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Währung Nie war der Euro so wertvoll wie heute

10.07.2007 ·  Der Euro ist am Dienstag zum Dollar auf ein Rekordhoch gestiegen: In der Spitze wurden für einen Euro 1,3740 Dollar gezahlt. Ein weiterer Anstieg ist möglich. Das hohe Leistungsbilanzdefizit belastet den Dollar.

Von Benedikt Fehr
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Der Euro ist am Dienstag zum Dollar auf ein Rekordhoch gestiegen. Am Nachmittag wurden in der Spitze 1,3740 Dollar für einen Euro gezahlt, gut einen amerikanischen Cent mehr als am Montag. Händler sprachen von einer Stärke des Euro und einer Schwäche des Dollar. Die Aussicht auf steigende Zinsen im Euro-Raum treibe die Nachfrage nach Euro, sagte Carsten Fritsch, ein Währungsfachmann bei der Commerzbank. Gleichzeitig hätten neu aufkommende Sorgen über eine konjunkturelle Abkühlung in den Vereinigten Staaten den Dollar belastet.

Händler berichteten, den Dollar hätten ungünstige Nachrichten von den großen amerikanischen Einzelhandelsketten Home Depot und Sears gedrückt. Dies nährte Sorgen, dass die Konsumlust der amerikanischen Verbraucher - die Stütze der Konjunktur - abgeflaut ist. Daran knüpften sich Spekulationen, dass die amerikanische Notenbank Fed demnächst gezwungen sein könnte, ihren Leitzins zu senken - was den Dollar für internationale Anleger weniger attraktiv machen würde.

Der Euro könne rasch auf 1,40 steigen

Belastend wirkte zudem die Mitteilung der Ratingagentur Standard & Poor's, bei der Bewertung von Spezialanleihen (Collateralized Debt Obligations, CDOs) auf eine neue Methode umzustellen. Die Herabstufung von CDOs durch S&P dürfte viele Investoren zwingen, diese zu verkaufen - was zu weiteren Turbulenzen auf diesem Markt führen dürfte, sagte Michael Klawitter, ein Währungsfachmann bei Dresdner Kleinwort.

Die Kursentwicklung gewann laut Händlern an Dynamik, als der Euro die Marke von 1,37 Dollar durchbrach. Diese Marke hätten manche Anleger verteidigt, um einen Verfall bestimmter Optionen zu verhindern, war zu hören. Nachdem die Marke überwunden sei, müssten viele Exporteure aus dem Euro-Raum nun ihre Exporterlöse im Dollar-Raum absichern. Das könne weitere Dollar-Verkäufe auslösen und die amerikanische Währung weiter fallen lassen. Der Euro könne rasch auf bis zu 1,40 Dollar steigen, sagte Klawitter.

Verdeckte oder offene Dollar-Ankäufe

Andere Stimmen gaben zu bedenken, dass Politik und Notenbanken sich immer wieder klar gegen „ungeordnete Wechselkursbewegungen“ ausgesprochen hatten. So habe sich der Euro auch Ende April, als er auf das damalige Rekordhoch von 1,3680 Dollar gestiegen war, bald wieder abgeschwächt. Es sei durchaus vorstellbar, dass sich einige Zentralbanken gegen einen zu starken Dollar-Verfall stemmen könnten, entweder durch verbale Warnungen oder durch verdeckte oder offene Dollar-Ankäufe.

Vor allem die neue französische Regierung forderte zudem mehrfach, dass sich die europäische Politik gegen die Euro-Aufwertung stemmen solle, da die angebliche Überbewertung des Euro die europäischen Unternehmen im internationalen Wettbewerb benachteilige. Die meisten übrigen EU-Regierungen wiesen dies aber zurück.

Dollar auf dem tiefsten Stand seit 1973

Der Dollar steht schon seit längerem nicht nur gegenüber dem Euro unter Verkaufsdruck, sondern gegenüber den meisten großen Währungen. Das spiegelt sich im handelsgewichteten Dollar-Index, der zuletzt auf den tiefsten Stand seit 1973 gefallen ist (siehe Grafik). Der tiefere Grund für die Dollar-Schwäche ist das hohe Defizit in der amerikanischen Leistungsbilanz. Es bewirkt, dass es auf den Devisenmärkten ständig ein großes Angebot an Dollar gibt.

Allerdings kaufen einige Zentralbanken, allen voran die chinesische, seit längerem in großer Menge Dollar auf. Das stabilisiert die amerikanische Währung. In die gleiche Richtung wirkt, dass der amerikanische Leitzins mit 5,25 Prozent vergleichsweise hoch ist; das stimuliert die Dollar-Nachfrage privater Anleger. Allerdings hat diese private Nachfrage mit dem Anstieg der Leitzinsen in vielen Ländern, nicht zuletzt dem Euro-Raum, in der Tendenz nachgelassen, zumal Anleger befürchten müssen, durch die Dollar-Abwertung Währungsverluste zu erleiden. Der Euro-Leitzins dürfte demnächst von 4 auf 4,25 oder sogar 4,5 Prozent steigen.

Yen spielt Sonderrolle

Eine Sonderrolle spielt an den Devisenmärkten der japanische Yen. Wegen der extrem niedrigen Zinsen fließt Kapital aus Japan ab, was den Yen zu Euro, Dollar und vielen anderen Währungen abwerten lässt. Zum Euro liegt der Yen derzeit auf einem Rekordtief. Anfang 1999 war der Handel mit der damals neuen Währungseinheit Euro zu rund 1,17 Dollar aufgenommen worden. Zunächst verlor der Euro kräftig an Wert, erholte sich dann aber und erreichte Ende 2004 mit 1,3666 ein langjähriges Hoch.

Quelle: F.A.Z., 11.07.2007, Nr. 158 / Seite 19
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