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Expertenstimmen : Deutsche Hoffnungen, französische Zurückhaltung

Frankreich und/oder Europa? Bild: Frank Röth

Wie wird die Zukunft der europäischen Finanzmärkte aussehen, wenn die französischen Präsidentschaftswahlen endgültig vorbei sind? Hoffnungen und Befürchtungen liegen dicht beieinander.

          Emmanuel Macron hat bei den französischen Präsidentschaftswahlen die Nase vorn. Die Börsen reagieren erleichtert, der Dax erreicht ein neues Rekordhoch, der Euro wertet auf. Doch wie sieht die längerfristige Zukunft aus. Nicht alle Analysten sind so optimistisch wie etwa Sebastian Klein von der Fürstlich Castell’schen Bank.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit Macron verbinde sich die Hoffnung, dass die zweitgrößte europäische Volkswirtschaft reformiert werde und sich zu einem zusätzlichen Wachstumsmotor neben Deutschland entwickele. Nach der Bundestagswahl im September könne sich so die Chance bieten, dass eine wirtschaftliche Erholung Europas durch das Wiedererstarken der politischen Achse Paris-Berlin getrieben werde.

          Diese Perspektive werde sich schon kurzfristig in steigenden Aktien- und Eurokursen ausdrücken. Die Bewertungen in Europa erschienen im Vergleich zu den Vereinigten Staaten noch günstig. Die bürgerliche Mitte in Frankreich könne breit genug sein, sich in Grenzsituationen kraftvoll gegen gefährliche nationalistische Tendenzen zu stemmen. Sicher müsse vor Euphorie gewarnt werden, aber bei aller notwendigen Vorsicht sei das Ergebnis ein wichtiger Etappensieg im 2017er Marathon um ein gefestigtes, zukunftsfähiges Europa.

          Wirtschaft tritt wieder in den Vordergrund

          Noch ein Stück weiter denkt schon Werner Kolitsch, Leiter der Gruppe Deutschland und Österreich bei der britischen Fondsgesellschaft M&G. An den Finanzmärkten werde sich die Aufmerksamkeit nun auf die anziehende Wirtschaft der Eurozone richten und die Aussicht, dass die EZB damit beginnen könnte, ihre geldpolitischen Anreize zurückzufahren. Über die kommenden Monate dürften daher die Renditen europäischer Staatsanleihen und europäischer Investment Grade-Unternehmensanleihen unter Druck geraten. Das Kaufprogramm für Unternehmensanleihen habe sich als kräftige Stütze für kurzfristige Anleihen mit A-Rating erwiesen.

          Mit dem Wirtschaftswachstum werde wohl auch die Kerninflation im Laufe dieses Jahres ansteigen. Daher sei davon auszugehen, dass die EZB im dritten Quartal ankündigen werde, ihr Ankaufprogramm zu drosseln. Der Einlagenzins dürfte Anfang 2018 steigen und der Refinanzierungssatz möglicherweise Ende 2018 angehoben werden.

          Nirgends sind die Euroskeptiker so stark

          Doch während im Ausland schon das Fell des Bären verteilt wird, kommen von französischer seite viel zurückhaltendere Töne. Bruno Cavalier, Chefvolkswirt von Oddo BHF, sieht Frankreich in der zweiten Runde der Wahl vor einer „System/Anti-System-Konfrontation“. Macron werde wohl gewählt, werde aber ein Land mit noch nie dagewesener politischen Fragmentierung führen. Dies lasse die Frage offen, ob er auch die Regierungsmehrheit haben werde.

          „Die Ergebnisse der Parteien am linken und rechten Rand zeigen auch, dass es eine enorme Herausforderung sein wird, eine positive Bewertung der europäischen Konstruktion in Frankreich wiederherzustellen“. Der Front National könne auf 12 bis 14 Millionen Stimmen kommen und auch die extreme Linke sei anti-europäisch. Nirgendwo in Europa hätten die Euroskeptiker ein solches Gewicht.

          Salman Ahmed, Chefinvestmentstratege der Fondsgesellschaft Lombard Odier, sieht in Frankreich alle Zeichen auf Veränderung stehen. Zum ersten Mal in sechs Jahrzehnten seien die beiden großen französischen Volksparteien in der ersten Wahlrunde ausgeschieden. Für Investoren sei indes entscheidend, dass Macron in die Stichwahl eingezogen sei und sich damit die Chance auf einen pro-europäischen Präsidenten deutlich erhöht habe. Für den Euro sei dies positiv, das Potential jedoch eher gering, da dieser einen möglichen Sieg von Le Pen bislang zu keiner Zeit stark abgebildet habe.

          Quelle: FAZ.NET

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