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Wall Street Angekündigte Übernahmen wackeln

 ·  An der Wall Street notieren die Aktienkurse zahlreicher Übernahmekandidaten derzeit deutlich unter dem vereinbarten Kaufpreis. Hintergrund ist die gesunkene Nachfrage nach Risikoanleihen.

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An der Wall Street wackeln einige der in den vergangenen Monaten angekündigten, aber noch nicht abgeschlossenen Milliarden-Dollar-Übernahmen durch Beteiligungsgesellschaften. Die Aktienkurse zahlreicher Übernahmekandidaten notieren derzeit deutlich unter dem vereinbarten Kaufpreis. Dies signalisiert aus Sicht der Börsianer die Gefahr, dass die Transaktionen entweder nicht zustande kommen oder neu verhandelt werden müssen. Hintergrund dieser Entwicklung ist die gesunkene Nachfrage nach Risikoanleihen, mit denen große Übernahmen durch Private-Equity-Gesellschaften meist finanziert werden.

Als Konsequenz der Krise im amerikanischen Hypothekenmarkt hatte der Risikoappetit von Investoren im Kreditmarkt stark nachgelassen. Zu Beginn der Krise hatte die steigende Zahl von Kreditausfällen bei Hypotheken für zahlungsschwache Kunden gestanden. In einer Kettenreaktion führte das zur Schieflage von Hedge-Fonds und Banken, die in mit diesen Hypotheken besicherte Anleihen investiert waren - und zu einer allgemeinen Verunsicherung von Anlegern.

Unter dem Angebotspreis

„Einige Mega-Transaktionen sind in Gefahr“, sagt Markus Lahrkamp, Amerika-Chef der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Die meisten großen Transaktionen würden über Risikoanleihen (Junk Bonds) finanziert, und in diesem Markt sei die Liquidität ausgetrocknet. Auch im mittelständischen Bereich seien die kreditgebenden Banken vorsichtiger geworden, beobachtet Lahrkamp, der zahlreiche mittelgroße Private-Equity-Gesellschaften berät. Bei bereits abgeschlossenen Übernahmen drängten die Banken zudem deutlich stärker als vorher auf die Einhaltung der Kreditkonditionen.

Der Aktienkurs eines Übernahmekandidaten notiert vor Abschluss der Transaktion zwar in der Regel unter dem Angebotspreis. Die aufs Jahr hochgerechnete Differenz zwischen dem Preis der Offerte und dem Aktienkurs bei neun laufenden Private-Equity-Übernahmen ist nach Angaben der Investmentbank Goldman Sachs jüngst auf 68 Prozent gestiegen. Vor fünf Wochen, also vor dem Beginn der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten, hatte diese Spanne noch bei 11 Prozent gelegen.

Durchschnittlicher Abstand

Als kritischer Test für den Markt gilt die anstehende Übernahme des Kreditkartenabwicklers First Data durch die Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Ein Abschluss der Transaktion im Umfang von 29 Milliarden Dollar ist bis Ende September vorgesehen. Innerhalb der kommenden zwei Wochen müssen ausreichend Käufer für die Anleihen gefunden werden. Der Aktienkurs von First Data notierte zuletzt rund 4 Prozent unter dem vereinbarten Kaufpreis von 34 Dollar. Das entspricht dem durchschnittlichen Abstand seit Ankündigung der Transaktion.

Der Kurs war in der vergangenen Woche aber zeitweise 10 Prozent unter den Kaufpreis gefallen. Der Kurs stabilisierte sich, nachdem First-Data-Vorstandschef Ric Duques trotz der Turbulenzen auf den Kreditmärkten das Einhalten des Terminplans versprochen hatte.

„Glaube nicht, dass die TXU-Übernahme durchgeht“

An der Wall Street kursieren Gerüchte, dass die Übernahme des großen texanischen Versorgers TXU gefährdet ist. TXU hatte einer Übernahme durch ein von den Beteiligungsgesellschaften TPG und KKR geführtes Konsortium für 45 Milliarden Dollar zugestimmt. Der Aktienkurs liegt derzeit mehr als 5 Prozent unter dem gebotenen Kaufpreis, nachdem der Kurs vor einigen Tagen noch mehr als 10 Prozent unter den Angebotspreis gesackt war.

Private-Equity-Kenner Lahrkamp gibt der Transaktion wenig Chancen. „Ich glaube nicht, dass die TXU-Übernahme durchgeht“, sagte er. In den vergangenen Tagen kursierten auch Gerüchte über ein mögliches Interesse des Investors Warren Buffett an TXU, falls KKR abspringen sollte. Zu Buffetts Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway gehören bereits mehrere Versorger.

Druck wegen möglicher gesetzlicher Veränderungen

Anleger zweifeln auch an der 25 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Studentenkredit-Finanzierers Sallie Mae zu den aktuellen Konditionen. Die Aktionäre von Sallie Mae haben zwar kürzlich den Verkauf der Gesellschaft an ein Konsortium von Private-Equity-Gesellschaften (J.C. Flowers, Friedman Fleischer) und Banken (Bank of America, J.P. Morgan Chase) abgesegnet. Die Käufer machen jedoch Druck wegen möglicher gesetzlicher Veränderungen bei staatlichen Subventionen für Studentendarlehen.

Der Aktienkurs von Sallie Mae notiert derzeit knapp 20 Prozent unter dem gebotenen Kaufpreis. Zu der Nervosität der Anleger trägt auch bei, dass sich Private-Equity-Gesellschaften häufig gegen eine relativ geringe Strafgebühr zurückziehen können.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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