das Wachstum doch eher langsam von statten gehen. Doch profitiere Amerika davon, dass es derzeit wenig wachstumshemmende Faktoren im Inland gebe, trotz einer gewissen Schwäche Beschäftigung und Konsum aber auf hohem Niveau lägen. Das gelte grundsätzlich auch für Europa, wenngleich der Kontinent vor großen Herausforderungen stehe. Zudem werde das reale Wachstum in den Schwellenländern hoch bleiben, wenn auch nicht mehr so stark wie zuvor.

Haushaltskonsolidierung beginnt nach den Wahlen

Ein wenig erfreuliches Thema ist für sie der Umgang mit den amerikanischen Staatsfinanzen. „Es ist bedauerlich, wie gering der Wille zur Haushaltskonsolidierung derzeit ist“, räumt sie ein. Doch sie glaubt, dass sich dies nach den Wahlen in diesem Jahr ändern werde. „Gewinnt Obama, hat er Spielraum für größere Reformen“, sagt sie. „In seiner zweiten Amtszeit hat er nichts mehr zu verlieren, weil er schließlich nicht mehr wieder gewählt werden kann.“

Tabelle US LargeCap-Funds 2 180112

Gewönnen die Republikaner, ist sich James sicher, würden auch diese das Problem an der Wurzel packen. Zugegeben hätten diese keine überzeugende Erfolgsbilanz, wenn es um die Staatsfinanzen gehe, doch wenn sich das nicht ändere, drohe ihnen der Verlust des Nimbus’ einer wirtschaftsfreundlichen Partei. Zwar seien etwa die Pläne Romneys, den sie für einen der aussichtsreichsten Kandidaten hält, wenig konkret, doch das liege am Wahlkampf, in dem sich niemand so recht festlegen wolle. Zu gut erinnen sich die Republikaner noch an George Bush senior, dessen Wahlniederlage 1992 nicht zuletzt darauf zurückging, dass er in seiner ersten Amtsperiode das Wahlversprechen, keine neuen Steuern zu erheben, nicht habe einhalten können.

Ambivalent beurteilt sie die Rolle der „Tea Party“. Auf der einen Seite bringe diese Schwung in die Diskussion um die Rolle und Größe des Staates in der Wirtschaft. Indes seien die Positionen der Partei sehr starr. „Sie sind sehr gut darin, „Nein“ zu sagen. Das macht es schwer, Kompromisse zu finden.“ Letztlich aber sei für die Wirtschaft wichtig, welche Weichen langfristig gestellt würden. Das aber sei bei der derzeitigen Wahl schwer auszumachen.

Große Werte bevorzugt

Besonders gute Chancen sieht James derzeit bei Standardaktien. Diese seien momentan vergleichsweise günstig bewertet, wiesen gute Kostenstrukturen und einen guten Gewinntrend auf, und damit von hoher Qualität. Aussichtsreich seien speziell Aktien von Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche – und dem Gesundheitswesen. „Jetzt wo sich der Nebel der Gesundheitsreform gelichtet hat, geht es wieder um die fundamentalen Daten der Unternehmen.“

Pfizer etwa habe sich 2011 gut geschlagen, bewältige die Problematik auslaufender Patente ansprechend und schütte hohe Dividenden aus. Chancen böten auch Finanzwerte. Als Stockpicker finde man auch interessante Werte unter Unternehmen mit mittlere Marktkapitalisierung. Kleine Werte findet James dagegen eher weniger interessant. „Langfristig laufen sie nicht besser als mittel kapitalisierte Werte – die Risiken sind aber höher.“

Ein durchschnittlich positives Jahr

Weniger interessant seien derzeit auch Versorger-Aktien. Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 seien sie deutlich teurer als der S&P-500-Index mit einem KGV von etwa 10,5. Auch die Dividenden machten dies nicht wett, denn letztlich brächten Unternehmen wie Johnson & Johnson, Pfizer oder Philip Morris die gleichen Renditen. Dafür unterlägen sie aber nicht einer Regulierung und genau darauf komme es letztlich an: die Qualität des Geschäfts. Insofern gebe es überall Gelegenheiten – außer vielleicht unter Luftverkehrsaktien.

Wird 2012 also ein herausragendes Jahr für amerikanische Aktien? So weit möchte James nicht gehen. „Langfristig bringt der S&P-500 einen jährlichen Ertrag von 8 bis 10 Prozent. In dieser Größenordnung könnte auch das Ergebnis für 2012 liegen.“

Quelle: FAZ

 
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